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"Icke muss vor Jericht": Heiraten vom Sterbegeld

Eine Altenpflegerin stiftet ihren Verlobten an, einen ihrer Patienten auszurauben. Von dem Geld feiern die beiden eine rauschende Hochzeit und leben auf großem Fuß. Irgendwann aber bricht sich der Mitteilungsdrang Bahn. Die beste Freundin, der die Täterin von der Herkunft des Geldes berichtete, zeigt das Paar an.

Lange hat die Ehe nicht gehalten: Susanne und Benjamin Witek*, die sich vor zwei Jahren das Ja-Wort gaben, warten in getrennten Ecken auf den Beginn ihrer Verhandlung. Der große, schlaksige 26-Jährige und die kleine, dicke 23-Jährige würdigen sich keines Blickes. Er wirft ihr vor, sein Leben zerstört zu haben. Jetzt eint sie nur noch der gemeinsame Platz vor dem Richtertisch. Da sitzen sie, weil sie einem alten Paar sämtliche Ersparnisse raubten.

Vor zwei Jahren arbeitete Susanne Witek, eine ausgebildete Krankenschwester, bei einem Pflegedienst. Zu ihren Patienten gehörte seit wenigen Monaten auch der 79-jährige Werner Hellmann*, der mit seiner Frau Inge zusammen lebte. Die Pflegerinnen erledigten für das Ehepaar auch die Einkäufe. Inge Hellmann gab ihnen das Geld aus einer Börse, die im Wohnzimmerschrank lag. So bemerkte Susanne Witek, wie viel Bares das Paar im Hause lagerte. Die Hellmanns, die den Banken nicht trauten, horteten sämtliche Ersparnisse im Wohnzimmerschrank. Etwa 25 000 Euro befanden sich allein in der Geldbörse. In einer darunter liegenden Tüte befand sich eine weitere Summe, die von ihren Eigentümern als Sterbegeld bezeichnet wurde.

An einem Sonntag im Mai 2006 hatte Susanne Witek Spätschicht, ihr Verlobter begleitete sie in ihrem Dienstwagen. Auf ihrer Tour besuchte sie auch die Hellmanns, während ihr zukünftiger Mann im Auto wartete. Kurz vor 19 Uhr verabschiedete sich die Pflegerin mit den knallrot gefärbten Haarsträhnen von den alten Leuten. Nun begab sich Benjamin Witek ins Haus. Er hatte sich mit einer Kapuze maskiert und Handschuhe übergestreift. Außerdem trug er eine Tüte Mehl bei sich. Drei Mal klingelte er an der Wohnungstür der Hellmanns, so wie die es mit dem Pflegedienst vereinbart hatten. Arglos öffnete ihm die 77-jährige Wohnungsinhaberin. "Da stand ein großer Mann vor mir, der hat mir eine geklebt", beschreibt Inge Hellmann später bei der Polizei das, was ihr angetan wurde. Sie fiel zu Boden, wo sie verschreckt und verletzt liegen blieb.

Er warf mit Mehl und nahm das Geld

Unterdessen stürmte der Räuber ins Wohnzimmer. Auf der Couch lag der hilflose Werner Hellmann. Ihn bewarf der Eindringling mit dem Mehl. Dann ging er an den Wohnzimmerschrank und nahm das Geld. Anschließend stieg Witek über die immer noch am Boden liegende alte Frau und flüchtete zum Auto, in dem seine Verlobte wartete. Er wechselte die Kleidung und ließ sich am nächsten U-Bahnhof absetzen, denn Susanne Witeks Schicht dauerte noch einige Stunden. Zu Hause zählten sie ihre Beute: Es waren 83.000 Euro.

Unmittelbar nach dem Raub meldete sich die dicke Krankenschwester bei einer Klinik für kosmetische Chirurgie zum Fettabsaugen an. 3350 Euro kostete die Operation. Ihr Verlobter benutzte das Geld, um seine Schulden zu begleichen. Außerdem kauften die beiden viele und teure elektronische Geräte. Zwei Monate nach der Tat feierten die Räuber eine rauschende Hochzeit mit ihren Freunden. 8000 Euro soll die Party gekostet haben. Das Geld hätten sie von Benjamins verstorbenem Vater geerbt, behaupteten sie zunächst. Das Paar warf mit Geld damals nur so um sich, erinnert sich Melanie Sand*, die die beste Freundin der Angeklagten war.

