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Interview mit Ex-Mafia-Ermittler: "Es gibt keine Möglichkeit, die Organisierte Kriminalität zu zerschlagen"

Und man sage ihm nicht nach, er habe es nicht versucht. Die Bilanz eines Ruhrpott-Kommissars nach Jahrzehnten an der Front zwischen Recht und Unrecht.

Ex-mafia-Ermittler Wolfgang Neiß

Wolfgang Neiß, 66, wurde im schleswig-holsteinischen Glücksburg geboren, zog aber mit seinen Eltern schon als Kleinkind ins Ruhrgebiet. Er arbeitete zunächst für die Mordkommission und übernahm 1984 das neu gegründete Dezernat für Organisierte Kriminalität in Duisburg, das er bis zu seiner Pensionierung 28 Jahre lang leitete. Neiß lebt heute in Moers am Niederrhein, liest viel, züchtet Bienen. Und schaut so gut wie keine Krimis im Fernsehen.

Herr Neiß, Sie gehörten zu den Gründern eines der ersten bundesweiten Dezernate gegen Organisierte Kriminalität. Das war Mitte der 80er Jahre in Duisburg. Warum haben die Deutschen dieses Phänomen so spät entdeckt?

Man hatte die Organisierte Kriminalität bei uns tatsächlich nicht richtig auf dem Schirm. Es wurde nicht so ernst genommen, im Vergleich zum Beispiel mit Morden und anderen Gewalttaten. Man dachte bestenfalls an Sizilianer mit breiter Hutkrempe. Bei uns gab es Leute, die glaubten, so was gebe es in Deutschland nicht. Selbst der Duisburger Kripo-Chef sagte damals: Hier gibt es keine organisierte Rauschgiftkriminalität.

Aber er änderte seine Meinung?

Kaum hatte er das gesagt, wurden am Bahnhof zwei Kilo Heroin beschlagnahmt. Die Drogendelikte nahmen drastisch zu. Und außerdem war ein Angehöriger der Mafia aus einem Gefängnis in Wuppertal mit Dynamit rausgesprengt worden. Jeder, der sich nicht die Hose mit einer Kneifzange zumachte, musste schlicht erkennen, dass das keine zufälligen Straftaten waren. Es ging eindeutig um die Versorgung von Junkies. Also musste es auch so etwas wie Absatzplanung und Bedarfsforschung geben.

Und also begann in Deutschland der Kampf gegen … Ja, gegen was und gegen wen eigentlich?

Genau das war und ist das Problem. Denn zum Wesen der OK, der Organisierten Kriminalität, gehört, dass man sie nicht erkennt. Die Leute im Hintergrund setzen alles dran, dass Einblicke verhindert werden. Es ist ein bisschen wie der Eisberg. Du weißt, dass es da ist, dass da unter der Oberfläche großes kriminelles Potenzial ist. Aber du erkennst nur die Spitze, wenn überhaupt. Wir mussten mit Erschrecken feststellen, dass wir einfach kaum etwas wussten.

Der Klassiker. Sie wussten, dass Sie nichts wussten …

Sehr wenig jedenfalls. Wir kannten zwar die Zuhälter, aber wir kannten die Abläufe nicht. Was machen die kurdischen Rauschgifthändler, was machen die Russen? Wer kontrolliert das Rotlicht? Bei der OK gibt es einen erheblichen Unterschied zu allen anderen Straftaten. Sie wird nicht angezeigt. Wenn ein Kilo Heroin über die Grenze geschafft wird, schädigt das erst mal keinen. Dazu kam und kommt bis heute die Angst – gerade im Bereich von Prostitution und Menschenhandel. Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung wollen sich natürlich nicht offenbaren aus Furcht, abgeschoben zu werden. Oder nehmen Sie die Korruption: Da gibt es den Geber und den Nehmer, aber die beiden erzielen meistens Konsens. Das ist das Konzept von Korruption.

Und wie sind Sie schließlich vorgegangen?

Wir haben ein Netzwerk von Informanten aufgebaut. Das waren am Anfang Milieu-Angehörige. Gegen viele liefen Strafverfahren, die suchten also nach Vergünstigungen. Später kamen verdeckte Ermittler dazu. Professionell ausgebildet und mit einer Legende ausgestattet. Und nach und nach kriegten wir ein Bild davon. Fast alle Ermittlungsverfahren sind nur aufgeklärt worden, weil wir Zuträger hatten. Diese Leute haben wir monatelang eingesetzt.

Die Leute riskierten ihr Leben?

Ja, es gab auch Tote. Das Milieu reagierte allerdings unterschiedlich. Wenn unsere eingeschleusten Ermittler ertappt wurden, hieß es: "Okay, der ist Bulle, das ist sein Job." Aber aus den eigenen Kreisen, vielleicht sogar aus der eigenen Familie? Das ging gar nicht. Das war Verrat und wurde bestraft. Daran hat sich nichts geändert. Und auch das Grundmuster der OK war und ist gleich. Und wird auch immer gleich bleiben.

stern Crime Live auf der Bühne: Wie eine Zecke hing er an ihrem Leben

Dann erklären Sie uns doch bitte mal das Grundmuster.

Sie befriedigt immer die Bedürfnisse der Bevölkerung nach illegalen Dienstleistungen und illegalen Waren. Diese Bedürfnisse hat es stets gegeben in der Geschichte.

Das hört sich an wie aus dem Polizeilehrbuch.

Ich weiß, aber es war und es ist so. Gelegentlich allerdings passen sich diese Bedürfnisse auch dem Zeitgeist an.

Organisiertes Verbrechen als Zeitgeist-Phänomen? Wie meinen Sie das?

Diese "Geiz ist geil"-Mentalität zum Beispiel. Der Wunsch, alles billig zu kriegen, fördert die Hehlerei. Wenn Arbeitskräfte so billig sind, dass jeder wissen muss: Es kann sich bei diesen Menschen nur um Leute ohne Aufenthaltsgenehmigung handeln. Die Leute sind geneigt, Dinge zu kaufen, die zu solchen Preisen definitiv nicht zu haben sind. Wir konnten das bei den Italienern hier ganz schön beobachten. Da wurden Lkw-Diebstähle vorgetäuscht, Ladungen mit Pasta. Und plötzlich sank der Nudelpreis in den Im- oder Exportläden der Gegend dramatisch. Aber auch da galt: Hier ist das Bedürfnis, und dort wird es befriedigt. Historisch begann das alles im Übrigen in Sizilien.

Irgendwie wundert uns das nicht richtig …

Es ist aber anders, als Sie vielleicht denken. Denn es fing an mit einem legitimen Wunsch: dem nach Sicherheit im 12. Jahrhundert. Das hatten sie in Sizilien nicht. Das Land war besetzt von fremden Herrscherhäusern. Die Menschen wurden ausgebeutet von Großgrundbesitzern und suchten, verständlicherweise, nach Autoritäten, die sie schützen sollten vor marodierenden Banden. So ist die Mafia entstanden und hat sich dann über die Jahrhunderte in diese Parallelgesellschaft entwickelt. Und manchmal läuft OK sogar unter ausdrücklicher Duldung des Staatsapparats. In Japan vor allem.

Sie meinen die berühmtberüchtigten Yakuza …

… die größte Verbrecherorganisation der Welt mit rund 65.000 eingetragenen Mitgliedern. Die Yakuza waren immer kaisertreu und kontrollierten das Glücksspiel. Der Kaiser ließ sie traditionell gewähren. Bis heute gibt es an jeder Ecke Yakuza-Büros. Wer Außenstände hat, wendet sich an die Gangster, weil jeder weiß, dass die japanische Justiz überfordert ist. Jede Gesellschaft hat die Kriminalität, die sie verdient.

Dass die Justiz nicht nachkommt, ist aber doch gewiss kein rein japanisches Problem.

Das stimmt. Das ist in Deutschland kaum anders. Wir haben oft dicke Bretter zu bohren. Bei uns muss der Staat ja nachweisen, dass Tätervermögen illegal erlangt wurde. In vielen anderen Ländern ist das nicht so. Und in vielen Ländern darf die Polizei auch viel mehr. In den Niederlanden zum Beispiel kann die Polizei ohne Gerichtsbeschluss und Vorwarnung Telefone abhören. Hier wäre das der Untergang des Abendlandes. Stellen Sie sich hier mal den Aufschrei vor.

Die JVA Wuppertal im April 1980

Die JVA Wuppertal im April 1980. Unbekannte haben die Stahltür der Anstalt weggesprengt, fünf Gefangene können fliehen. Unter ihnen zwei Schutzgelderpresser. Spätestens jetzt ist der Kripo klar: Hier handelt die Organisierte Kriminalität


Der Aufschrei wäre berechtigt.

Natürlich. Aber es erschwert die Arbeit. In einem Verfahren hatten wir 200 Diebstähle hochwertiger Autos, die in Mailand geklaut worden waren, Ferraris und Lamborghinis, diese Schießklasse. Daran haben wir ein Dreivierteljahr gearbeitet, konnten aber keine Tat in Deutschland klären. Mit viel Personal über einen derart langen Zeitraum nur Taten im Ausland aufzuklären, traf auf geringes Verständnis.

Das muss ziemlich frustrierend sein.

Ist es. Immerhin konnten wir eine Gang hochgehen lassen. Grundsätzlich gehört es aber zu den schlimmsten Erfahrungen in meinem Beruf, wenn man Leute nicht unschädlich machen kann, die täglich und bösartig menschliches Leid herbeiführen. Darunter habe ich auch persönlich gelitten. Ein Fall ist mir da in ganz besonderer Erinnerung.

Nur zu.

Da ging es um fast 1000 rumänische Roma, die nach Deutschland geschleust worden waren – unter erbärmlichen Bedingungen. Prügel und Vergewaltigungen waren da an der Tagesordnung. Die meisten der Geschleusten hatten kein Geld und wurden gezwungen, hier zu arbeiten. Arbeiten hieß in diesem Fall: Straftaten begehen, um die Gebühren für die Schleuser zu begleichen. Betteln, Erpressungen, Ladendiebstähle, diese Art von Delikten. Den größten Gewinn machten die aber mit dem Betrügen der Sozialämter.

Betrügen der Ämter. Wie das?

Ja, die konnten sie regelrecht abziehen. Und brauchten nicht mal gültige Papiere dafür. Sie konnten sagen: "Das ist meine Frau, und das hier sind meine sieben Kinder." Und dann bekamen die Geld in die Hand gedrückt. Irgendwann mussten selbst die Kinder nicht mehr persönlich auf dem Amt erscheinen. Foto reicht, hieß es. Und dann wurden die Kinder in Foto-Automaten gestellt, bekamen 'ne neue Mütze auf den Kopf. Und auf diese Weise vervielfältigte sich auch der Nachwuchs.

Sie wussten es und konnten nichts dagegen tun?

Heute ginge das. Aber damals durften die Leute eben noch nicht erkennungsdienstlich behandelt werden. Der Chef der Bande kriegte sogar einen Führerschein ausgestellt, obwohl er auf einem Auge blind war. Der hatte einfach seinen Bruder geschickt. Das Schlimmste aber war, dass wir einen Zeugen hatten, der auch aussagen wollte. Als der Hauptschleuser endlich in Untersuchungshaft saß, war unser Zeuge aber nicht erreichbar. Und nach einem Jahr musste der Kopf der Bande aus der U-Haft entlassen werden. So schreibt es das Gesetz nun mal vor. Der verschwand und tauchte nie mehr auf. Wir hatten zwei Jahre ermittelt gegen 200 Verdächtige. Am Ende eben für nichts. Da wird man sehr nachdenklich. Es gab Kollegen, die konnten diese Niederlagen kaum ertragen.

Die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität ist mithin ein Kampf gegen Windmühlen.

Über eines muss man sich ständig im Klaren sein: Es gibt keine Möglichkeit, sie zu zerschlagen. Sie können immer mal wieder eine herausragende Figur verurteilen. Aber da wächst immer wieder jemand nach. Weil, tja, die Bedürfnisse eben immer da sind.

Einige Ihrer Kollegen wurden dann selbst korrupt.

Das kommt vor, natürlich. Kriminelle tun alles, um ihre Möglichkeiten zu optimieren. Und sie sind dabei auch sehr kreativ, wenn es ums Bestechen geht. Die haben einen Blick dafür, welcher Polizist anfällig ist. Hat einer Schulden? Zockt einer gerne? Ist einer auf Sex aus? Und dann kommen diese Angebote. Das ist bekannt, und das ist unstrittig.

Haben Sie das selbst erlebt?

Ja. Wir hatten den Fall eines Schrotthändlers, auch ein besonderes Milieu, gerade hier im Ruhrgebiet. Die Hütten im Revier bedienten sich auch beim Schrott. Daraus entwickelte sich ein gigantischer Markt. Die Angestellten dieses Schrotthändlers hatten die Hosentaschen vollgestopft mit Schmiergeld. Und der zuständige Kripo-Sachbearbeiter ging bei dem ein und aus. Irgendwann sagte der Schrotthändler: "Sie könnten mir einen Gefallen tun. Ich habe diese Finca auf Mallorca, kann da aber gerade nicht hin. Wir haben schon die Flugtickets. Könnten Sie nicht?" Der ist dann nicht nur einmal dort hingeflogen und hatte am Ende sogar ein Nummernkonto in der Schweiz mit mehr als 100.000 Mark drauf.

Und was passierte mit dem?

Der Schrotthändler hat sich in der Haft umgebracht. Und der Ermittler hat viereinhalb Jahre Gefängnis bekommen. Wenn ich so zurückblicke, gab es eigentlich kein großes Verfahren ohne undichte Stelle. Nicht nur bei uns. Da waren Standesbeamte darunter, auch beim Straßenverkehrsamt und in der Justiz wurde gemauschelt. Einmal hatten wir von einem V-Mann die präzise Auskunft bekommen, dass zwei Kilo Koks in einer Wohnung an einem ganz bestimmten Platz liegen sollten. Am nächsten Tag haben wir dort durchsucht. Und nichts gefunden. Da hatte eine Angestellte bei der Staatsanwaltschaft gesungen. Die Dame war mit einem Zuhälter befreundet.

Wie kann man sich gegen Maulwürfe überhaupt schützen, wenn undichte Stellen derart verbreitet sind?

Wir haben uns abgeschottet, eigene Gebäude bezogen und die zum Teil auch als Firma getarnt. Manchmal haben wir aus Vorsicht Einsätze auch falsch deklariert. Falscher Ort, falsche Zeit, falsche Angaben über die Zahl der Einsatzkräfte. Und die Putzfrauen durften dort nur arbeiten, wenn wir auch da waren. Das musste sein. Es gab immer spezielle Flurtüren, die nur von uns geöffnet werden konnten. Das ist immer noch so. Die Dienststellen für Organisiertes Verbrechen sind konsequent von den anderen Polizeiapparaten getrennt.

Das Lokal "Da Bruno" in Duisburg

Das Lokal "Da Bruno" in Duisburg, Tatort des wohl spektakulärsten Verbrechens der italienischen Mafia auf deutschem Boden. Im August 2007 werden sechs Männer mit Schüssen in den Kopf getötet.


Der größte Mafiafall der deutschen Kriminalgeschichte ereignete sich gewissermaßen vor Ihrer Haustür. Im August 2007 wurden sechs Männer vor dem Restaurant "Da Bruno" im Duisburger Zentrum erschossen …

Das war der Höhepunkt einer sehr langen Entwicklung. 1984, gleich zu Beginn unseres Dezernats, hatten wir das "Da Bruno" und die Betreiber schon auf dem Radar.

Warum?

Das waren einige Italiener, die Autounfälle fingierten. In Deutschland wie in Italien. Die Versicherer merkten das natürlich und machten uns darauf aufmerksam, dass immer wieder dieselben Leute an den Unfällen beteiligt waren. Fast alle stammten aus San Luca in Kalabrien, ein kleines Nest. Ein paar Straßen, eine Kreuzung, ungefähr so. Es gibt eine Aufnahme aus der Zeit von einem Unfall in Luca. Zwei Autos knallen auf einsamer Kreuzung ineinander. Und beide Autos haben Duisburger Kennzeichen. Zufälle gibt es …

San Luca gilt selbst in Mafiakreisen als legendärer Ort.

San Luca ist komplett untertunnelt. Dort wurden Entführte festgehalten, oder Flüchtige versteckten und verstecken sich dort. Ich habe mich mal eingelesen in historische Quellen und festgestellt, dass der Ort schon in der Antike erwähnt wurde wegen der vielen Pferdehändler und Diebe. Es hieß, man solle diese Ortschaft nach Möglichkeit meiden.

Konnten Sie aber nicht. Sie mussten ja ermitteln.

Und das war nicht leicht. Da gab es 71 Leute, die Francesco Giorgi hießen, und 46 Antonio Pelles. Von den Giorgis hatten drei sogar am selben Tag Geburtstag. Wir haben uns behelfen müssen, in dem wir sie einfach nummeriert haben. Pelle eins bis zwölf. Eins spricht mit sieben. Fünf mit neun. Sehr einfallsreich bei der Vergabe von Namen sind sie dort nicht.

Wie kamen die ausgerechnet nach Duisburg?

