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"Swatting": Wenn Internet-Trolle anderen die Polizei auf den Hals hetzen – mit teilweise fatalen Folgen

Beim "Swatting" hetzt man jemandem mit einem Fake-Anruf bei der Polizei ein Einsatzkommando auf den Hals. In den USA endeten solche vermeintlichen Streiche bereits tödlich. Ein Täter muss nun lange in Haft, ein weiterer wurde gerade festgenommen.

Eine Spezialeinheit zum Stürmen von Wohnungen der US-Polizei (Symbolfoto)

Beim "Swatting" werden SWAT-Teams unter Vortäuschung eines Notfalls zu Adressen geschickt. Abgebildet ist eben ein solche Sondereinsatzkommando der US-Polizei.

Getty Images

Tyler Barriss wird die kommenden 20 Jahre aller Voraussicht nach im Gefängnis verbringen. Ein kalifornisches Gericht verurteilte den 26-Jährige wegen "Swattings" zu der langen Haftstrafe. Bei diesem mehr als fragwürdigen Netztrend rufen Menschen bei der Polizei an und suggerieren dort eine akute Notsituation an einer bestimmten Adresse. Das Ziel: Ein Sondereinsatzkommando, englisch SWAT-Team, soll eben jene Wohnung stürmen. Diese Praxis ist – wenig überraschend – hochgefährlich, wie auch der Fall von Barriss zeigt. Bei einem seiner vermeintlichen Streiche erschoss die Polizei 2017 einen 28-jährigen Mann im US-Bundesstaat Kansas. Das berichten unter anderem CNN und die Associated Press.

In dem tragischen Fall wollte Barriss den Berichten zufolge eigentlich einem anderen Gamer die Polizei auf den Hals hetzen. Zwei andere Gamer hätten sich beim Zocken von "Call of Duty: WW II" gestritten, einer der beiden habe dann Barriss damit beautragt, den anderen zu "swatten". Der nun verurteilte galt seinem Anwalt zufolge auf Twitter als eine Art "Swatting"-Experte, führte demnach auch Auftragsarbeiten aus.

In dem speziellen Fall von 2017 war die Adresse in Wichita im US-Bundesstaat Kansas aber den Berichten zufolge veraltet. Die Beamten hätten dort einen 28-Jährigen getroffen, der mit dem Streit gar nichts zu tun hatte. Ein Polizist eröffnete laut CNN das Feuer, weil er dachte, der unbewaffnete Mann würde nach einer Waffe greifen. Die Kugeln trafen ihn tödlich. Wegen des Anrufes gingen die Beamten demnach von einer Geiselnahme aus.

"Swatter" bekannte sich 51 Anklagepunkten schuldig

Das Gericht verurteilte Barriss nun wegen insgesamt 51 Anklagepunkten, zu denen er sich in einem Deal mit der Staatsanwaltschaft schuldig bekannte. Darunter sind Dutzende solcher Anrufe bei der Polizei. Laut seinem Anwalt sei er in der Szene als "Serien-Swatter" bekannt gewesen. Während des Verfahrens entschuldigte er sich bei der Familie seines Opfers. Die wiederum streben demnach weiterhin an, dass auch der Polizist, der die Todesschüsse abgab, vor Gericht landet. Sie haben laut der Associated Press die Stadt Wichita verklagt, die keinen Anlass für rechtliche Schritte gegen den Beamten sieht.

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Erst Anfang dieser Woche wurde in Ohio ein Teenager festgenommen, dem die Behörden in mehreren Fällen "Swatting" vorwerfen. Gegen den 17-Jährigen wurde in insgesamt 73 Punkten Anklage erhoben, 40 davon wegen Kapitaldelikten, wie CNN berichtet. Unter anderem soll der Teenager Anfang August die Polizei gerufen und erklärt haben, er habe seine Frau erschossen und würde, mit einem Sturmgewehr bewaffnet, seinen Sohn als Geisel halten. Glücklicherweise trafen die Polizisten bei der Zieladresse demnach niemanden an, konnten anschließend den Anruf jedoch zu dem 17-Jährigen zurückverfolgen. Welche Strafe ihm droht, ist noch unklar.

"Swatting" gibt es auch in Deutschland

In den USA gibt es zwar keine offiziellen Statistiken zum "Swatting", das FBI schätzt aber, dass es mehrere hundert solcher Fälle pro Jahr gibt. In Deutschland erregte vor allem ein Fall von 2015 Aufmerksamkeit. Damals kam es beim Youtuber "Drachenlord" zu einer unfreiwilligen Stürmung durch die Polizei. Der junge Mann, der für den Anruf bei den Beamten verantwortlich war, musste für mehr als drei Jahre ins Gefängnis.

Quellen: Associated Press / CNN / Vice 

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