Die Räuberin hielt es nicht mehr aus

Ein halbes Jahr nach dem Raub saßen Susanne und Melanie in einer Bar. Bei einem Cocktail sprachen sie über die geplante Hochzeitsreise der Witeks. Denen schwebte Brasilien vor. Sie hätten sich schon in einem Reisebüro erkundigt. Melanie fragte, woher das Geld käme, das Paar hätte doch schon so viel für die Hochzeit ausgegeben. Bei dieser Frage hielt es die Räuberin nicht mehr aus: Es drängte sie, ihrer Freundin die Wahrheit zu berichten. Sie wisse nicht, wie sie es sagen solle, eigentlich wolle sie es gar nicht erzählen, aber sie könne ihrer besten Freundin sonst nicht mehr ins Gesicht sehen, druckste die Altenpflegerin herum.

Dann beichtete Susanne Witek, sie habe das Geld einem Patienten geklaut. In allen Einzelheiten und ohne erkennbare Reue schilderte sie das Geschehene. Ob die alten Leute dabei verletzt wurden, wollte ihre entsetzte Zuhörerin wissen. Witek verneinte, obwohl sie von Inge Hellmanns Verletzungen an Nase und Oberschenkel wusste. Denn zu diesem Zeitpunkt arbeitete sie noch immer bei dem Pflegedienst und noch immer betreute sie die von ihr Geschädigten - so als sei nichts geschehen. Am Ende ihres Gesprächs sagte Sand zu ihrer Freundin: "Ich wäre froh, wenn du es mir nicht erzählt hättest."

"Darüber kann ich nur lachen"

Der Richter will von Melanie Sand wissen, ob sie sich den Mann ihrer damaligen Freundin als spontanen Alleintäter vorstellen könne. "Darüber kann ich nur lachen", sagt die Zeugin. "Herr Witek ist nicht in der Lage, so eine Tat allein zu begehen. Er ist das Hilfsmittel seiner Frau. Sie hat ihn davon überzeugt."

Nach jenem Gespräch in der Bar schleppte Melanie Sand wochenlang das schreckliche Geheimnis mit sich herum. "Ich konnte mit dem Wissen über so eine Tat nicht leben", sagt sie dem Gericht. "Das ist was anderes, als im Supermarkt einen Lolli zu klauen." Sie vertraute sich ihrem Bruder, einem Kriminalbeamten, an. Der informierte seine Kollegen, die bis dato nur einen vagen Verdacht gegen Susanne Witek hegten: Den Mitarbeiterinnen des Pflegedienstes war die plötzliche Verschwendungssucht ihrer Kollegin nicht verborgen geblieben.

Spontan anders entschieden

Den Angeklagten droht eine Freiheitsstrafe, das ist ihnen klar. Die beiden bislang Unbescholtenen hoffen jedoch auf die Möglichkeit einer Bewährung. Die kann ihnen aber nur gegeben werden, wenn das Gericht sie zu maximal zwei Jahren Haft verurteilt. Für dieses Ziel müssen sie ihre Tat als eine spontane deklarieren. "Das war eine Kurzschlussreaktion", sagt darum der angeklagte Werkzeugmacher. Details, aus denen eine Vorbereitung abzulesen wäre, bestreitet er. Er habe kein Mehl verwandt und trage oft eine Kapuzenjacke - auch im Mai. Seine Verlobte habe ihm erzählt, Frau Hellmann wollte ihr zur Hochzeit Geld schenken und habe es sich dann anders überlegt, obwohl sie mit dieser Summe schon fest gerechnet hätten. Er habe seiner zukünftigen Frau versprochen, sich darum zu kümmern. "Eigentlich wollte ich mich mit Frau Hellmann darüber unterhalten. Dann habe ich mich spontan anders entschieden", sagt Benjamin Witek.

