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"Icke muss vor Jericht": Misshandelt wegen falscher Schuhe

Eine Frau wird von einem Türsteher und dessen Chef aus dem Lokal geworfen und auf dem Bürgersteig liegengelassen. Der Grund: Ihre Freundin trug Turnschuhe. Nun stehen die Männer wegen unterlassener Hilfeleistung vor Gericht. Uta Eisenhardt berichtet, was beim Prozess geschah.

Weil eine Frau mit Turnschuhen in ein Lokal ging, wurde sie brutal rausgeschmissen

Weil eine Frau mit Turnschuhen in ein Lokal ging, wurde sie brutal rausgeschmissen

13 Zeugen hat der Richter an diesem Montagvormittag geladen, vier Stunden will er verhandeln gegen Stephan Friedberg*, Inhaber des Lokals "Das Gartenhaus"* und gegen Detlef Klein*, der dort als Türsteher gearbeitet hat. Doch bevor die Sitzung beginnt, regt Friedbergs Anwalt für seinen Mandanten die Einstellung des Verfahrens an. Der Richter stimmt dem zu, denn der Endvierziger mit der blonden Voku-Hila-Frisur ist bislang nicht vorbestraft und der ihm gemachte Vorwurf der unterlassenen Hilfe klingt nicht nach Aktenlage nicht dramatisch. Friedberg soll 200 Euro an das Deutsche Rote Kreuz zahlen. Mit dieser Auflage darf der Betroffene von der Anklagebank ins Publikum wechseln.

Türsteher Klein sitzt nun allein vor dem Richter. Mit seiner wallenden, grauen Lockenmähne und dem Schnauzbart sieht der große Mann wie ein griechischer Schlagersänger aus. Dazu passen auch seine weiße, an Sommerurlaub erinnernde Hose und sein orangefarbenes Hemd. Drei Mal saß der 52-jährige, gelernte Fassadenreiniger in jüngster Vergangenheit vor dem Richter, zwei Mal wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Auch diesmal enthält die Anklage - neben der unterlassenen Hilfe - dieses Delikt: Detlef Klein attackierte in seiner Funktion als Türsteher einen jungen Mann, der ihn im Alkoholrausch beschimpft hatte. Darüber ärgerte sich der Türsteher - er würgte und schlug den Provokateur. Das war vier Monate, nachdem sich Klein der unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht haben soll.

"Das ging voll in die Hose"

Amar Heinze* heißt die 35-Jährige, mit der er am Gründonnerstag vor einem Jahr kein Mitleid fühlte. Die kleine, runde Frau mit den wallenden, braunen Korkenzieherlocken war an diesem warmen Maitag mit ihren Freundinnen auf einem Fest gewesen. Anschließend wollten sie im Lokal "Das Gartenhaus" in den 35. Geburtstag einer der Frauen hineinfeiern. "Das ging voll in die Hose", sagt das damalige Geburtstagskind dem Gericht. Eine andere Zeugin berichtet, seit diesem Tag sei ihre Freundin Amar nicht mehr wieder zu erkennen. Die vormals lebenslustige Erzieherin sei in sich gekehrt, verängstigt und habe Angst, auf die Straße zu gehen. Ein, zwei Jahre lang könne dieser Zustand noch anhalten attestiert die Psychologin, bei der die junge Frau derzeit in Behandlung ist.

Vier der Freundinnen waren damals gleich von dem Fest in "Das Gartenhaus" gegangen. Dort kannte man die Frauen, die regelmäßig einmal im Monat zum Tanzen kamen. "Herr Koch war immer sehr nett zu uns Frauen", erinnert sich Amar Heinze. Sie selbst ging damals nach dem Fest mit ihrer Freundin Tatjana noch eine Pizza essen und kam erst später zu dem Lokal, das auf seiner Website einen Hinweis platziert hat: "Wir bitten unsere Gäste um gepflegte Kleidung. Vermeiden Sie Turn- und Sportschuhe." Doch Tatjana hatte dies nicht bedacht und blitzte darum bei den Türstehern ab. Daraufhin telefonierten die beiden Frauen mit den Freundinnen, die bereits im Lokal saßen. Eine von denen schlug vor, ihre Stiefel nach draußen zu schmuggeln, um so der Turnschuhträgerin zu helfen.

"Raus damit"

So geschah es. Dank der Stiefel durfte Tatjana den Einlass passieren. Doch kurze Zeit später erblickten die Türsteher sie in Socken am Tisch. Wütend erteilten sie der gesamten Frauenschar Hausverbot. Alle sollten gehen, nur Amar dürfe noch bleiben, weil er sie gut kenne, habe Türsteher Detlef Klein zu ihr gesagt, erinnert sich die junge Erzieherin, die angibt, damals nicht betrunken gewesen zu sein. Doch der Inhaber Stephan Friedberg* sei anderer Meinung gewesen: "Raus damit und pack sie an den Haaren", habe er seinem Angestellten zugerufen.

