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"Icke muss vor Jericht": Das Drama der Gerichtsvollzieherin

Sie war eine Vorzeige-Gerichtsvollzieherin. Engagiert. Akkurat. Bis zu jenem Tag, an dem sie vergewaltigt wurde. Danach zweigte sie Geld für sich ab. In Berlin stand die Beamtin deshalb nun vor Gericht - und offenbarte eine dramatische Geschichte.

Von Uta Eisenhardt

Wenn der Gerichtsvollzieher klingelt, werden manche Schuldner aggressiv. "Eine 90-Jährige schmiss mir einen schweren Eichentisch entgegen. Ein Mann drohte, mich umzubringen. Und ein zehnköpfiger Familienclan warf mir Menschenrechtsverletzung vor", sagte Christina Ilias* zu Journalisten, ein Jahr bevor sie Opfer eines Verbrechens wurde. Seit diesem Erlebnis begann sich eine Spirale zu drehen, an deren Ende aus der resoluten, fröhlichen Beamtin eine weinende Angeklagte mit ungepflegten, strähnigen Haaren wurde, die sich wegen Untreue von rund 22.500 Euro verantworten muss.

Zweimal soll sie knapp 2500 Euro, die ihr Wohnungseigentümer für Zwangsräumungen gaben, nicht an das Umzugsunternehmen weiter geleitet haben. Außerdem wies ihre Kasse ein Minus von etwa 17.700 Euro auf. Möglicherweise handelt es sich dabei um das Geld Hunderter Gläubiger und Schuldner, genau herausfinden ließ sich das nicht. Zugunsten der Angeklagten betrachtet die Staatsanwaltschaft diese Summe nur als einen Fall der Untreue.

5000 Euro an einem Tag vershoppt

Es muss schlimm gewesen sein, was Christina Ilias im Frühjahr 2006 in ihrem Büro widerfuhr. Der Schock saß wohl so tief, dass sie erst Jahre später Einbruch und Vergewaltigung anzeigte. Über weitere Einzelheiten hüllen sich alle in Schweigen: Die Angeklagte, das Gericht, der Vorgesetzte, die Kollegen. Der Gutachter, ein Psychiater aus dem Bundeswehrkrankenhaus, sagt lediglich, das Geschehene sei vergleichbar mit einem lebensbedrohlichen Kriegserlebnis.

Danach war nichts mehr wie zuvor. Nur noch in Begleitung habe sie ihr Büro betreten können, habe nicht mehr arbeiten können und schon bald den Überblick verloren. Was sie in der Zeit nach dem schrecklichen Erlebnis tat, weiß die 39-jährige Frühpensionärin nicht. Erst anhand von Kontoabrechnungen begriff sie, dass sie exzessiv eingekauft hatte: "Schuhe, Hosen, belanglosen Kram." Vier-, fünftausend Euro gab sie an einem Tag aus. "Ich habe das Geld benutzt, damit ich irgendwie beschäftigt bin", sagt die dicke Brillenträgerin heulend und schniefend. Von ihrem privaten Konto verschwanden 30.000 Euro: "Ich habe mich völlig ruiniert." Doch sie bezahlte auch mit Geld, für das sie als Amtsträgerin verantwortlich war.

"Ich habe meinen Job geliebt"

Vier Jahre lang hatte sie mit Leib und Seele als Gerichtsvollzieherin gearbeitet. Sie schätzte den Kontakt zu Menschen, nachdem sie zuvor im Verkehrsgericht, "dröge Akten" bearbeitet hatte. "Ich habe meinen Job geliebt", sagt die Angeklagte. Es sind die einzigen Worte, die ihr ohne Schluchzen über die Lippen gehen. Worte über eine vergangene, eine bessere Zeit. "Klar gab's stressige Faktoren. Ich war aber stolz auf mich, dass ich das so gut hinkriege."

Dann geschah das Verbrechen in ihrem Büro. Als ob damit das Maß des Unglücks nicht voll genug sei, erkrankte Christina Ilias auch noch an Krebs. Zwei Mal brach die Krankheit bei ihr aus, momentan sei sie "in Schach", wie die Angeklagte sagt.

Im Herbst 2007 bemerkten die Vorgesetzten die Fehlbestände in der Kasse ihrer einstmals so tüchtigen Kollegin. Sie stellten eine Strafanzeige, schickten Christina Ilias aber auch ins Bundeswehrkrankenhaus zu einem Psychiater. Der sollte sagen, ob ihre Straftat im Zusammenhang mit einer psychischen Krankheit steht und ob die Gerichtsvollzieherin jemals wieder in den Dienst integriert werden kann.

Seine Erkenntnisse referiert der Arzt auch vor Gericht. Er spricht von einer posttraumatischen Belastungsstörung. Diese führt zu Ängsten, gegen die sich die Betroffenen nicht wehren können: "Es ist eine Fehlverarbeitung im Gehirn, die verhindert, dass die Ereignisse sortiert werden können." So bleibt das lebensbedrohliche Erlebnis präsent und unverarbeitet. "Man ist immer nervös, auf dem Sprung - das kostet Kraft."

"Sie konnte die Ehe nicht mehr ertragen"

Hinzu käme, dass Christina Ilias, jüngstes von fünf Kindern, in ihrem Elternhaus wenig Fürsorge erlebte. "Deshalb hat sie Schwierigkeiten, Fürsorge anzunehmen", meint der Gutachter. Sie habe sich zurückgezogen, sich sogar von ihrem Mann getrennt: "Sie konnte die Ehe nicht mehr ertragen." Um sich nicht das Leben zu nehmen, wollte sie sich etwas Gutes tun - koste es, was es wolle. Den Kaufdrang habe sie nicht steuern können, ähnlich einem quengelnden Kind, das sich zu beruhigen sucht, indem es sich Süßigkeiten in den Mund stopft, meint der Psychiater.

Fünf Monate war Christina Ilias in der Psychiatrie, bis heute geht sie zur Therapie. Stockend und unter Tränen sagt sie: "Ich steh vor dem Scherbenhaufen meines Lebens." Betroffenheit im Gerichtssaal. Wie kann ein einziger Mensch nur so viel Tragik auf sich ziehen? Liebloses Elternhaus, Verbrechensopfer, Krebserkrankung, Schulden, Scheidung, Jobverlust und Strafverfahren?

Selbst die Richterin, sonst eher schroff zu den Angeklagten, schlägt eine mitfühlende Tonart an. "Bei Ihnen hat das Schicksal zugeschlagen", sagt sie zu Christina Ilias, die sie soeben zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten verurteilte. Mit diesem Schuldspruch ist eine weitere Beschäftigung als Beamte nicht ausgeschlossen: "Aber nie mehr als Gerichtsvollzieherin", sagt die Richterin. "Dieser Job, den Sie mochten, ist weg."

* Name von der Redaktion geändert

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.