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"Costa Concordia"-Unglück: Kapitän Schettino soll ins Rettungsboot gesprungen sein

Von wegen "aus Versehen gefallen". Der Kapitän der havarierten "Costa Concordia" soll ganz bewusst in ein Rettungsboot gesprungen sein. Ein Zeuge hat Schettino vor Gericht schwer belastet.

Kapitäne und Kinder zuerst? Die Aussage von Francesco Schettino, er sei "aus Versehen" von seinem sinkenden Schiff in ein Rettungsboot gefallen, hatte schon direkt nach der Havarie der "Costa Concordia" für Spott und Wut gesorgt. Doch bislang war "Kapitän Feigling", wie ihn italienische Medien getauft hatten, bei seiner Version der Ereignisse geblieben.

Eine Zeugenaussage gibt den Zweiflern nun weiter Futter: Der Offiziersanwärter Stefano Ianelli sagte vor Gericht im italienischen Grosseto, er habe sich mit Schettino zur Zeit des Unglücks auf Deck 4 befunden. Gemeinsam mit anderen habe er eine Kette gebildet, um ein Abrutschen der Menschen auf dem sich neigenden Schiff zu verhindern. Als kein Passagier mehr zu sehen gewesen sei, seien Schettino, er und drei weitere Besatzungsmitglieder zu dem Beiboot geeilt.

"Schettino war direkt vor mir gesprungen"

"Ich sprang hinein, Schettino war direkt vor mir gesprungen", berichtete der Offiziersschüler weiter. "Kaum hatte sich das Boot in Bewegung gesetzt, legte sich das Schiff auf die Seite und das Deck, auf dem wir gewesen waren, ging unter Wasser." Auf dem Weg zum Ufer von Giglio habe man noch weitere Passagiere aus dem Wasser geborgen. Damit widersprach Ianelli ausdrücklich den Angaben des Angeklagten, dass er von dem schon deutlich zur Seite geneigten Schiff gefallen und zufällig in einem Rettungsboot gelandet sei.

Schettino soll das Schiff am 13. Januar 2012 zu nahe an die Insel Giglio dirigiert haben; die "Costa Concordia" fuhr auf einen Felsen und kenterte. Bei dem Unglück starben 32 von 4229 Menschen an Bord, unter ihnen zwölf Deutsche. Der Kapitän war trotz mehrfacher Aufforderung der Hafenbehörde nicht an Bord zurückgekehrt, während die meisten Passagiere noch festsaßen. Schettino muss sich seit Juli wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung, Verursachung von Umweltschäden und Verlassen eines Schiffes in Seenot vor Gericht verantworten. Dem 52-Jährigen drohen 20 Jahre Haft.

jwi/DPA/AFP / DPA