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"Rotkohl"-Prozess: Hirnschädigung verhinderte Hustenreflex

Der kleine Justin, der mit Rotkohl zu Tode gefüttert wurde, ist ganz offensichtlich regelmäßig misshandelt worden. Die Schädigung seines Hirns war so stark, dass er das Gemüse nicht heraus husten konnte.

Der qualvoll gestorbene 17 Monate alte Justin aus Kaiserslautern ist nach Angaben eines Gerichtsmediziners vor dem Füttern mit Rotkohl wahrscheinlich heftig geschüttelt oder geschlagen worden. Damit seien Verletzungen am Gehirn des Kindes vermutlich zu erklären, sagte der Sachverständige vor dem Landgericht Kaiserslautern. "Das kann keinem Sturzvorgang zugeordnet werden", so der Mediziner, der Justins Leichnam obduziert hatte.

In dem Prozess werden der 24 Jahre alten Mutter des Jungen und ihrem ein Jahr jüngeren Lebensgefährten Körperverletzung mit Todesfolge sowie die Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Die Mutter soll den Jungen Ende 2005 so stark mit Rotkohl voll gestopft haben, dass er wenige Tage später starb. Die Angeklagten sollen den Jungen auch mehrfach misshandelt haben. Die Mutter und ihr Lebensgefährte schwiegen erneut zu den Vorwürfen.

Gutachter vermuten Misshandlungen

Der Gutachter räumte ein, dass auch ein anderer Verlauf der Tat möglich sei, wenn auch nicht wahrscheinlich. Justin starb nach seinen Angaben an den Folgen der Hirnverletzungen. Wegen der Hirnschädigung habe bei dem Jungen der Hustenreflex ausgesetzt, der normalerweise in die Luftröhre geratenes Essen wieder entferne. Wie der Mediziner weiter erklärte, waren an den Beinen des Kindes entdeckte Blutergüsse nicht an Stellen, die für Verletzungen durch Anstoßen typisch seien. Bei der Obduktion seien bei Justin außerdem Einblutungen an der Niere und am Lendenmuskel gefunden worden. Diese seien durch Gewalteinwirkung hervorgerufen worden.

DPA / DPA
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