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Elfjähriger erschießt Achtjährige: Wie der Streit um einen Hunde-Welpen ein kleines Mädchen das Leben kostete

Was treibt einen Elfjährigen dazu, ein Nachbarsmädchen zu erschießen? Offenbar reicht der Streit darum, einen Hundewelpen sehen zu dürfen oder nicht. 

Kleiner Junge zielt in Waffenladen in Anwesenheit seiner Eltern mit Schrotflinte

Schon kleine Kinder lernen in den USA vielfach den Umgang mit Waffen. Zu welch fatalen Ereignissen das führen kann, hat sich jetzt in Tennessee gezeigt.

Hänseleien zwischen Grundschülern gehören zum Alltag auf Pausenhöfen überall auf der Welt. Egal, ob hier bei uns in Deutschland oder in den USA oder sonst wo: Wenn Kinder aufeinander treffen, zeigt sich nicht selten auch die rücksichtslose Fratze des Menschen. Böse Worte fallen, Gefühle werden verletzt. Gerade junge Heranwachsende tun sich dabei oftmals schwer, das akzeptable Maß nicht aus den Augen zu verlieren.

Im Fall der achtjährigen McKayla Dyer aus White Pine im Bundesstaat Tennessee endete ein gewöhnlicher Zwist mit dem Nachbarjungen allerdings in einer furchtbaren Tragödie. In der Vergangenheit habe sich der Elfjährige "über sie lustig gemacht, war gemein zu ihr“, berichtet Mutter Latasha dem Fernsehsender Wate6. Daraufhin habe McKayla sich bei ihrem Schuldirektor beschwert mit dem Ergebnis, dass der aufdringliche Störenfried “für eine Weile ruhig“ war.

Schüsse aus dem Fenster heraus

So weit, so normal, könnte man meinen. Am Sonnabend eskalierte dann jedoch der Streit zwischen den beiden Schulkindern auf erschütternde Weise. McKayla spielte gerade mit Freundinnen auf der Straße vor dem Haus ihrer Eltern, als der ältere Junge von nebenan hinzukam. Er fragte McKayla, ob er ihren Hundewelpen sehen dürfe. Die zeigte ihm aber die kalte Schulter - und verneinte.

Der Junge ging anschließend zurück in sein Zuhause, das er mit seinen Eltern und fünf Geschwistern in der Kleinstadt bei Knoxville bewohnt. Dort griff er sich Medienberichten zufolge eine Schrotflinte, die sein Vater legal besitzt, und tat das Unfassbare: Er schoss dem Mädchen vom Fenster der eigenen Wohnung mit der zwölfkalibrigen Waffe in die Brust. Die kleine McKayla erlag noch am selben Abend im örtlichen Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.

Mutter mit emotionalem Appell

Die trauernde Mutter kann das Geschehene immer noch nicht fassen. “Ich will sie zurück, das ist nicht gerecht. Drückt und küsst eure Kinder jeden Abend, denn ihr könnt euch nicht sicher sein, dass ihr sie auch am nächsten Tag noch habt", rang Latasha Dyer in einem Fernsehinterview sichtlich mit ihren Gefühlen. Auch an den minderjährigen Täter, der in der Zwischenzeit wegen Mordverdachts festgenommen und in eine Jugendhaftanstalt überstellt wurde, richtete sie ein paar Worte: “Ich hoffe, der kleine Junge hat seine Lektion gelernt. Denn er hat meinem Baby das Leben geraubt und ich kann sie nun nicht mehr zurückbekommen!“ Nach US-Recht kann dem Jungen theoretisch vor einem Erwachsenengericht der Prozess gemacht werden. Die Entscheidung liegt im Ermessen des zuständigen Richters.

Seit dem schauerlichen Vorfall am Wochenende legen Nachbarn als Zeichen der Anteilnahme Blumen, Luftballons und Kuscheltiere am Tatort nieder. Der kleine Welpe - offensichtlich Auslöser der Tat - hält zeitweise sogar Wache. Nachbarin Chasity Arwood hatte den tödlichen Schuss gehört und musste mit ansehen, wie die Achtjährige auf dem Rasen verblutete. Sie nennt die Aufgabe, der Familie des Opfers in dieser schweren Zeit beizustehen und Trost zu spenden "das Schwierigste, was ich je gemacht habe", erzählt Arwood dem TV-Sender WBIR.

Vaters Waffe war griffbereit

Wieder einmal lenkt der Vorfall den Blick auf die lockeren Waffengesetze in den USA - so wie erst vor wenigen Tagen der Amoklauf einem College in Roseburg/Oregon. Hätte sich die Tat ereignet, wenn der Vater nicht im Besitz einer Waffe gewesen wäre. Wie kommt eigentlich ein Junge auf den Gedanken, auf ein Nachbarsmädchen zu schießen? Fragen, denen sich Amerika immer wieder aufs Neue stellen muss - und doch bisher keine Antwort findet.

lst/dho/AFP/DPA
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