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"Ehrenmord" an Kurdin Arzu Ö.: Bruder gesteht Todesschüsse

Wer hat die 18-jährige Kurdin Arzu Ö. erschossen? Gleich am ersten Verhandlungstag gestanden die Geschwister des Opfers sowohl die Entführung als auch die tödlichen Schüsse.

Ein halbes Jahr nach der Entführung und Ermordung der jungen Kurdin Arzu Ö. aus Detmold hat vor dem Landgericht der Prozess gegen fünf ihrer Geschwister begonnen. Und gleich am ersten Tag wurden die wichtigsten Fragen gekärt: Wer hat 18-Jährige entführt und wer hat die tödlichen Schüsse auf sie abgegeben? Zunächst gestand die Schwester Sirin, zusammen mit zwei Brüdern, Arzu gekidnapped zu haben. Dann gab Bruder Osman zu, die jüngste Schwester erschossen zu haben.

Der 22-jährige sagte, er habe die Kontrolle verloren. Als Tatmotiv gilt der Anklage zufolge, dass Arzus Familie deren Liebesbeziehung mit einem Deutschen nicht dulden wollte. In der Glaubensgemeinschaft sind Ehen mit Andersgläubigen nach strenger Auslegung verboten.

"Ehrbezogene Motive" besonders verachtenswert

Man habe ihr eigentlich nur "den Kopf waschen wollen", sagte die Schwester Sirin. Dann seien Schüsse gefallen, ihr Bruder Osman habe etwas in der Hand gehalten, und "auf dem Boden lag Arzu", sagte die Schwester. Die Leiche des Teenagers wurde Mitte Januar nahe einem Golfplatz bei Hamburg gefunden. Arzu wurde den Ermittlungen zufolge mit Schüssen in den Kopf getötet.

In der Anklageschrift ist von einer Tötung mit "ehrbezogenen Motiven" die Rede. Derartige niedrige Beweggründe seien nach den in Deutschland geltenden Maßstäben und den hier herrschenden sittlichen und rechtliche Auffassungen besonders verachtenswert.

30 Zeugen geladen

Zunächst sind fünf Verhandlungstage angesetzt. Das Gericht in Detmold (Nordrhein-Westfalen) hat 30 Zeugen geladen. Der Vater des Opfers ist nicht darunter. Er gilt zwar als Beschuldigter, das Ermittlungsverfahren gegen ihn wurde aber abgetrennt. Dazu kommen mehrere Sachverständige: Rechtsmediziner aus Lübeck und Münster, ein Psychiater, der sich zur Schuldfähigkeit der Angeklagten äußern soll sowie ein Jesiden-Experte der Universität Freiburg.

Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten Menschenrechtsvereine gegen sogenannte Ehrenmorde. Vertreter von Terre des Femmes und Peri forderten gerechte Strafen. Es dürfe keinen "Kulturbonus" für derartige Verbrechen geben.

nik/DPA/DPA