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Moderne Sklaverei: 58-jähriger Mann war wohl 40 Jahre lang in einer Hütte eingesperrt

In Nordengland ist ein abscheulicher Fall der Freiheitsberaubung aufgedeckt worden. Spezialbeamte befreiten am frühen 3. Oktober einen Mann, der in eine baufällige Hütte gesperrt war. Vermutlich über 40 Jahre lang.

Aufnahmen der Hütte, in der das Opfer gefunden wurde

In Großbritannien vermutet die Gangmasters and Labour Abuse Authority (GLAA) einen Fall von moderner Sklaverei aufgedeckt zu haben. Das Opfer ist ein 58-jähriger Mann, der 40 Jahre lang in diesem Verschlag gelebt haben soll.

In Großbritannien gibt es eine eigene Regierungsbehörde, die sich ausschließlich mit Fällen der modernen Sklaverei beschäftigt. "Moderne Sklaverei existiert in verschiedenen Ausprägungen im gesamten Vereinigten Königreich", heißt es auf der Website der Gangmasters and Labour Abuse Authority (GLAA). Die Beamten helfen Menschen, die ausgebeutet oder missbraucht werden und sorgen dafür, dass die Opfer gerettet und mit jeder Hilfe unterstützt werden, die sie brauchen. Nördlich von Carlisle in der Grafschaft Cumbria in Nordengland halfen sie am frühen Morgen des 3. Oktober in einem besonders extremen Fall.

In einem Überraschungszugriff verschafften sich die GLAA-Ermittler Zutritt zu einer Holzhütte, um einen 58-jährigen Mann zu bergen. Das Opfer wurde von Traumaexperten befreit, um medizinisch untersucht und beurteilt zu werden. Parallel dazu nahmen die Beamten einen 79-jährigen Briten fest, der verdächtigt wird, den Mann 40 Jahre lang unter schockierenden Bedingungen in dem Verschlag gefangen gehalten zu haben.

NEWS UPDATE: GLAA officers have rescued a potential victim of #modernslavery who has been living in shocking conditions...

Gepostet von Gangmasters and Labour Abuse Authority am Mittwoch, 3. Oktober 2018

40 Jahre eingesperrt in einen winzigen Verschlag

Das baufällige, grün gestrichene Holzhaus von der Größe eines Gartenhäuschens war extrem spartanisch eingerichtet. Dem Opfer, von dem vermutet wird, dass es seitdem es 18 Jahre alt ist dort leben musste, standen lediglich ein notdürftiges Bett auf dem Boden, ein Stuhl, ein Fernseher sowie eine elektrische Heizung zur Verfügung. Kein Fenster, um für Tageslicht oder Frischluft zu sorgen.

Bei dem Einsatz wurde die GLAA von Spezialisten der Nationalen Kriminalitätsbehörde, der Polizei in Cumbria sowie dem Wohnungsamt unterstützt. Letztere ermitteln in möglichen Gesundheits- und Sicherheitsverstößen.

Moderne Sklaverei tritt vielfältig auf

Die GLAA wirbt auf ihrer Website dafür, sich bei dem kleinsten Verdacht an die Experten zu wenden. "Ihr Anruf könnte den Unterschied machen zwischen fortgesetzter Ausbeutung sowie einer Verschlechterung und einem Opfer, das gerettet wird und die Unterstützung bekommt, die es so dringend braucht."

Der Global Slavery Index schätzt, dass 2016 in Deutschland rund 167.000 Menschen unter Bedingungen der modernen Sklaverei gelebt haben. In dem Jahr deckte die Polizei 536 Fälle von Zwangsarbeit, illegaler Prostitution und Kinderarbeit auf.

Links: Horror-Haus von Amstetten Rechts: Gesicht von Josef Fritzl