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"Hells Angels"-Prozess: Bewährungsstrafe für Rocker

Im Prozess um den Überfall auf einen verfeindeten Rockerclub in Bremen sind die meisten Angeklagten der "Hells Angels" mit Bewährungsstrafen davongekommen. Staatsanwaltschaft, Verteidiger und Richter hatten sich auf einen Deal geeinigt.

Der Mammut-Prozess um einen Raubüberfall der "Hells Angels" auf Mitglieder eines verfeindeten Motorradclubs bei Bremen hat am Dienstag ein schnelles Ende gefunden: Nach einem Deal zwischen allen Beteiligten wurden 11 von 14 Angeklagten im Landgericht Hannover zu Bewährungsstrafen verurteilt. Lediglich drei Männer erhielten höhere Strafen: Der 37 Jahre alte Rädelsführer der Aktion wurde zu 2 Jahren und 10 Monaten Haft verurteilt. Zwei weitere Männer wurden aufgrund von Vorstrafen zu 2 Jahren und 6 beziehungsweise zu 2 Jahren und 8 Monaten verurteilt.

Richter, Staatsanwälte, Verteidiger und Angeklagte einigten sich auf den Deal, um das ursprünglich bis in den Februar hinein terminierte Verfahren schnell abzuschließen. Danach räumten alle Bremer Rocker mit knappen Worten ihre Beteiligung an dem Überfall auf das Vereinsheim der verfeindeten "Bandidos" in Stuhr-Brinkum vor zweieinhalb Jahren ein. Im Gegenzug ließ die Staatsanwaltschaft den Vorwurf des schweren Raubes fallen, bei dem eine Verurteilung zu Bewährungsstrafen nicht mehr möglich gewesen wäre.

Richter Jürgen Seifert erläuterte, die "Hells Angels" hätten Vereinsembleme und andere Insignien des verfeindeten Clubs nicht gestohlen, um sich damit zu bereichern. "Keiner der Angeklagten hatte ein Interesse daran, sich einen 'Bandidos'-Aufnäher auf die Kutte zu machen", sagte Seifert unter zustimmendem Gejohle der Rocker. Verurteilt wurden die Männer im Alter zwischen 32 und 47 Jahren so nur wegen gefährlicher Körperverletzung - sie hatten bei dem Überfall fünf "Bandidos" gefesselt und verprügelt.

Der Richter verteidigte den Deal: "Das ist aus unsere Sicht gerecht. Es hat nichts damit zu tun, dass wir Hells Angels laufen lassen." Die meisten Angeklagten seien nicht einschlägig vorbestraft, sagte Seifert. Berücksichtigt wurde auch die lange Untersuchungshaft. Fast alle Angeklagten hatten mehr als sechs Monate lang wegen Verdunkelungsgefahr in U-Haft gesessen. Sie konnten das Gericht am Dienstag auf freiem Fuß verlassen, nachdem sie am Morgen noch schwer bewacht und mit Fuß- und Handfesseln in den Gerichtssaal geführt worden waren.

Richter Seifert sagte, öffentlich werde der Vorfall "sehr viel heißer gekocht als er eigentlich ist". Hätten sich die Streitigkeiten nicht zwischen zwei verfeindeten Rockerclubs, sondern "zwischen Cowboys und Indianern" abgespielt, wäre der Fall nur vor einem Schöffengericht verhandelt worden. Auch Staatsanwalt Hansjürgen Schulz verteidigte die Absprache. Weil der Kronzeuge des Verfahrens, ein Aussteiger der "Hells Angels", seine Aussagen nicht vor Gericht wiederholen wollte, gebe es ein "hohes Prozessrisiko": "Man muss sich mittenmang treffen."

DPA / DPA