HOME

"Bande der Barbaren": Prozess beginnt mit Eklat

"Allah wird siegen!" Mit diesen Worten, breitem Grinsen und nach oben gerecktem Daumen ist der mutmaßliche Anführer der "Bande der Barbaren" vor Gericht erschienen. Ihm und den 26 Mitangeklagten wird der Prozess gemacht, weil sie einen jüdischen Mann über Wochen hinweg langsam zu Tode gefoltert haben sollen.

Der Prozess gegen die selbsternannte "Bande der Barbaren" vor dem Pariser Geschworenengericht hat am Mittwoch mit einem Eklat begonnen. Der mutmaßliche Haupttäter, Youssouf Fofana, erschien grinsend und mit nach oben gestreckten Daumen und rief "Allah wird siegen!" Die Bande soll vor drei Jahren einen jungen jüdischen Mann über drei Wochen so stark gefoltert haben, dass er auf dem Weg ins Krankenhaus starb. Seine Peiniger hatten ihn zuvor nackt, geschunden und entkräftet an Bahngleisen nördlich von Paris abgelegt.

Der mutmaßliche Anführer der Gruppe wollte mit der Entführung bis zu 450.000 Euro Lösegeld erpressen. Nachdem die Familie auf die Forderung nicht einging, hat er sie auf 50.000 Euro gesenkt. Fofana droht lebenslange Haft. Auf die Frage nach seinem Familiennamen antwortete der Angeklagte vor Gericht: "Afrikanischer Barbar, bewaffnet, aufrührerisch, salafistisch." Als sein Geburtsdatum gab er den 13. Februar 2006 an, den Todestag seines Opfers Ilan Halimi.

Bei der Suche nach dem 23-jährigen Opfer hatte die Polizei ein antisemitisches Motiv zunächst ausgeschlossen und der Familie von Lösegeldzahlungen abgeraten, um Zeit zu gewinnen. Im Verhör gab Fofana jedoch an, er habe sein Opfer bewusst gewählt, "weil Juden zahlen".

Unvorstellbare Grausamkeit

Das Verbrechen hatte weit über die Grenzen hinaus für Entsetzen gesorgt. Die Anklage gegen den Hauptverdächtigen lautet auf vorsätzliche Tötung wegen der Religionszugehörigkeit des Opfers sowie auf Geiselnahme, versuchte Erpressung, Folter und Barbarei. Aus Geständnissen wurde die schwer fassbare Tat rekonstruiert: Am 21. Januar 2006 ließ Fofana sein Opfer in Sceaux südwestlich von Paris von einer jungen Frau in die Falle locken, nachdem mehrere Entführungen von Juden fehlgeschlagen waren.

Zunächst brachten die Täter Halimi in eine leerstehende Wohnung in einem Sozialbau, zogen ihn aus, fesselten ihn und verschlossen Augen und Mund mit Klebeband. Ernährt wurde Ilan mit Suppen, die er durch einen Strohhalm schlürfen musste. Anschließend quälte die Bande ihn mit unvorstellbarer Grausamkeit: Einer seiner Bewacher drückte einen Joint auf seiner Stirn aus, ein anderer schnitt ihm in die Wange. Fofana selbst verprügelte den jungen Mann laut Ermittlungsakten mehrfach.

Um die Geiselnahme besser geheim halten zu können, wurde Ilan von seinen Peinigern in einen Technikraum des Sozialbaus gebracht und weiter gequält. Um seine Angst zu erhöhen, gab sich die Gruppe gegenüber ihrem Opfer als "Gang der Barbaren" aus. Die Schlüssel zur Wohnung sowie zum Technikraum kamen vom Hausmeister, der laut Anklageschrift von der Entführung wusste.

Erst, nachdem einige Aufpasser die Nerven verlloren und keine Kontaktaufnahme zu den Eltern zustande kam, beendete Fofana das Martyrium. Doch als Ilan am 13. Februar gefunden wurde, lag er bereits im Sterben. Nach Hinweisen einer Komplizin kam die Polizei der Bande auf die Spur. Fofana, der vor der Tat schon mehrfach im Gefängnis saß, gelang zunächst die Flucht in die Elfenbeinküste, dem Herkunftsland seiner Eltern. Die Bilder seiner Verhaftung in Abidjan am 22. Februar 2006 gingen um die Welt.

Der Prozess gegen ihn und seine Mittäter soll dagegen hinter verschlossenen Türen stattfinden, weil eine Angeklagte zur Tatzeit minderjährig war. Für Ilans Mutter wäre das ein weiterer Schlag. "Die Verhandlung muss öffentlich sein", sagte sie am Montag dem Sender France-3. "Man muss sehen, wer Ilan gequält und getötet hat, weil er ein Jude ist."

AP / AP