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"Icke muss vor Jericht": Naturfreundin auf dem Kriegspfad

Eine Naturfreundin ist auf der Suche nach Entspannung und gerät dabei in eine militärische Übung. Sie stört die Soldaten und beleidigt sie auch noch. Vor Gericht gibt sich die Frau ebenso renitent. Aber den Richter, der sie verurteilt, findet die Angeklagte dennoch sehr nett.

Von Uta Eisenhardt

Zehn Minuten sind vergangen, seit der Richter die Strafsache "Petra Apfel"* vergeblich aufrufen ließ. Fünf Minuten will er noch auf die Angeklagte warten, bevor er die Angelegenheit für heute zu den Akten legt. In diesem Moment klopft es. "Oje, jetzt platz ick hier mitten rin!", sagt ein kleines Persönchen, das seinen Kopf mit der dunklen, frechen Kurzhaarfrisur zur Tür herein steckt. "Aber ick hab' hier um 10.30 Uhr einen Termin!" Sie sei vor kurzem nach Brandenburg gezogen und habe die Fahrzeit falsch eingeschätzt, sagt Petra Apfel. Die Verhandlung kann beginnen, die Staatsanwältin der 49-Jährigen vorhalten, sie habe zwei Feldjäger als "Mörder", "Nazis", "Schwächlinge" "Blödmänner" und "Faschisten" bezeichnet.

Damals wohnte sie im Wedding, einem Berliner Problembezirk, erklärt die Angeklagte. "Das war wie im Ghetto." Nirgends habe man Ruhe gefunden. "In meinem Haus haben Araber schwer mit Drogen getickt." Jeden Tag hörte sie im Kiez die Worte "Lutsch meinen Schwanz!" bis "Nazi-Fotze". Sprach sie die Anwohner auf deren Koran-Verstöße an, hätten diese ihr gedroht: "Beleidige nicht Allah!" Angesichts von Messerstechereien hätten Polizisten zu ihr gesagt: "Was sollen wir da machen? Das ist nicht unsere Sache!" Darum habe sie Entspannung gesucht - beim täglichen Spaziergang mit ihrem 17 Jahre alten Hund im Volkspark Rehberge.

Park als Übungsgelände

Nun dient dieser Park nicht nur der Naherholung, sondern wird auch von der benachbarten Julius-Leber-Kaserne als Übungsgelände genutzt. So auch im Mai vergangenen Jahres. An diesem Morgen absolvierten die Soldaten einen 20-Kilometer-Marsch. Schilder zeigten ihnen den Weg. Eines wies die Soldaten an, im Kreis zu laufen. Dies störte Petra Apfel. "Für mich als Naturfreundin ist es eine Beleidigung, wenn da so 'ne Plaste an die Bäume gepinnt wird."

Obendrein hielt sie die Markierung für überflüssig, "Da kann man nur im Kreis gehen. Da hätt' sich keener valoofen können!" Sie beschloss, das Schild zu entfernen und rollte es gerade ein, als ein Zeitsoldat sie ansprach. "'Beschädigen Sie nicht die Bundeswehr!', sagte der zu mir und packte mich am Schlafittchen!", erinnert sich Petra Apfel. "Das war eine Demonstration von Gewalt - unglaublich!" Sie sei keine 1,60 m groß. "Wenn da zwei Meter auf mich zukommen, habe ich Angst!" Darum seien die Worte gefallen, die hier zur Debatte stehen: "Vater vergib mir, ich wusste nicht, was ich tat. Ja, ich habe 'Blödmann', 'Schwächling' und 'Nazi' gesagt!", gesteht die Angeklagte. "Aber 'Mörder' nicht und 'Faschist' spreche ich nicht aus. Das kommt von 'fasces'. Das ist mir zu positiv besetzt. Da denke ich an Fackeln und an Lagerfeuer."

Wie ein weiblicher Louis de Funès

Wieso habe sie nicht den Strafbefehl, das schriftliche Urteil ohne Verhandlung, akzeptiert, will die Staatsanwältin wissen. "Ick lass mir doch nicht irgendwelche Wörter in den Mund legen!", entgegnet die Angeklagte. Also müssen die Feldjäger als Zeugen gehört werden. Zunächst jener Zwei-Meter-Mann, der die kleine Frau damals am Kragen packte. Er habe sie höflich gefragt, warum sie das Schild entfernt habe, sagt der Zeitsoldat. Petra Apfel hält es kaum auf ihrem Stuhl aus. Sie reckt ihren Oberkörper nach vorn, schaut ihrem Widersacher ins Gesicht und kommentiert jeden seiner Sätze wie ein weiblicher Louis de Funès. Sie sagt "Oho!", "Tss, tss!" und "Wie bitte?"