Inhaber und Türsteher hätten sie an beiden Armen gegriffen, dann habe sie einen Schlag auf den Kopf bekommen, der ihr das Bewusstsein raubte. Sie sei erst wieder zu sich gekommen, als sie mit den Knien auf dem Bürgersteig aufschlug. Ihre Freundinnen hörten noch, wie der Türsteher sagte: "Die hat ihre Chance gehabt, die kann ruhig auf dem Boden verrecken!" Deren Bitte, einen Krankenwagen zu holen, soll Inhaber Friedberg mit dem Satz "Das kannst du selber machen!" pariert haben. Er soll sich auch geweigert haben, der weinenden und am ganzen Körper zitternden Amar einen Stuhl oder eine Decke zu bringen, berichten die jungen Frauen. Stattdessen hätten die beiden Männer ihnen interessiert zugeschaut. "Sie machten keine Anstalten, etwas zu unternehmen", sagt eine Freundin Amars.

Nie habe sie mit einer solchen Aggressivität gerechnet

Er habe das Ganze für die Show einer Angetrunkenen gehalten, meint Detlef Klein. Amar Heinze habe immer wieder theatralisch geheult: "Ich krieg keine Luft mehr!" Der Angeklagte versichert: "Ich kenne die Frau seit vier Jahren - auch aus anderen Läden. Die trinkt sehr viel und wird dann ausfallend." Weil sie andere Gäste angesprochen habe, hätte man sie damals aus dem Laden geworfen. Auf dem Bürgersteig hätten dann etwa 20 Menschen um die junge Frau herum gestanden. "Lasst sie mal in Ruhe oder soll sie dort verrecken", will Klein in dieser Situation gesagt haben. Die Feuerwehr habe er nicht rufen können, weil er bei der Arbeit kein Handy bei sich trage, das könne verloren gehen. Aber er habe im Restaurant um einen Anruf bei der Feuerwehr gebeten.

Am nächsten Tag entdeckte Amar Heinze Blutergüsse und Kratzer auf Brust und Armen, außerdem habe sie durch den Sturz auf die Knie mehrere Tage Probleme mit dem Laufen gehabt. Sie habe sich damals nicht geweigert, das Lokal zu verlassen, sagt die junge Frau. "Ich wollte sowieso gehen, denn meine Freundinnen waren ja schon alle draußen." Sie sei immer gern in "Das Gartenhaus" gekommen, sie hätte sich dort wohl und sicher gefühlt. Nie habe sie mit einer solchen Aggressivität gerechnet. Während sie das dem Gericht sagt, beginnt die Zeugin zu hyperventilieren. "Ich habe Angst vor den beiden Männern", sagt sie mit gepresster Stimme dem Richter. Gemeint sind Detlef Klein und Stephan Friedberg. Doch der Richter schickt niemandem aus dem Saal, stattdessen bricht er die Vernehmung ab. Eilig und mit gehetzt wirkenden Blick verlässt Amar Heinze in Begleitung ihres Anwalts sowie ihres Mannes den Saal.

"Wir sind alle keine Mediziner"

Der Richter ist nun zwar von der tatsächlichen Not der Geschädigten überzeugt - anders als zu Beginn der Verhandlung, als er Amar Heinze noch nicht einmal die Kostenübernahme für einen Rechtsanwalt als Zeugenbeistand bewilligen wollte. Doch jetzt muss der Richter entscheiden, ob er den Vorfall überhaupt aufklären kann. Dazu müsste er einen weiteren Termin anberaumen, Amar Heinze sowie deren behandelnde Psychologin bestellen und nach weiteren, möglichst unparteiischen Zeugen fahnden. Ein aufwändiges Verfahren mit ungewissem Ausgang. Der Richter entscheidet sich für die Prozessökonomie und stellt, weil es ja auch noch den Vorwurf der Körperverletzung gibt, nun auch für Detlef Klein die Anklage wegen unterlassener Hilfeleistung ein. Dann verurteilt er ihn wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 1500 Euro (100 Tagessätze).

In seiner Urteilsbegründung aber vergisst er den Vorfall mit Amar Heinze nicht: "Ich glaube nicht, dass sie das gespielt hat. Manche Menschen sind eben psychisch leichter angreifbar." Zum Schluss gibt er Detlef Klein noch eine "Zielrichtung für die Zukunft": "Nicht alles, was ungewöhnlich erscheint, ist gespielt. Wir sind alle keine Mediziner, es ist immer besser, zu helfen und bei Frauen sollte es auch leichter fallen, bestimmte Dinge zu übergehen."

*Namen von der Redaktion geändert

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(