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"Spende" für Behandlung: Chefarzt soll Krebspatienten abgezockt haben

Er war der Leibarzt von Ex-Bundespräsident Rau: Christoph Broelsch, Chefarzt der Essener Uniklinik, steht bald unter anderem wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit und des Betrugs vor Gericht. Ihm wird angelastet, von gesetzlich versicherten Krebspatienten "Spenden" verlangt zu haben, wenn sie von ihm persönlich behandelt werden wollten.

Gegen den Leibarzt des früheren Bundespräsidenten Johannes Rau, Professor Christoph Broelsch, hat das Essener Landgericht ein Verfahren wegen Bestechlichkeit, Betrugs im besonders schweren Fall und Steuerhinterziehung eröffnet (Az.: 56 Kls 20/08). Die Hauptverhandlung soll im September dieses Jahres beginnen, teilte das Gericht am Freitag mit. Es werde eine Verhandlungsdauer von mehreren Monaten erwartet.

Dem Chefarzt der Uniklinik Essen wird unter anderem vorgeworfen, von todkranken Krebspatienten eine "Spende" verlangt zu haben, wenn er sie persönlich behandelte. Broelsch hat seine Schuld bislang zurückgewiesen. Der Transplantationsmediziner bezeichnete seine Spendenpraxis als Entgegenkommen für Kassenpatienten.

Vor der Wirtschaftsstrafkammer des Essener Landgerichts muss sich Broelsch nun in 36 Fällen wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit verantworten. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor 39 Fälle von Mitte 2002 bis Mitte 2008 angeklagt, bei denen insgesamt 219.000 Euro als Spendengeld geflossen sein sollen. In der Regel sollen dabei von den Patienten Beträge zwischen 5000 und 7000 Euro gezahlt worden sein.

Drei Fälle ließ das Gericht allerdings nicht zur Verhandlung zu: Dabei strich die Kammer den vielleicht gravierendsten Vorwurf der Staatsanwaltschaft gegen den Chefarzt. Die Anklagebehörde hatte den Mediziner in acht Fällen der räuberischen Erpressung beschuldigt, da er bei lebensgefährlich erkrankten Patienten eine Spende verlangt und darauf hingewiesen habe, dass die Behandlung sonst zeitlich später durchgeführt würde. Die Strafkammer sah jedoch die Grundvoraussetzungen für den Vorwurf einer räuberischen Erpressung nicht erfüllt.

Spenden flossen auf ein Drittmittelkonto

Für das Gericht komme jedoch eine Verurteilung wegen Nötigung in Betracht. Außerdem werden dem Chefarzt 22 Fälle von Betrug im besonders schweren Fall vorgeworfen, weil er entgegen vertraglicher Verpflichtungen Privatpatienten nicht persönlich behandelt, gleichwohl aber Honorar verlangt und erhalten habe. Darüber hinaus wird ihm Steuerhinterziehung vorgeworfen.

Die Spenden seien von den Patienten auf ein sogenanntes Drittmittelkonto der von Broelsch geleiteten Klinik eingezahlt worden, teilte das Gericht mit. Auf das Konto, wo eigentlich das Geld für Forschung und Lehre verwaltet wurde, habe Broelsch Zugriff gehabt.

DPA/AP / AP / DPA