"Rein dienstliches Interesse" Neue Aussagen im Prozess gegen Jörg Tauss


Der wegen Besitzes und Verbreitung von Kinderpornografie angeklagte frühere SPD-Politiker Jörg Tauss hatte nach Ermittlerangaben zu 27 Männern aus der Szene Handy-Kontakt. Das sagte ein Kriminalbeamter der Karlsruher Polizei am Donnerstag vor dem Landgericht Karlsruhe.

Der wegen Kinderporno-Besitzes angeklagte ehemalige SPD-Politiker Jörg Tauss hat vor Gericht erneut ein rein dienstliches Interesse daran betont. Er habe sich die Bild- und Videodateien nur beschafft, um als medienpolitischer Sprecher seiner Fraktion neue Vertriebswege für Kinderpornos aufzudecken. Sein Ziel sei es gewesen, Produktionsorte von Kinderpornos zu finden und die Täter auffliegen zu lassen. Die Erkenntnisse aus seinen Kontakten habe er in Fachgesprächen, Ausschüssen und Anfragen an die Bundesregierung einfließen lassen, sagte der Ex-Bundestagsabgeordnete am Donnerstag vor dem Karlsruher Landgericht.

Er habe bewusst nie öffentlich über seine Recherchen berichtet, weil er befürchtete, dass deren Zweck dann in den Hintergrund geraten würde. "Hätte ich tatsächlich gegenüber dem Bundeskriminalamt zugegeben, dass ich das mache, hätten alle über die Hotline diskutiert, aber niemand über meine Erkenntnisse", sagte Tauss. Er verglich es mit Recherchen über nationalsozialistisches Propagandamaterial: "Kollegen haben auch nie im Bundestag gesagt: Ich komme zu meinen Erkenntnissen dadurch, dass ich Nazi-Material zu Hause habe."

Die Pornos waren vor mehr als einem Jahr in Tauss' Berliner Wohnung und auf seinem Handy gefunden worden. Die Anklage wirft dem 56-Jährigen vor, das Material beschafft, besessen und weitergegeben zu haben.

Kontakt zur Kinderpornoszene zu bekommen, war nach Angaben eines Karlsruher Polizisten, der am Donnerstag als Zeuge aussagte, alles andere als schwierig. Im Videotext finde man Telefonnummern für Chats, in denen sich die Szene treffe. Tauss habe insgesamt mit 27 Personen Kinderporno-Dateien ausgetauscht, sagte der 57-jährige Beamte. Dies sei aus den Verbindungsdaten seines Handys ersichtlich gewesen.

Im Mobiltelefon von Tauss seien rund 300 Bilddateien und etwa 40 Videos sichergestellt worden. Der Beamte sagte weiter, Tauss habe den ganz überwiegenden Teil der Handy-Nachrichten während der Sitzungswochen in Berlin mit seinen Kontaktmännern ausgetauscht. Bei der Durchsuchung von Tauss' Wohnung habe die Polizei neben dem Handy auch einen Koffer gefunden, in dem "Bücher homoerotischer Art" gewesen seien, allerdings "definitiv keine Kinderpornografie".

APN/DPA DPA

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