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"Icke muss vor Jericht": Der Fernseher des Anstoßes

Ein alter Mann zieht in ein Pflegeheim, dabei wird sein Fernseher ausgetauscht. Dies missfällt dem Stiefsohn des Heimbewohners. Doch anstatt sich direkt mit dem vermeintlichen Dieb auseinander zu setzen, täuscht er polizeilichen Ermittlungen vor.

Von Uta Eisenhardt

Klaus-Peter Gerhardt* schämt sich. "Es tut mir leid", sagt der Mann mit dem schütteren, graublonden Haar. "Wegen der Familie tut es mir am meisten leid." Sein Gesicht - von einer langen Nase beherrscht - ist puterrot während diese Worte schnell und undeutlich aus ihm heraussprudeln, als ob der 52-Jährige auf diese Weise schneller seinen Platz vor dem Richtertisch verlassen könnte. Ein Fernseher führte dazu, dass ihm die Anklage Amtsanmaßung und Urkundenfälschung vorwirft.

Ermittlungsverfahren vorgetäuscht

Im Sommer 2008 zog sein Stiefvater ins Pflegeheim. Die Verwandten kümmerten sich um den Umzug. Als Gerhardt den alten Herrn besuchte, stellte er fest, dass in dessen Zimmer ein anderer Fernseher stand als derjenige, den er ihm einst geschenkt hatte.

Gerhardt war sauer. Zur Rede gestellt, beteuerten seine Nichte und deren Sohn, den Fernseher ausgetauscht zu haben, weil der alte beschädigt gewesen sei. Doch der Onkel beziehungsweise Großonkel mochte diese Erklärung nicht akzeptieren. Er wollte seinen Fernseher bei dem alten Mann wissen und damit basta!

Der Betriebsingenieur leitete ein polizeiliches Ermittlungsverfahren gegen seinen Großneffen ein. Er scannte einen Stempelabdruck von einem Beschluss des Amtsgerichts sowie ein polizeiliches Vorladungsschreiben. Beides erhielt er vor 17 Jahren, als gegen ihn ein Ermittlungsverfahren lief. Aus diesen Dokumenten bastelte er ein aktuelles Schreiben, in dem er David Krause* mitteilte, es werde gegen ihn wegen des Führens von Kraftfahrzeugen ohne Führerschein und wegen des Diebstahls eines Fernsehgerätes ermittelt.

Erst das zweite Schreiben erregte Verdacht

Kurz darauf stand der beschädigte Fernseher dann im Zimmer des Stiefvaters - Gerhardt hatte sein Ziel erreicht. Um Davids Mutter zu beruhigen, setzte er umgehend ein weiteres Schreiben auf, in welchem er die Einstellung des Ermittlungsverfahrens bekannt gab. Für den Großonkel war die Sache damit erledigt. David Krause allerdings wunderte sich über die beiden Schreiben und ging zur Polizei. Der Schwindel flog auf.

Der Urkundenfälscher und falsche Polizist bereut nun aufrichtig. In sich zusammen gesunken sitzt er vor der Richterin, während sein Verteidiger dafür sorgt, dass zügig und ohne familiäre Zeugen verhandelt wird. Kaum eine halbe Stunde dauert der Prozess gegen den Angeklagten, an dessen Ende er sich von der jungen Richterin sagen lassen muss: "Jeder ist mal sauer, aber so ein Verhalten darf man eher von einem 15-Jährigen erwarten!" 2400 Euro Geldstrafe (40 Tagessätze) soll Gerhardt zahlen. Gerichtskosten und Anwaltshonorar kommen oben drauf. Davon hätte man nicht nur einen neuen Fernseher kaufen können.

* Namen von der Redaktion geändert

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