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7. Prozesstag gegen Anders Behring Breivik: Polizei ging von zwei Attentätern aus

Verwirrung nach der Bombenexplosion in Oslo: Die Polizei suchte erst einen dunkelhäutigen Mann, dann zwei Täter. Zudem hätte das Regierungsviertel längst besser geschützt sein sollen.

Nach dem Bombenanschlag des norwegischen Rechtsextremisten Anders Behring Breivik im Osloer Regierungsviertel haben die Ermittler zunächst nach einem dunkelhäutigen Täter gefahndet. Nach Sichtung von Videos aus Überwachungskameras sei die Polizei im anfänglichen Chaos von einem Täter "mit brauner Haut" ausgegangen, sagte der Polizist Thor Langli am Dienstag im Prozess um den geständigen Attentäter. Langli hatte die erste Phase der Ermittlungen nach dem Anschlag geleitet.

Später hätten die Ermittler eine Zeit lang nach zwei Attentätern gefahndet, sagte Langli weiter. Ein Feuerwehrmann habe berichtet, einen "nordisch" aussehenden Mann in Polizeiuniform am Tatort gesehen zu haben. Daraufhin wurden alle Polizisten angewiesen, ihnen unbekannte Kollegen anzusprechen. Im äußersten Fall hätten sie auf Verdächtige auch schießen dürfen.

Umgebung glich nach Explosion einem "Kriegsgebiet"

Breivik hatte am 22. Juli 2011 eine 950 Kilogramm schwere Autobombe aus Kunstdünger in der Osloer Innenstadt gezündet. Acht Menschen starben, mehr als 200 Menschen wurden verletzt. Er habe mehr Opfer erwartet, hatte der geständige Attentäter bei seiner Befragung in der ersten Prozesswoche gesagt: "Das primäre Ziel war, die gesamte Regierung zu töten, inklusive den Staatschef."

Der Sicherheitsbeamte Inge Kristoffersen schilderte am Dienstag, wie er am 22. Juli von seinem Arbeitsplatz in einem Regierungsgebäude aus gerade das Kennzeichen eines Lieferwagens überprüfen wollte, als der von Breivik abgestellte Wagen in die Luft flog. Es habe sich nicht wie eine Explosion angehört, sondern wie ein "Brüllen", sagte Kristofferson. Die Umgebung habe nachher wie ein "Kriegsgebiet" ausgesehen. Der Sprengstoffexperte Svein Olav Christensen sagte, die Bombe habe eine Sprengkraft von zwischen 400 und 700 Kilogramm TNT gehabt. Breivik nutzte für die Herstellung Düngemittel, Diesel und Aluminium.

Regierungsgebäude waren kaum geschützt

Nach dem Anschlag wurde in Norwegen Verwunderung darüber geäußert, dass ein solches Fahrzeug so nahe an den Regierungsgebäuden geparkt werden konnte. Kristoffersen sagte, die seit langem geplanten Baumaßnahmen zur stärkeren Abriegelung des Gebiets seien damals gerade eingeleitet worden. Das unbefugte Abstellen von Fahrzeugen sei dort an der Tagesordnung gewesen.

Anfang der Woche hatte sich der geständige Massenmörder, der seit vergangener Woche in Oslo vor Gericht steht, bei einigen der Opfer der Bombenexplosion entschuldigt. Manche der Verletzten oder Toten im Osloer Regierungsviertel hätten keine Verbindung zur Politik und den Ministerien gehabt.

Breivik hatte im vergangenen Sommer insgesamt 77 Menschen getötet. Bei einem Amoklauf auf der Fjordinsel Utøya starben 69 Teilnehmer eines Sommercamps der Jugendorganisation der norwegischen Sozialdemokraten. Der 33-Jährige muss sich wegen Terrorismus und vorsätzlichen Mordes verantworten. Der Prozess soll insgesamt zehn Wochen dauern, das Urteil aber erst Mitte Juli gesprochen werden.

iml/DPA/AFP / DPA