30 Jahre Haft Mächtigster Kokaindealer der Welt verurteilt


Der mutmaßlich mächtigste Kokainhändler der Welt, der Kolumbianer Juan Carlos Ramírez Abadía, ist in Brasilien zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Obwohl ihm im Drogenkrieg hunderte Morde angelastet werden, erging das Urteil jetzt nur wegen Geldwäsche, Bandenbildung und Bestechung.

Juan Carlos Ramírez Abadía musste sich vor einem Bundesgericht in São Paulo verantworten. Der Richter befand den 44-jährigen Drogenboss der Geldwäsche, Bandenbildung und Bestechung für schuldig. Er erließ eine Haftstrafe von 30 Jahren, fünf Monaten und 14 Tagen. Außerdem wurde der Chef des Drogenkartells Valle del Norte zu einer Geldstrafe von umgerechnet 1,6 Millionen Euro verurteilt.

Abadías Frau Jessica Rojas wurde zu elfeinhalb Jahren Haft und zur Zahlung von umgerechnet einer halben Million Euro verurteilt. Außer ihr waren acht weitere Menschen als Komplizen des Drogenbosses angeklagt worden.

Der kolumbianische Drogenboss soll unter anderem die Ermordung mehrerer Konkurrenten in Auftrag gegeben und in Kolumbien und den USA mehr als 300 Menschenleben auf dem Gewissen haben. Abadía wurde auch von der US-Antidrogenbehörde DEA gesucht. Sein Vermögen schätzt die US-Behörde auf 1,8 Milliarden Dollar (1,15 Milliarden Euro). Für Hinweise, die zu seiner Verhaftung führten, hatte die DEA fünf Millionen Dollar ausgesetzt.

In Luxuswohnung festgenommen

Abadía war im vergangenen August während einer landesweiten Razzia in einer Luxuswohnung in São Paulo gefasst worden. Dem Einsatz waren nach Polizeiangaben zweijährige Ermittlungen über ein Netzwerk vorausgegangen, das große Mengen Drogen in die USA und nach Europa lieferte. Mit Investitionen in Immobilien, Industrieunternehmen und Autokäufen wurde das Drogengeld den Ermittlungen zufolge gewaschen.

Zuvor hatte Abadía sich den amtlichen Erkenntnissen zufolge bereits drei Jahre lang in Brasilien aufgehalten und sich 78 Gesichtsoperationen unterzogen, um unerkannt zu bleiben.

Zweimal in Kolumbien verhaftet

Nach Erkenntnissen der US-Polizei war Abadía seit 1986 als Drogenhändler tätig. In den 90er Jahren soll seine Organisation über Mexiko Dutzende Tonnen Kokain in die USA gebracht haben. In Kolumbien wurde er bereits zweimal verhaftet. Zwischen 1996 und 2000 saß er in seinem Heimatland hinter Gittern.

Mitte März hatte das Oberste Gericht in Brasilien (STF) entschieden, dass Abadía an die USA ausgeliefert werden soll. Washington hatte im vergangenen Oktober einen Auslieferungsantrag gestellt. Richter Fausto de Sanctis, der den Kolumbianer jetzt verurteilte, sprach sich allerdings gegen die Auslieferung aus. Abadía solle für seine Verbrechen in Brasilien zahlen, forderte er.

Das letzte Wort in Bezug auf die Auslieferung hat nun gemäß brasilianischer Verfassung Staatschef Luiz Inàcio Lula da Silva. Die USA müssten sich vor der Auslieferung nach dem Urteil des STF jedoch dazu verpflichten, dass Abadía schlimmstenfalls zu der in Brasilien geltenden Höchststrafe von 30 Jahren Freiheitsentzug verurteilt werde.

DPA/AFP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker