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#FreeCyntoiaBrown: Warum Rihanna und Kim Kardashian für eine verurteilte Mörderin kämpfen

Cyntoia Brown hat als 16-Jährige einen Mann per Kopfschuss getötet. Sie sagt: aus Notwehr. Der Staat sagt: aus Habgier. Die junge Frau sitzt eine lebenslange Freiheitsstrafe ab. Prominente Fürsprecherinnen wollen das ändern.

Popstar Rihanna (l.) und Kim Kardashian (r.) setzen sich für eine Freilassung von Cyntoia Brown ein

Rihanna (l.) und Kim Kardashian (r.) setzen sich für eine Freilassung der seit 2004 inhaftierten Cyntoia Brown ein

Das Leben von Cyntoia Denise Brown stand von Anfang an unter schwierigen Vorzeichen. Letztlich aber war es der 6. August 2004, der es endgültig aus den Fugen geraten ließ. Die damals 16-Jährige ist bereits vor Wochen von zuhause weggelaufen. Sie gerät an einen Zuhälter, der sich selbst "Kutthroat" nennt. Er schlägt sie, demütigt sie, zwingt sie in die Prostitution. Sie wird vergewaltigt, betäubt sich immer wieder mit Drogen. Am 6. August trifft sie dann auf Johnny Allen, einen 43-jährigen Immobilienmakler, der sie auf der Straße aufgabelt, um mit ihr Sex gegen Geld zu haben. Die beiden fahren zu ihm nach Hause, er zeigt ihr seine Waffensammlung - und schließlich gehen sie zusammen in sein Bett. Kurz darauf ist Allen tot, von Cyntoia mit einem Kopfschuss getötet. So steht es in den Akten des Gerichts in Nashville, Tennesee, zu dem Fall.

Zum genauen Tathergang aber gibt es zwei Versionen: die der Polizei und die von Cyntoia. Sie beteuert, sich von ihrem Freier bedroht gefühlt zu haben. Er habe ihr etwas zugeflüstert und unters Bett gegriffen, da habe sie die Waffe - die Zuhälter "Kutthroat" ihr gegeben habe - aus ihrer Handtasche gezogen und ihn erschossen. Die Polizei hingegen hält sie für eine kaltblütige Killerin. Allen sei mit einem Schuss in den Hinterkopf getötet worden. Die Auffindposition der Leiche deute daraufhin, dass er im Schlaf erschossen wurde. Cyntoia habe ihn aus Habgier erschossen, sei mit Geld aus seinem Portmonnaie und zwei seiner Waffen geflüchtet. Das Gericht folgt der Lesart der Polizei. Cyntoia wird unter anderem wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Frühestens, wenn sie 67 Jahre alt ist, kann sie der BBC zufolge auf eine Aussetzung zur Bewährung hoffen.

Rihanna, Kim Kardashian setzen sich für Cyntoia Brown ein

Seit nunmehr 13 Jahren sitzt die junge Frau ihre Haftstrafe ab. Aktuell macht der Fall erneut Schlagzeilen, weil die mittlerweile 29-Jährige sehr prominente Fürsprecherinnen hat. Unter anderem Rihanna, Kim Kardashian und Cara Delevingne machen mit Posts unter dem Hashtag #FreeCyntoiaBrown in den sozialen Medien auf das Schicksal der jungen Frau aufmerksam. Rihanna etwa schreibt an ihre 58 Millionen Follower auf Instagram dazu: "Haben wir irgendwie die Definition von Gerechtigkeit verändert? Irgendetwas läuft gewaltig schief, wenn das System solche Vergewaltiger zulässt, und das Leben des Opfers wird einfach weggeschmissen."

Ganz ähnlich sieht das auch Kim Kardashian und lässt ihre 57 Millionen Fans auf Twitter wissen: "Das System hat versagt. Es bricht mir das Herz, zu sehen, wie ein junges Mädchen zur Prostitution gezwungen wird und dann, wenn sie den Mut aufbringt, sich zu wehren, wird sie lebenslang ins Gefängnis gesteckt."

Model und Schauspielerin Cara Delevingne mit über 40 Millionen Followern kommentiert ihren Post zu dem Fall mit: "Das Justizsystem ist so rückwärtsgewandt. Das hier ist verrückt!"

The justice system is so backwards!!! This is completely insane #freecyntoiabrown

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Petition strebt Begnadigung von Cyntoia an

Die Postings bringen das Thema, das spätestens seit der Dokumentation "Me Facing Life: Cyntoia's Story" aus dem Jahre 2011 immer mal wieder diskutiert wird, erneut in den Fokus der Öffentlichkeit. Eine entsprechende Petition auf "MoveOn.org" haben aktuell mehr als 280.000 Menschen unterschrieben. Damit soll ein Gnadengesuch beim Gouverneur von Tennessee für Cyntoia eingereicht werden.

Angehörige des Justizapparates in Tennessee sind derweil weiterhin von der Richtigkeit des Urteils von 2006 überzeugt. Der stellvertretende Bezirksstaatsanwalt Jeff Burks, der an der Anklage gegen Cyntoia beteiligt war, mahnte in der Vergangenheit immer wieder, die junge Frau nicht voreilig von ihrer Schuld loszusprechen. "Sie war nicht jemand, der mal einen Fehler gemacht hat", so Burks. "Sie war eine sehr gefährliche Person. Sie hat ihre eigenen Entscheidungen getroffen. Sie ist hübsch und klug und kann sich ausdrücken, also gibt es jetzt Menschen, die für sie kämpfen. Aber lasst uns nicht vergessen, was für ein Verbrechen sie begangen hat."

Ihre Zeit im Gefängnis nutzt Cyntoia, deren drogen- und alkoholabhängige Mutter sich auch während der Schwangerschaft weiter berauschte, der Dokumentation von 2011 zufolge sinnvoll. Sie sei ein Vorbild für andere Insassinnen und kümmere sich um diese. 2016 hat sie in einem Gefängnis-Bildungsprogramm einen Abschluss gemacht und strebt nun einen Bachelor an.

#FREECYNTOIABROWN

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