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"Thor Steinar" versus "Storch Heinar": Rechter Angriff auf den Führer-Storch

Ein missratener Vogel mit Seitenscheitel und Hitlerbart ziert die Kleidung der Marke Storch Heinar. Das in der rechten Szene beliebte Modelabel Thor Steinar fühlt sich schwer veräppelt und will den Vogel nun verbieten lassen. Heute beginnt der Prozess in Nürnberg.

Von Theresa Breuer

Missraten sieht der Storch aus, ein schmächtiger Vogel mit, nun ja, wenig Verstand. Die anderen Störche hänseln ihn und rupfen ihm die Federn aus. Als wäre Heinar nicht schon genug geplagt, peinigt ihn auch noch eine Froschfleischunverträglichkeit. Die führt bei dem schmächtigen Kerlchen zu Krämpfen und übelriechenden Blähungen. Und so muss sich Heinar vor jeder Mahlzeit erneut die quälende Frage stellen: Mein Krampf oder kein Mampf?

Schön ist das alles nicht.

Zu seiner völkischen Gesinnung findet Heinar an einem Tag im Dezember. Wie die anderen Störche will auch Heinar in Afrika überwintern, doch zum Fliegen ist er zu schwach und zum Bahnhof kommt der trödelnde Storch natürlich zu spät - Zug verpasst! In dem Moment brennt bei Heinar die Sicherung durch. Bei einem Glas Eierlikör in der Bahnhofskneipe schwört er Rache. Und so wurde Heinar zu dem GröMaZ, der er heute ist - dem größten Modedesigner aller Zeiten.

Thor Steinar fühlt sich "verunglimpft"

Doch genug ist genug. Das Modelabel Thor Steinar fühlt sich seit eineinhalb Jahren von dem modeverrückten Führerstorch mit schwerer Kindheit verunglimpft. Das Unternehmen will den Storch wegen Markenrechtsverletzung ein für allemal verbieten lassen. Der Prozess hat am Mittwoch in Nürnberg begonnen.

Storch Heinar ist das Fantasieprodukt von "Endstation Rechts", einer Initiative der Jusos in Mecklenburg-Vorpommern. Im Winter 2008 haben die Jusos damit begonnen, T-Shirts - Entschuldigung, T-Hemden - und Accessoires mit dem Konterfei des rechtsgesinnten Vogels zu verkaufen. Der Name des Storchs ist eine deutliche Persiflage auf die Marke Thor Steinar, die zur in Brandenburg ansässigen Firma Mediatex gehört. "Endstation Rechts" wirft Thor Steinar vor, rechtsextreme Kundschaft zu bedienen. Diesen Vorwurf lässt Thor Steinar an sich abprallen. Rainer Schmidt, Leiter des Rechtsbüros bei Mediatex, sagte stern.de: "Wir können unseren Kunden nicht in die Köpfe gucken, und es interessiert uns auch nicht."

Fakt ist jedoch: Das Label wird von mehr als nur ein paar Rechtsextremen getragen. Bei Neonazi-Aufmärschen ist die Marke auffällig präsent, der brandenburgische Verfassungsschutz bezeichnet die Mode gar als "identitätsstiftendes Erkennungszeichen" der rechtsextremen Szene. Als Logo nutzt Thor Steinar alte germanische Schriftzeichen: ein Kreuz mit zwei Punkten. Die Aufdrucke auf den Klamotten sollen an nordische Mythen erinnern, an die Wikinger, an Stärke. Die Marke schreit förmlich "weiße Überlegenheit".

Storch Heinar entstand bei einer Flasche Rotwein

Mathias Brodkorb, Storchen-Vater und SPD-Landtagsabgeordneter aus Mecklenburg-Vorpommern, erzählt stern.de, wie die Idee zu dem Vogel entstanden ist: "Vor ein paar Jahren eröffnete in der Rostocker Innenstadt ein Naziladen, der später vom NPD-Landtagsabgeordneten Birger Lüssow übernommen wurde und inzwischen zum Glück wieder dicht gemacht wurde." Damals hätten sich die Mitarbeiter des Projekts "Endstation Rechts" überlegt, selbst ein Modelabel auf den Markt zu bringen. Und so sei an einem lustigen Abend bei einer Flasche Rotwein die Geschichte rund um Storch Heinar entstanden.

Thor Steinar fand das Satireprojekt natürlich weniger lustig - Rechtsextremismus und Humor vertragen sich ja bekanntermaßen wie Springerstiefel und Birkenstock-Sandale. Der jetzige Prozess ist übrigens nicht der erste Versuch, den debilen Vogel verschwinden zu lassen. Einen Tag nachdem das Projekt gestartet war, hatte das Unternehmen versucht, sich beim Deutschen Patent- und Markenamt die Rechte für Storch Heinar zu sichern. Doch die Anwälte von "Endstation Rechts" legten Widerspruch ein und bewahrten Thor Steinar so vor "Selbstverunglimpfung", wie Brodkorb es ausdrückt.

Ob der Storch nun weiterhin die rechtsextreme Szene auf die Schippe nehmen darf, muss das Gericht entscheiden. Doch egal, wie der Prozess ausgeht, "Endstation Rechts" wird den Kampf gegen Rechtsextremismus nicht so schnell aufgeben: "Wir werden uns schon etwas einfallen lassen, damit es auf jeden Fall irgendwie weiter geht", so Brodkorb mit einem Augenzwinkern.