Der junge Mann berichtet, die Angeklagte habe damals nicht auf seine Rufe reagiert. Ihr Weiterlaufen sei ihm wie eine Flucht erschienen. "Ne Flucht!", ruft die quirlige Frau, obwohl sie bereits mehrfach vom Richter ermahnt wurde. "Mein Hund kann weder sehen noch loofen! Ick flüchte und soll dit alte Tier zurücklassen? Ick bin vor zwanzig Jahren das letzte Mal jerannt, da werd ick doch bei dem nicht anfangen!" "Frau Apfel!", mahnt der Richter. "Sie haben ein Gedächtnis wie eine 80-Jährige! Das ist ja nicht das erste Mal, dass Sie ein Problem mit Uniformträgern haben. Vielleicht haben Sie eine Phobie", fragt er und spielt auf eine Verurteilung an, die bereits sieben Jahre zurück liegt. Damals beleidigte Petra Apfel uniformierte Angestellte der Berliner Verkehrsbetriebe, als diese sie gebeten hatten, ihren Hund anzuleinen.

Er rechnete mit Messer-Angriff

Weiter berichtet der Zeitsoldat, wie die ertappte Schilderentfernerin hektisch in ihrer Tasche gekramt habe. Er rechnete damals mit einem Angriff durch ein Messer oder Pfefferspray. "Ne, ick habe nur meine kleene Nokia-Bombe herausgeholt", sagt die kleine Frau und amüsiert sich noch heute, wie sehr sie den Zwei-Meter-Mann damals beeindruckte. Der sei mit schreckgeweiteten Augen ins Gebüsch gesprungen!

Apfel habe ihn und später seinen Vorgesetzten beschimpft, erinnert sich der Zeuge. "Dann sagte sie, wir hatten das Ganze schon mal 1939!" "Das wird ja immer besser! 1939?", empört sich die Angeklagte. "Wenn dann 1936! Da müssen Sie sich mal mit der Geschichte auseinandersetzen! Da müssen Sie mal von Ihrer Spielkonsole aufstehen!" fordert sie den 23-Jährigen auf. Wieder ermahnt sie der Richter: "Sie quatschen permanent dazwischen. Seien Sie bloß froh, dass wir nicht mehr die Prügelstrafe haben!" Überraschend gesteht die so Getadelte: "Ich finde Sie richtig nett, Herr Richter!"

Der zweite Zeuge beschwert sich, er sei von der Angeklagten permanent geduzt worden. "Das ist ganz schlimm", sagt Petra Apfel. "Tut mir wirklich sehr leid. Ich duze fast jeden." Der Richter lacht: "Da habe ich ja richtig Glück!"

Dann äußert der Zeuge, ihm sei an diesem Tag noch von weiteren Beleidigungen berichtet worden. Eine unbekannte Frau habe einen Streckenposten als "Nachgeburt Hitlers" bezeichnet und als einen, der in Afghanistan Kinder vergewaltigen würde. "Das wird ja immer besser!", ruft die Angeklagte: "Kinder vergewaltigen, Messer in der Tasche. Was da alles für Dialoge in zwei Minuten stattgefunden haben sollen!"

"Ich bin eine Sünderin!"

Die Staatsanwältin hält die Verhandlung für überflüssig. Sie hätte das Ganze lieber mit einem Strafbefehl erledigt. In einem solchen hatte man Petra Apfel eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen angeboten. Für diese uneinsichtige Angeklagte kann es aber nicht mehr dabei bleiben. "Wie ist die Angeklagte zu bestrafen?", fragt die Staatsanwältin und will sich selbst die Antwort geben. Doch Apfel kommt ihr zuvor: "Richtig hart! Ich hab's verdient, ich bin eine Sünderin", sagt sie. Energisch bittet die Staatsanwältin um Ruhe und fordert für die arbeitslose Köchin eine Geldstrafe von 750 Euro (50 Tagessätze).

Der Richter folgt mit seinem Urteil dem Vorschlag der Staatsanwältin. Für ihn steht fest, die Angeklagte hat die Uniformträger beleidigt und sich mit dem Entfernen des Wegweisers in die Arbeit eines staatlichen Organs eingemischt. "Das hat mit Einmischen nichts zu tun", ruft Apfel. "Dit is Wald und grün und Natur und dit is Plaste." Wegweiser entfernen, so etwas machen vielleicht 15-, aber nicht 50-Jährige, argumentiert der Richter. "Das machen Naturfreunde!", entgegnet die Verurteilte. Den Richterspruch aber nimmt sie an: "Ja, das muss sein", sagt Petra Apfel. "Das kann nicht ungeahndet bleiben, wenn man so schwer gegen die Bundeswehr handelt!"

Vom Richter will sie noch wissen: "Darf der Zeuge so lügen? Und mich am Schlafittchen packen?" Doch der hat nicht viel Zeit. Er lobt ihre Geschichtskenntnisse und bewundert ihren Mut, mit den Arabern im Wedding über den Koran zu diskutieren. "Ich hätte gern mal mit Ihnen geplaudert", sagt Petra Apfel, bevor der Richter ihr wünscht, sie möge im Berliner Umland mehr Entspannung finden. Mit erhobenen Armen verabschiedet sie sich von ihren Zuhörern: "Liebe und Friede euch allen!"

* Name von der Redaktion geändert

Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.