Im italienischen Milieu Duisburgs hat die 'Ndrangheta eine gewisse Dominanz. In Köln ist es die Cosa Nostra. Das hat sich historisch einfach so ergeben. Das Lokal "Da Bruno" war der klassische Rückzugs- und Ruheraum. Von dort aus wurden die Geschäfte kontrolliert, vor allem Rauschgift. Wenn in Kalabrien jemand zu verbergen war, brachte man ihn eben nach Duisburg. Die waren sehr gut vernetzt. Die Kontakte reichten bis in die Politik.

In die italienische Politik?

Nein, nein, auch die deutsche. Wir hatten einen Herrn, einen Geschäftsführer vom "Da Bruno", der war vom Landgericht Duisburg wegen Drogenhandels zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Nach der Wende zog der nach Erfurt und machte ein Lokal auf. Er war auch dort in illegale Geschäfte verwickelt. Und als wir ihn festnehmen wollten, waren auch gerade der thüringische Innenminister und der Ministerpräsident im Restaurant.

Wie im Film.

Es ging aber noch verrückter, wie damals die Presse berichtete. Im saarländischen Innenministerium hatte jemand einen aus dem "Da Bruno"-Umfeld an den Staat Usbekistan vermittelt.

An Usbekistan?

Ja, Usbekistan. Und zwar mit den besten Empfehlungen und Wünschen für eine verantwortungsvolle Stelle dort. Der Mann wurde später Delegierter von Usbekistan bei einer Interpol-Konferenz in Rom. Thema war im Übrigen die Bekämpfung des internationalen Rauschgifthandels.

Es ist fast ironisch, dass die sechs Morde in Duisburg auf eine Bagatelle zurückgingen.

Das stimmt. Es war ein Streich. Kinder hatten während eines Karnevalsumzugs ein Hühnerei auf das Auto eines verfeindeten Clanmitglieds geworfen. Der kleine Eierwerfer wurde daraufhin von dem Autobesitzer verprügelt und schwer verletzt. So entstand dieser Familienkrieg. In seinem Verlauf wurde eine Frau erschossen und ein fünf Jahre altes Kind verletzt. Die Morde in Duisburg waren dann die Rache für diesen Exzess.

In Ihren vielen Dienstjahren hatten Sie oft mit Banden aus dem Ausland zu tun. Läuft man nicht Gefahr, irgendwann auch in Klischees zu verfallen und einen dicken Hals auf, sagen wir, Italiener oder Russen oder Kurden oder Chinesen zu bekommen?

Nein. Rückschlüsse auf Nationalitäten sind falsch und nicht zulässig. Ich kann Ihnen das an einem Beispiel erklären: Die OK-Dienststellen können eigene Verfolgungsschwerpunkte setzen. Eine Einheit ermittelt etwa innerhalb eines Jahres gegen eine Vielzahl russischer Rauschgifthändler. Dann erscheint in der Kriminalstatistik dieses Ortes plötzlich ein sprunghafter Anstieg von Rauschgiftdelikten – und von verdächtigen Russen. Hätten sie sich stattdessen entschieden, massiv gegen, sagen wir, Kfz-Verschieber aus dem Libanon vorzugehen, hätten eben Libanesen und Kfz-Hehlerei eine hohe statistische Bedeutung erlangt.

Die Statistiken täuschen also?

Zahlen bilden immer das Ergebnis einer nur punktuellen Betrachtung ab. Was man nicht genau untersucht, liefert auch keine Einblicke. Auf eine Dominanz bestimmter Nationalitäten zu schließen wäre vermessen. Und falsch.

Wenn Sie jetzt zum Beispiel lesen, dass die Zahl der kriminellen Nordafrikaner steigt …

… genieße ich das mit Vorsicht. Das mag statistisch so sein, aber es bildet doch nur einen kleinen Teil der Realität ab. Aber natürlich hatten wir eher auffällige und weniger auffällige Gruppen.

Und?

Neuseeländer, sagen wir so, spielten in der Duisburger Szene keine große Rolle.

Heute sind Sie im Ruhestand und züchten Bienen. Ein ungewöhnliches Hobby.

Aber es gibt durchaus Parallelen zur Kriminalität. Bienen können sehr brutal sein. Wer krank ist, bleibt draußen. Ab Ende Juli, wenn nicht mehr genug Blüten da sind, überfallen sie sogar andere Völker. Und verschwiegen sind sie auch.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(