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400 Kinder gerettet: Großeinsatz bei Polygamisten-Sekte

Mehr als 400 Kinder haben die Behörden im US-Staat Texas von dem Gelände einer Polygamisten-Sekte in Sicherheit gebracht. 133 Frauen hätten das Anwesen freiwillig verlassen. Die Religionsgemeinschaft steht im Verdacht, zahlreiche Mädchen sexuell missbraucht zu haben.

Bereits in der vergangenen Woche holten die Behörden Kinder und Frauen von der Ranch, ingesamt haben jetzt mehr als 400 Kinder das Anwesen der Sekte verlassen. Anlass für das Vorgehen der Behörden waren Informationen über einen 50-Jährigen, der illegal eine 16-Jährige geheiratet und mit ihr Geschlechtsverkehr gehabt haben soll. Das Mädchen soll vor einigen Monaten ein Baby geboren haben.

Die Ranch in El Dorado mit ihren riesigen Anlagen wurde von der Sekte im Jahr 2003 gekauft und seither von den Behörden beobachtet. Der Gründer der Kolonie in Texas, Warren Jeffs, gilt als Anführer einer fundamentalistischen Mormonensekte, die offen Vielweiberei (Polygamie) betreibt.

Sektenführer Jeffs, der von seinen Anhängern als Prophet betrachtet wird, wurde 2006 in Las Vegas verhaftet und im vergangenen Jahr wegen Beihilfe zu Vergewaltigung zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt. Er hatte ein 14-jähriges Mädchen verheiratet und zum Vollzug der Ehe mit ihrem 19 Jahre alten Cousin gezwungen. Die Richter sahen darin eine Beihilfe zur Vergewaltigung. Das Mädchen hatte in dem Prozess ausgesagt, Jeff habe ihr erklärt, ihre Seligkeit sei in Gefahr, falls sie die Ehe mit ihrem Cousin ablehne.

Sektenmitglieder dürfen drei Ehefrauen haben

Die Mormonen hatten die Polygamie bereits vor mehr als einem Jahrhundert abgeschafft. Die Sekte "Fundamentalistische Kirche der Heiligen der Letzten Tage" hatte sich von der offiziellen Mormonenkirche "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" abgespalten.

Mitglieder von Jeffs' fundamentalistischer Sekte leben in Utah, Nevada, Arizona, Texas, Colorado, South Dakota und British Columbia. Ihre Mitglieder dürfen bis zu drei Ehefrauen haben. Vor 55 Jahren gab es schon einmal eine Polizeirazzia gegen die Sekte in Colorado City.

Damals wurden 400 Anhänger des Glaubens vorübergehend festgenommen, darunter 236 Kinder. 150 dieser Kinder durften damals mehr als zwei Jahre lang nicht zu ihren Eltern zurückkehren. Der damalige Gouverneur von Arizona, Howard Pyle, machte sich jedoch mit der Aktion unbeliebt und wurde nicht wiedergewählt.

AP/AFP/DPA / AP / DPA