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"Phantom von Kehl": Frauenmörder bekommt lebenslänglich

"Plumain hat seine Opfer regelrecht hingerichtet", hieß es beim Prozess. Nun ist der 32-Jährige für die Ermordung zweier Frauen im deutsch-französischen Grenzgebiet zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden.

Höhere Strafe: Der als "Phantom von Kehl" bezeichnete Frauenmörder Jacques Plumain ist in Frankreich zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Mit dem Urteil vom verschärfte das zuständige Berufungsgericht im elsässischen Colmar die ursprüngliche Strafe. Der Täter (32) nahm den erneuten Schuldspruch mit unbewegter Miene auf. Eine Deutsche aus Kehl, die einen Angriff Plumains überlebt hatte, brach im Gerichtssaal bei Verkündung des Urteils in Tränen der Erleichterung aus. Die Geschworenen hatten fünf Stunden beraten.

Die Richter entsprachen mit dem Urteil "Lebenslang" der Forderung des Staatsanwalts. Verbunden ist die Strafe mit einer Mindesthaftzeit von 20 Jahren - 2 Jahre weniger als der Staatsanwalt verlangt hatte. Erst danach ist eine vorzeitige Haftprüfung möglich.

In 15 Jahren Haftprüfung

Der 32-jährige Ex-Soldat wurde für schuldig befunden, 1999 und 2000 im deutsch-französischen Grenzgebiet zwischen Kehl und Straßburg zwei Frauen ermordet und eine weitere schwer verletzt zu haben. In erster Instanz war Plumain wegen dieser Verbrechen im vergangenen Jahr im französischen Straßburg zu 30 Jahren Haft verurteilt worden.

Die Verteidiger Plumains äußerten sich trotz der Verschärfung nach dem Urteil zufrieden. Ihr Mandant, der bereits seit fünf Jahren im Gefängnis sitzt, kann nun in 15 Jahren eine Haftprüfung beantragen.

"Kalt und berechnend"

Für die Anwälte der Opferfamilien war die Verhängung der Höchststrafe das wichtigste Anliegen. "Die Gesellschaft muss vor diesem Menschen geschützt werden", sagte die Anwältin eines der Opfer Plumains. "Der einzige Fehler der Frauen war es, diesem Mann zufällig über den Weg gelaufen zu sein", sagte die Opferanwältin Gioia Zirone. Plumain "ist ein Jäger, der seiner Beute nachsetzt und zuschlägt".

In der Tat, auch die Gerichtspsychiater haben Plumain als "kalt und berechnend" eingestuft, als einen Menschen, der seinen mörderischen Impulsen folgt. "Plumain hat seine Opfer regelrecht hingerichtet und ist am Tag danach mit Freunden essen gegangen, als sei nichts gewesen", sagte der Opferanwalt Thomas Mutter.

1999 erstach Plumain eine 66-jährige deutsche Zeitungsausträgerin im baden-württembergischen Kehl, ein Jahr später überfiel er in einem Wald bei Straßburg eine 45-jährige deutsche Lehrerin und tötete sie ebenfalls mit einem Messer. Eine andere Frau aus Kehl überlebte 1999 einen Messerangriff des Täters.

Berufungsverfahren brachte härtere Strafe

Lebenslang bedeutet auch in Frankreich nicht, dass Plumain bis zu seinem Tod hinter Gefängnismauern ausharren muss. "Doch bevor er herauskommt, muss ein Gericht über seine Freilassung entscheiden", sagte Opferanwalt Thomas Mutter. Eine langjährige Haftstrafe - wie im ersten Urteil - hätte womöglich bedeutet, "dass er einfach ohne jede weitere gerichtliche Kontrolle aus dem Gefängnis herausspazieren" könnte, wenn er später Haftverschonung beantragen sollte.

Das Berufungsverfahren war über weite Strecken eine Wiederauflage des Prozesses der ersten Instanz im vergangenen Jahr in Straßburg. Damals wie jetzt hat der Täter einen dritten Mord an einer 22-jährigen türkischen Altenpflegerin in Kehl heftig bestritten. Und kurz vor Schluss der elftägigen Verhandlung fand Plumain nochmals Worte der Reue. "Ich bedaure das Leid, dass ich den Familien zugefügt habe", sagte er.

Petra Klingbeil/DPA / DPA