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"Dr. Tod" Aribert Heim: Meistgesuchter NS-Verbrecher lange tot

Wegen seiner Grausamkeit nannte man ihn "Schlächter von Mauthausen" oder "Dr. Tod" - seit 47 Jahren wurde der ehemalige KZ-Arzt Aribert Heim gesucht. Jetzt scheint klar zu sein: Heim ist längst verstorben. Er war offenbar zum Islam übergetreten und als Tarek Farid Hussein in Kairo untergetaucht.

Der meistgesuchte NS-Verbrecher Aribert Heim ist nach Informationen der "New York Times" und des ZDF schon lange tot. Der frühere KZ-Arzt sei bereits am 10. August 1992 in Kairo an Darmkrebs gestorben, teilte der Mainzer Sender am Mittwochabend mit. Das hätten gemeinsame Recherchen der beiden Medien ergeben. Aribert Heim, der auch als "Schlächter von Mauthausen" oder "Dr. Tod" bezeichnet wurde, war zuletzt in Südamerika vermutet worden. Der Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires, Sergio Widder, betonte, ihm lägen zurzeit keine neuen Erkenntnisse über Heim vor.

Heim galt als extrem grausam. Augenzeugen berichteten, er habe aus der gegerbten Haut eines Opfers einen Lampenschirm für den Lagerkommandanten herstellen lassen. Er arbeitete als Arzt in den Konzentrationslagern Sachsenhausen (1940), Buchenwald (1941) und Mauthausen (1941). Ihm wird unter anderem vorgeworfen, an Gefangenen medizinische Experimente durchgeführt und ihnen willkürlich Organe entnommen zu haben. Hunderte Häftlinge soll er mit tödlichen Bezin-Injektionen auch direkt ins Herz umgebracht haben. Der 1914 geborene Österreicher praktizierte nach dem Krieg in Baden-Baden als Frauenarzt. Als Anfang der 60er Jahre Anklage gegen ihn erhoben wurde, tauchte er unter. Gegen Heim besteht ein internationaler Haftbefehl.

Laut der Mitteilung des ZDF war Heim zu seiner Tarnung Anfang der 80er Jahre zum Islam konvertiert und trug seitdem den Namen Tarek Farid Hussein. Das ZDF habe eine Aktentasche von Heim gefunden, in der sich mehr als 100 Dokumente befanden. Darunter seien die Kopie eines ägyptischen Passes, Anträge auf Aufenthaltsgenehmigungen, Kontoauszüge, persönliche Briefe und medizinische Unterlagen gewesen. Danach lasse sich zweifelsfrei nachweisen, dass Hussein der gesuchte Nazi-Verbrecher war.

Die Recherchen würden auch von zahlreichen Zeugen bestätigt, unter ihnen der Sohn des Gesuchten, der derzeit in Baden-Baden lebe. "Ja, mein Vater hat in Kairo gelebt", sagte er in einem ZDF- Interview. Er habe seinen Vater Mitte der 70er Jahre erstmals in Kairo besucht und auch nach einer Krebsoperation Anfang 1990 über mehrere Monate gepflegt. Die Diagnose sei "nicht heilbar" gewesen, so der Sohn. "Anschließend gab es dann eine Chemotherapie und eine Strahlentherapie." 1992 sei Aribert Heim gestorben.

Er habe seinen Vater auch mit den Vorwürfen konfrontiert, die dieser von sich gewiesen habe, wird er Sohn zitiert. Ägyptische Freunde, Bekannte und auch der Arzt des NS-Verbrechers wussten laut ZDF nichts von dessen Vergangenheit.

Heim, nach dem seit 1962 gefahndet worden war, wurde in ganz unterschiedlichen Ländern vermutet. So wurden unter anderem Dänemark und Spanien genannt. Es wurde nicht ausgeschlossen, dass er von dort nach Südamerika entkommen sei, hieß es. Das Wiesenthal-Zentrum in Jerusalem hatte in Anzeigen in Südamerika unter Hinweis auf die Belohnung von 315.000 Euro um Informationen über den NS-Verbrecher gebeten. Das Zentrum hatte Heim zuletzt entweder in Argentinien oder Chile vermutet. Jahre zuvor war er angeblich auch in Uruguay gesichtet worden.

Noch im vergangenen Jahr reiste der Leiter des Zentrums, Efraim Zuroff, im Rahmen der "Operation: Letzte Möglichkeit" in den Süden Argentiniens und Chiles, um nach Hinweisen auf Heim zu suchen. Dabei führte er im argentinischen Bariloche und in Puerto Montt im benachbarten Chile Gespräche. Anschließend schloss er nicht aus, dass der Gesuchte, der heute 94 wäre, noch am Leben sein könnte. Auf der Liste der meistgesuchten NS-Kriegsverbrecher stand Heim an erster Stelle.

DPA/AFP/AP / AP / DPA