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Polizei konnte nicht helfen: Wie ein Niederländer sein geklautes 12.500-Euro-Rennrad nach Monaten in Polen aufspürte

Er hatte kaum noch Hoffnung: Im Juni klauen Diebe Leslie Keijzer sein 12.500 Euro teures Rennrad. Auf die Hilfe der Polizei kann der 31-Jährige nicht bauen, also sucht er auf eigene Faust - und wird dank eines Tipps letztlich rund 900 Kilometer entfernt fündig.

Peter sagan Rennrad Special Edition - Diebstahl

Der glückliche Leslie Keijzer (rechts) und ein Freund stehen vor der Polizeiwache im polnischen Tarnowo Podgórne. In ihrer Hand: Das rund 12.500 Euro teure Rennrad aus der Peter-Sagan-Sonderedition.

Wem selbst schon mal ein hochwertiges Fahrrad gestohlen wurde, der kann sich - zumindest ansatzweise - vorstellen, wie sich Leslie Keijzer Mitte Juni gefühlt haben muss. Der Niederländer war damals mit Freunden zum Radfahren in der Region Limburg unterwegs, zwischen ihren Touren schlief die Gruppe in einem Hotel in Valkenburg. Das hatten offensichtlich auch Kriminelle mitbekommen, die eines nachts zunächst das Parkplatztor der Unterkunft knackten und danach den Van der Sportler ausräumten. Die Beute: sechs Rennräder - darunter Keijzers Luxusgefährt, eine Sonderedition des Rennboliden von Weltmeister Peter Sagan im Wert von rund 12.500 Euro.  

Dass Keijzer das sündhaft teure und mit allem Schnickschnack ausgestattete Rad seit letztem Wochenende wieder sein Eigen nennen darf, verdankt er neben seiner Hartnäckigkeit auch einer Facebook-Nachricht. Die Polizei nämlich konnte oder wollte dem 31-Jährigen nicht wirklich helfen, wie dieser der Zeitung "De Telegraaf" verriet.

Besitzer wendet sich verzweifelt an die Presse

So habe er den Diebstahl via Internetformular anzeigen müssen, weil es die Beamten trotz der Spuren am Tatort als nicht notwendig ansahen, persönlich vorbeizukommen, berichtet er. Keijzers Hoffnung schwindet so noch mehr, das Edelrad jemals wiederzubekommen. Also ergreift er selbst die Initiative. Neben eigenen Recherchen postet Keijzer auf seinen Social-Media-Kanälen Bilder des Rads und bittet um Hilfe bei der Suche. Sogar einen Finderlohn von 2000 Euro lobt er aus.

Parallel macht er seinen Fall in der Zeitung "De Telegraaf" öffentlich - für ihn der "letzte Strohhalm", wie er sagt. Und tatsächlich: Als Keijzer das Rad fast schon abgeschrieben hat, meldet sich ein Triathlet aus Polen per Facebook bei ihm. Der Mann gibt an, das Rad online bei einem Händler in Tarnowo Podgórne gekauft zu haben. Weil dem Mann der vereinbarte Preis von 5600 Euro jedoch zu niedrig erschien, stellte er Nachforschungen im Internet an und stieß so auf Keijzers Geschichte. Die beiden tauschen in weiteren Schreiben auch Fotos aus und so steht bald fest, dass sie vom selben Rad sprechen. Der Pole storniert den Kauf und erhält sein Geld zurück.

Peter-Sagan-Replik online zum Kauf angeboten

Keijzer wiederum wendet sich mit seinen Erkenntnissen erneut an die Polizei von Valkenburg mit der Bitte, die polnischen Börden zu informieren. "Aber anstatt angemessen zu intervenieren, wurde mir gesagt, dass sie nur einen Antrag auf Rechtshilfe in Erwägung ziehen würden", so der Niederländer im "De Telegraaf". Er muss das weitere Vorgehen also wieder selbst in die Hand nehmen. Der 31-Jährige kontaktiert die örtliche Polizei sowie die niederländische Botschaft - mit Erfolg. Der mutmaßliche Hehler wird ausfindig gemacht, das Rad sichergestellt. 

Keijzer erfährt einen Tag später davon - und sitzt kurz darauf gemeinsam mit einem Freund im Auto, um die Rennmaschine im rund 900 Kilometer entfernten Tarnowo Podgórne persönlich abzuholen. Dort habe er zwar noch einigen Verwaltungsaufwand hinter sich bringen müssen, inzwischen stehe das 12.500-Euro-Bike aber wieder in seinem Wohnzimmer in Ter Aar, so der erleichterte Keijzer gegenüber der Zeitung. "Ich bin sehr glücklich. Die Fahrt über jeweils 900 Kilometer hin und wieder zurück war es mehr als wert." Er habe einfach nicht warten wollen, bis die niederländische Polizei aktiv geworden wäre. 

Die Beamten aus Valkenburg gaben sich nach Keijzers "Fanhdungserfolg" eher schmallippig. Man freue sich für den Mann, "aber es ist auch klar, dass wir andere Regeln anwenden müssen." Mehr wolle man zu dem Fall nicht sagen.

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mod