VG-Wort Pixel

"Heile Welt" zerstört Mirco aus Grefrath wird seit über zwei Wochen vermisst


Im niederrheinischen Grefrath bangen die Bewohner seit über zwei Wochen um den verschwundenen Mirco. Die Polizei ermittelt unter Hochdruck, doch eine heiße Spur fehlt bisher.

Seit über zwei Wochen herrscht Ausnahmezustand im niederrheinischen Grefrath (Kreis Viersen). So lange ist der Schüler Mirco verschwunden. Die Polizei geht von einem Verbrechen aus. In der ländlich gelegenen Gemeinde mit seinen rund 15.000 Einwohnern ist sein Name überall zu hören und zu sehen. In fast jedem Schaufenster hängt das Fahndungsplakat der Polizei, in vielen Gesprächen ist die erste Frage immer noch "Hast du was Neues von Mirco gehört?".

Mirco war am Abend des 3. September zuletzt an einer Bushaltestelle in der Nähe einer Skater-Anlage in Grefrath gesehen worden. Von dort aus wollte er laut Polizei mit dem Fahrrad nach Hause fahren, kam aber nicht an. Sein Fahrrad wurde am folgenden Tag wenige Kilometer von seinem Zuhause gefunden. Dort wurde auch sein immer noch vermisstes Handy zum letzten Mal geortet.

"Die Stimmung ist sehr gedrückt", beschreibt Natascha Scherer die Lage in der Region. Sie bringt ihre Tochter zum Eiskunstlauf-Training. Die Kinder aus Grefrath seien sehr betroffen, ebenso wie ihre Mütter. Auch in den Nachbarstädten von Grefrath nehmen die Menschen Anteil am Schicksal der Familie des Jungen. "Das betrifft mich sehr, ich habe ja auch ein Kind", sagt eine Mutter aus dem wenige Kilometer entfernten Nettetal.

Seit Freitag ist die Großfahndung der Polizei beendet. In den Wochen zuvor haben bis zu 1.000 Polizisten in der Umgebung von Grefrath nahezu jedes Maisfeld durchkämmt und jedes Waldgebiet durchforstet. Jedes gefundene Kleidungsstück, jeder Müllbeutel am Straßenrand wurde mit Mircos Verschwinden in Verbindung gebracht. Dazu sind rund 1.300 Hinweise bei der Polizei eingegangen. Eine heiße Spur ist bislang nicht darunter. Am Freitag waren zwei Tornados der Bundeswehr über die Region geflogen. Sie sollten mit hochempfindlichen Wärmebildkameras eine Spur des Jungen finden.

"Grefrath ist eine heile Welt", hatte Stadtpfarrer Hartmut Boecker während eines Unterstützungsgottesdienstes gesagt. Spätestens seit die Polizei aber öffentlich verkündet hat, dass der Täter vermutlich aus der Region komme und "der nette Nachbar" sein könne, ist die einst heile Welt der inmitten von Wiesen und Wäldern gelegenen Gemeinde in den Grundfesten erschüttert.

Auf dem Parkplatz, an dem Mircos Hose und sein Poloshirt gefunden wurden, stehen ein paar Kerzen. Ein Brief ist an einen Baum genagelt. Darin hofft jemand, dass Mirco doch noch lebend gefunden wird. Neugierige fahren über den mit Polizeiband gekennzeichneten Parkplatz um zu sehen, wo die Spuren gefunden wurden. "Mit jedem Tag, den Mirco verschwunden ist, sinken die Chancen, dass er lebt", heißt es bei der Polizei. "Was mit Mirco hier passiert ist, kann man sich ja denken", sagt ein Mann.

Der Samstag ist für Mircos Eltern und seine drei Geschwister ein besonders schwerer Tag, denn es ist der elfte Geburtstag des vermissten Jungen. Die Familie, strenggläubige Mitglieder einer evangelischen Freikirche, erhalte viel Unterstützung aus ihrer Gemeinde, hieß es.

Derweil ermittelt die 80-köpfige Soko "Mirco" weiter mit Hochdruck. Am Freitagnachmittag hat die Polizei ein weiteres Hinweisschild aufgestellt. An der Stelle, an der am Abend von Mircos Verschwinden ein verdächtiger dunkler Kombi gesehen wurde, wird nun nach Zeugen gesucht, die eben dieses Fahrzeug gesehen haben. In der vergangenen Woche wurde bereits ein Schild dort errichtet, wo Mircos Fahrrad zuletzt gesehen wurde. Die Menschen am Niederrhein suchen derweil weiterhin nach dem Täter, der möglicherweise in der Nachbarschaft lebt.

APN APN

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker