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"Sagging"-Verbot in New Jersey: Bürgermeister, die keine Unterhosen sehen wollen

Besucher des Küstenörtchen Wildwood in New Jersey sollten immer einen Gürtel dabei haben. Denn hängt die Hose 7,62 Zentimeter zu tief, wird es teuer: 200 Dollar kostet ein Blick auf die Unterwäsche.

Hose hoch oder Geld her! Dieser Look kann in New Jersey teuer werden.

Hose hoch oder Geld her! Dieser Look kann in New Jersey teuer werden.

Es ist nicht ganz klar, ob die Ordnungshüter von Wildwood bereits mit einem Maßband am Hintern diverser Touristen herumgefummelt haben. Und ob sie überhaupt ein Rollmeter bei sich führen, um den exakten Hosensitz prüfen zu können. Eigentlich müssten sie es, denn seit drei Wochen ist es in der Küstenstreifen im Süden New Jerseys bei Strafe verboten, Hosen tiefer als 7,62 Zentimeter unterhalb der Hüfte hinabsacken zu lassen. Und dabei den Blick freizugeben auf Unterwäsche oder gar nackte Haut. Verstöße gegen diese Verordnung jedenfalls habe es bislang nicht gegeben, berichtete Bürgermeister Ernest Troiano stolz der Nachrichtenagentur AP.

Die Strafen fürs Hosenrunterlassen sind saftig: bis 200 Dollar plus 40 Stunden gemeinnützige Arbeit. Und wer jetzt glaubt, züchtiger gehe es nicht, kennt zwei weitere Paragrafen des Verordnung nicht: Verboten ist es zudem, nach 20 Uhr barfuß und oder ohne Hemd herumzulaufen. Stadtoberhaupt und Initiator Troiano will mit dieser Bestimmung die örtlichen Besucher schützen, die sich durch zu viel Freizügigkeit gestört fühlen könnten. "Wir wollen familienfreundlicher werden und es heißt eben Unterwäsche und nicht Oberwäsche", sagt er.

"Das hier ist nicht Disney Land"

Sagging, wie der Trend zur versackten Hose genannt wird, ist einigen US-Gemeinden schon länger ein Dorn im Auge. Schon 2005 verbot der Bundesstaat Virginia die Zuschaustellung von Unterhosen. Ähnliche Regelungen gibt es auch in Atlanta und Miami. Troiano erzählt entzückt, dass sich bereits mehrere seiner Kollegen in Wildwood gemeldet hätten, um auch endlich etwas gegen die "unansehnlichen Hängehosen" zu unternehmen. Den prompt gegen Troiano erhobene Vorwurf, er sei ein Rassist (die Mode stammt von Hiphoppern und wird auch gerne von Schwarzen getragen) weist der Bürgermeister zurück: "Das ist Blödsinn, es geht um Schicklichkeit."

Aber noch mehr als um den Anstand geht es ihm offenbar um Geld. Geld, das von Touristen stammt, die in New Jersey seit dem Hurrikan Sandy schmerzlich vermisst werden und von denen Örtchen wie Wildwood abhängen. Dass Hängehosen die Besucher abschrecken könnte, Wildwood zu besuchen, glaubt Jack Morey, Betreiber einiger Vergnügungsparks dagegen nicht. Im Gegenteil: "Das hier ist nicht Disney Land. Und Leute anzugucken, ist ein wesentlicher Erfolgsgrund für Ausflugsziele wie diese", sagt er dem Internetdienst der Bloomberg. Selbst beim Tennisturnier in Wimbledon müsse niemand mehr in Weiß spielen. "Sagging spiegelt eine beliebte Kultur wieder und es ist wirtschaftlich nicht besonders schlau, Gäste wegen ihrer Kleidung zu vegraueln."

In den 60ern wurden Männer mit langen Haaren verbannt

Ob und wie lange das Hängehosen-Verbot Bestand haben wird, weiß bislang niemand. Bloomberg zitiert einen Jura-Professor mit den Worten, dass die Stadt im Fall einer Klage wohl keine Chance hätte. Den Bürgerrechtler Udi Ofer erinnert die Angelegenheit an frühere Versuche, Männer Ohrringe und verkehrtherum getragene Baseball Caps zu verbieten. "Sagging ist kein Verbrechen. Aber nun werden diese Leute kriminalisiert, genau wie in den 60er Jahren, als man Männer mit langen Haaren von den Straßen verbannen wollte."

nik
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