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50.000 Euro Entschädigung: Arzt filmt Mitarbeiterinnen beim Duschen

Sie hatten jahrelang keine Ahnung. Arglos stiegen die Helferinnen eines Zahnarztes aus Gera nach dem Dienst unter die Dusche. Was sie nicht wussten: Der Mediziner filmte sie dabei. Nun muss er zahlen.

In der Dusche und der Umkleidekabine hatte ein Arzt Kameras installiert und seine Mitarbeierinnen jahrelang gefilmt. Der Zahnarzt aus Thüringen hatte so nach und nach rund 7000 Filme aufgezeichnet. Jetzt muss er die Konsequenzen tragen und vier Frauen etwa 50.000 Euro Entschädigung zahlen. Darauf einigten sich beide Seiten vor dem Arbeitsgericht Gera. Vor fast einem Jahr waren die Frauen dem Geheimnis ihres Chefs auf die Schliche gekommen. Per Zufall, so schilderte es ihr Anwalt Stephan Brandner, fanden sie den Schlüssel zum sonst stets "hermetisch abgeriegelten" Büro. Dort flimmerten Live-Bilder aus ihrem Umkleideraum über den Bildschirm. Und das wohl schon mindestens seit Dezember 2007.

Richterin Birgit Seehafer sprach von einer schwerwiegenden Persönlichkeitsverletzung: "Eine Videoüberwachung in der Umkleide ist durch nichts, aber auch gar nichts gerechtfertigt." Sie betonte, dass eine der Betroffenen damals noch in der Ausbildung war und dadurch ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis bestanden habe. Der Arzt praktiziert derzeit weiter.

Mitarbeiterinnen mussten vollbekleidet duschen

Während der Gerichtsverhandlung wurden auch noch andere ungewöhnliche Praktiken in der Arztpraxis beschrieben. So schilderte der Rechtsanwalt Brandner Strafaktionen, bei denen der Zahnarzt die Mitarbeiterinnen voll bekleidet in die Dusche gesetzt hatte. Offenbar um hinterher beim Umziehen gewünschte Bilder für die Kamera zu bekommen. Zudem sei vorgekommen, dass der Arzt mit einem Bekannten im Büro verschwunden sei. Brandners Vermutung: Dort haben sie sich an den Bildern der nackten oder nur spärlich bekleideten Frauen ergötzt.

Der Zahnarzt selbst äußerte sich vor Gericht nicht selbst zu den Vorwürfen. Sein Anwalt Alexander Streibhardt räumte ein, dass die Videoüberwachung ohne das Einverständnis der Betroffenen nicht legitim gewesen sei. Allerdings versuchte er die Schwere der Vorwürfe etwas zu entkräften mit dem Hinweis, dass es generell im Miteinander in der Praxis "an notwendiger Distanz und Achtung untereinander" gefehlt habe.

Laut Staatsanwaltschaft dauern die Ermittlungen wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen an. Dafür sieht das Gesetz bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe vor. Vom Ausgang des Strafverfahrens will auch die Landeszahnärztekammer weitere Schritte gegen den Mann abhängig machen. Die Kammer hatte angekündigt, berufsrechtliche Schritte zu prüfen.

pas/DPA / DPA
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