VG-Wort Pixel

USA 23 Jahre nach der Tat: Polizei verhaftet Mutter eines toten Babys

Fünf Polizisten wurden wegen Totschlags angeklagt
Sehen Sie im Video: Anklage wegen Totschlags – 15-Jähriger legt Waffe nieder und wird von fünf Polizisten erschossen.




Fünf Polizeibeamte sind in den USA wegen Totschlags angeklagt. Ende November letzten Jahres erschießen sie einen 15-Jährigen nach einem Überfall auf eine Tankstelle. Die Staatsanwaltschaft von Oklahoma County hat nun erstmals Videomaterial vom Vorfall veröffentlicht. Das Video der Überwachungskamera zeigt, wie der Minderjährige seine Waffe fallen lässt und danach in seine Hosentasche greifen will. Daraufhin eröffnen mehrere Beamte das Feuer auf ihn. Später wird in der Hosentasche des Jungen sein Handy gefunden. Eine weitere Waffe trug er nicht bei sich. Die Autopsie ergibt, dass der Teenager 13 Mal in Kopf, Brust und andere Körperteile getroffen wurde. Die fünf Beamten, die die tödlichen Schüsse abgaben, müssen sich nun vor Gericht verantworten. Ihnen droht eine vierjährige bis lebenslängliche Freiheitsstrafe. Eine weitere Beamtin, die eine Waffe mit Gummigeschoss einsetzte, wird nicht angeklagt.  
Die Mutter des Opfers sagt gegenüber der New York Times: 
„Ich verteidige nicht, was er im Laden gemacht hat oder dass er überhaupt dort war. Aber niemand sollte für ein Verbrechen getötet werden, nicht für einen Raubüberfall.“ Die Beamten können sich nun einem Strafprozess stellen, „eine Möglichkeit, die sie meinem Sohn verwehrt haben.“ 
John George, ein Vertreter der Polizei in Oklahoma, sagt die fünf Angeklagten hätten gesetzeskonform gehandelt: 
„Beamte müssen innerhalb von Sekunden zwischen Leben und Tod entscheiden, darauf beruht ihr Training. Wenn ein bewaffneter Verdächtiger bei einem Überfall nicht den Aufforderungen der Polizei folgt, fühlen sich fünf Beamte gleichermaßen bedroht und feuern gleichzeitig ihre Waffen. Der Verlust eines Menschenlebens ist immer eine Tragödie und wir wissen, dass die Beamten ihre Waffen nicht leichtfertig einsetzten.“ John George, Präsident der Oklahoma City Fraternal Order of Police Lodge 123 ggü. New York Times 
Bis es zum Prozess kommt, kann es bis zu 18 Monate dauern. In den USA kommt es des Öfteren zu ähnlichen Fällen. Laut Studien werden die diensthabenden Beamten jedoch in den wenigsten Fällen verurteilt. 
Mehr
1997 wurde die Polizei zu einer Tankstelle in Lake City gerufen – ein totes Baby wurde im Mülleimer von Angestellten gefunden. Damals konnten lediglich DNA-Spuren gesichert werden. Dank neuer Analysetechniken wurde jetzt die verdächtige Mutter identifiziert und festgenommen.

"Baby Boy Doe" wurde es genannt. Ein unbekanntes Neugeborenes, das im November vor 23 Jahren tot in der Mülltonne bei einer Tankstelle gefunden wurde. Damals konnte die Polizei von Lake City, einem Stadtteil von Seattle, lediglich seinen Tod feststellen, berichtet die Seattle Times. Der zuständige Rechtsmediziner ermittelte, dass das Kind lebendig geboren wurde, weshalb die Polizei die Tat als Mord einstufte. Doch die Hinweise auf eine mögliche Verdächtige waren spärlich: Eine unbekannte DNA-Spur und die Kameraaufnahme der Tankstelle, auf der eine unbekannte Frau zu sehen war.

Neben dem tragischen Fund des Kindes machte der Fall damals lokale Schlagzeilen, weil die Polizei über Medienberichte versuchte, Hinweise auf die Identität der Frau zu erlangen. Die eintreffenden Hinweise führten jedoch zu keinem Ergebnis, weshalb der Fall nach einiger Zeit eingestellt wurde. 2018 nahm die Polizei den Fall wieder auf und konnte auf Basis von neuen DNA-Datenbanken die Mutter des Jungen identifizieren. Am Dienstag, 23 Jahre nach der Tat, wurde sie in Haft genommen.

Neu entwickelte Gentechnik identifizierte die Frau

Damals war die DNA-Analyse schlicht noch nicht so weit. Doch in den letzten 20 Jahren entwickelte sich die Gentechnik, mit der auch die Polizei arbeitet, massiv weiter. So konnte die Frau mit Hilfe der genetischen Genealogie gefunden werden.

Bei der genetischen Genealogie werden DNA-Profile des menschlichen Genoms analysiert, um eine mögliche Verwandtschaft oder eine Abstammung näher bestimmen zu können. Dieses Verfahren nutzte die Polizei von Lake City und lud das bis dahin unbekannte DNA-Profil auf einer öffentlichen Genealogie-Seite hoch. So konnten Hinweise auf die Eltern und damit auf mögliche Verdächtige gefunden werden. Mehrere mögliche DNA-Treffer wurden daraufhin mit den Fotos der Kameraüberwachung von damals abgeglichen. So konnte die Polizei die Mutter des Jungen identifizieren, die damals 27 Jahre alt war.

Wie die Polizei der Seattle Times sagte, wurde damals am Tatort Blut der Plazenta gefunden. Das wurde vom forensischen Kriminallabor zwar untersucht und führte auch dazu, dass von der Mutter des toten Babys ein DNA-Profil erstellt werden konnte. Doch konnte die DNA-Probe erst jetzt mit Hilfe dieses neuen Verfahrens zugeordnet werden.

Quellen: "The Seattle Times" / Seattle Police Department

mkb

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker