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"Zwölf Stämme": Polizei holt Kinder aus Glaubensgemeinschaft

Seit Jahren gibt es Vorwürfe, in der christlichen Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme" würden Kinder geschlagen. Nun ist die Polizei eingeschritten - auch, damit die Kinder staatliche Schulen besuchen.

Die Polizei hat fast 30 Kinder aus der umstrittenen Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme" im schwäbischen Klosterzimmern geholt. Das Amtsgericht Nördlingen hatte einen vorläufigen Sorgerechtsentzug angeordnet. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Hinweise darauf gegeben, dass die Kinder geprügelt und gezüchtigt werden.

Wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums in Augsburg sagte, handelt es sich um 28 Mädchen und Jungen, die in der umstrittenen Gemeinschaft bei Deiningen leben. Gegen 6 Uhr habe der Einsatz begonnen. Etwa 100 Beamte waren beteiligt. Die Aktion sei friedlich und ohne Zwischenfälle verlaufen. Die Kinder sind nun in Obhut des Jugendamtes.

Streit schwelt seit Jahren

Die "Augsburger Allgemeine" berichtet, das Gelände der Glaubensgemeinschaft sei weiträumig abgesperrt worden, bevor Polizisten von Haus zu Haus gegangen seien und die Kinder aus ihren Familien geholt hätten. Anschließend seien die Kinder in Begleitung von Mitarbeitern des Jugendamtes nach Donauwörth ins Landratsamt gebracht worden. Um 9.30 Uhr sei der Einsatz zu Ende gewesen. Laut "Augsburger Allgemeine" sollen die Kinder nun in Pflegefamilien untergebracht werden. Ein Mitglied der Glaubensgemeinschaft habe sich vor Journalisten entsetzt über den Polizeieinsatz gezeigt. Die Kinder seien nie geschlagen worden.

Die Gemeinschaft "Zwölf Stämme" war in der Vergangenheit immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Neben Vorwürfen wegen Kindesmisshandlung und möglicherweise rassistischen Lehrinhalten gibt es seit Jahren Streit um die Schulpflicht der Kinder.

"Gewissensgründe" gegen den Schulbesuch

Die Mitglieder der "Zwölf Stämme" hatten sich geweigert, ihre Kinder in staatliche Schulen zu schicken. Unter anderem wegen des Sexualkundeunterrichts machten sie religiöse "Gewissensgründe" geltend. 2004 waren mehrere Väter wegen der Verweigerung in Erzwingungshaft gekommen.

Der Privatschule der Gemeinschaft hatte das Kultusministerium zum 31. Juli 2013 die Genehmigung entzogen, weil sie keinen geeigneten Lehrer mehr benennen konnte. Die etwa 20 schulpflichtigen Kinder müssen damit von kommender Woche an staatliche Schulen oder andere zugelassene Privatschulen besuchen. Inzwischen liegt dem Ministerium ein Antrag der Gemeinschaft auf die Genehmigung einer neuen sogenannten Ergänzungsschule vor.

Thomas Krause mit DPA