HOME

16-Jähriger gesteht: Die Todesliste von Usedom

Er plante ein Schulmassaker wie das an der Columbine High School - nun hat die Polizei den 16-jährigen Schüler festgenommen. Auf seiner "Todesliste" standen 206 Namen.

Ein 16-jähriger Schüler auf der Ostseeinsel Usedom hat eine Todesliste mit den Namen von Lehrern und Mitschülern erstellt. In einem Jahrgangsbuch des Maxim-Gorki-Gymnasiums in Heringsdorf waren 206 Schüler und Lehrer der Klassen 5 bis 13 angekreuzt, teilte die Polizei am Freitag mit. Zu den Namen hatte der psychisch kranke Junge unter anderem "206 Kugeln" und "diese sterben" geschrieben.

Nach Angaben der Polizei war der Schüler am Dienstag in eine Nervenklinik in Ueckermünde eingewiesen worden. Dort habe er in einer Vernehmung gestanden, dass er die Tötung der Schüler und Lehrer geplant habe. Die Waffe dazu habe er sich "besorgen" wollen. Die Staatsanwaltschaft Stralsund nahm den Jugendlichen vorläufig fest und stellte einen Haftantrag. Diesen wies das zuständige Amtsgericht wegen der psychischen Erkrankung des Jugendlichen jedoch ab. Der Schüler sei in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden, sagte ein Polizeisprecher am Freitag.

Vier weitere Schüler hatten die Todeskandidaten mit ausgewählt

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Ralf Lechte, sagte der Nachrichtenagentur DPA, der Schüler habe recht deutliche Vorstellungen geäußert, wie er an eine Waffe kommen wollte. Der 16-Jährige sei aus derzeitiger Sicht strafrechtlich verantwortlich. Näheres müsse ein Gutachter klären.

Am Freitag hatte die Polizei vier weitere 16-jährige Schüler vorläufig festgenommen, darunter ein Mädchen. In den Vernehmungen räumten sie ein, sie hätten teilweise von der "Todesliste" gewusst und auch seien an der "Auswahl unliebsamer Schüler und Lehrer" beteiligt gewesen. Sie bestritten jedoch, die geplanten Handlungen ernst genommen zu haben. Die vier Schüler wurden nach den Vernehmungen wieder freigelassen.

Die Ermittlungen der Polizei - auch zum Motiv - dauern an. Weitere Hinweise erhoffen sich die Beamten aus der Auswertung von Computerdaten. Die Computer seien bei Hausdurchsuchungen sichergestellt worden. Am Maxim-Gorki-Gymnasium wurde ein schulpsychologischer Dienst eingerichtet.

DPA/AP / AP / DPA