Seine Frau sagt ebenfalls, sie hätten an jenem Maitag gemeinsam mit der alten Dame sprechen wollen. Weil es aber wegen des Geldes ein ewiges Hin und Her gegeben habe, sei sie an diesem Tag weinend von den Hellmanns gekommen. Sie habe sich nicht in der Lage gefühlt, noch einmal mit hoch zu gehen, darum sei ihr Verlobter allein aufgebrochen: "Ich war völlig fertig", sagt sie dem Gericht.

Benjamin Witek bestätigt das: Seine Verlobte habe an jenem Sonntag heulend im Auto gesessen. "Ich konnte das nicht ertragen." Er habe das Problem aus der Welt schaffen wollen und mit dem Raub "das kleinere Übel gewählt." Susanne Witek aber habe von seiner Tat erst hinterher erfahren. "Die war erst mal ganz schön geschockt." Wieso er denn so eine Frau geheiratet habe, will der Richter wissen. "Wenn ich den Raub als das kleinere Übel ansehe, wie übel muss dann erst die Frau sein?", gibt er zu bedenken. Die Antwort bleibt der inzwischen getrennt lebende Ehemann schuldig.

Der Richter glaubt kein Wort

Ohnehin glaubt der Richter dem maulfaulen Angeklagten, dem er jede Antwort mühsam entlocken muss, kein Wort. Wie konnte dieser denken, er könne eine ihm unbekannte alte Dame mit Argumenten zum gewünschten Ziel bringen? Auch die Angaben der redegewandteren Susanne Witek vermögen ihn nicht zu überzeugen. Die berichtet von der Rückkehr ihres Verlobten, der damals gesagt habe, "das Gespräch hätte nichts gebracht, er erklärt mir alles zu Hause." Dann habe ihre Chefin bei ihr angerufen und ihr von dem Überfall bei den Hellmanns berichtet: "Da habe ich dann eins und eins zusammengezählt", sagt die Angeklagte. Doch die Schilderungen ihrer drei besten Freunde, denen sie das Geschehene einige Monate nach der Tat beichtete, widersprechen dieser Version.

Alle drei, Melanie Sand, ein Ex-Freund sowie ein früherer Kollege von Susanne Witek, spürten damals keine Reue bei der Angeklagten. Abgebrüht sei sie ihr erschienen, sagt Melanie Sand. "Als sei sie stolz darauf. Das hat mich erschüttert." Ihr Ex-Freund sagt, "das war für mich eine ganz heftige Sache, so etwas zu erfahren." Ihr früherer Kollege bemerkte, wie ruhig und gelassen sie über die Tat sprach. "Ein schlechtes Gewissen hat sie nicht gehabt." Ob es ihr leid täte, wollte der Kollege von Susanne Witek wissen. "Nein", habe diese geantwortet. "Die haben das Geld eh nicht mehr gebraucht."

"Die Tat ist eine Riesen-Schweinerei"

Drei Jahre werden die Krankenschwester und ihr Mann nun im Gefängnis verbringen. Die Version von der spontanen Tat glaubt ihnen der Richter nicht. Er glaubt auch nicht an das angebliche Versprechen der Frau Hellmann, die Hochzeit der Witeks zu finanzieren. Eine solche Zusage passe nicht zu diesen alten Leuten, die selbst sehr sparsam lebten. Der Richter und seine beiden Schöffen folgen vielmehr den Angaben der drei Freunde von Susanne Witek: Ihnen gegenüber bezichtigte sich die Angeklagte einer gemeinsamen und geplanten Tat. Auch wenn die Angeklagte die alte Dame nicht verletzte, "wiegt bei Ihnen der Vorwurf des Vertrauensbruchs ganz schwer", sagt der Richter zu der Krankenschwester. Mit den Worten "Die Tat ist eine Riesen-Schweinerei und steht auf niedrigster Stufe", entlässt der Richter den großen Mann und dessen kleine Frau. Die verlassen getrennt und schweigend den Saal.

*Namen von der Redaktion geändert

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(