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7,6 Millionen Euro veruntreut: Ehemaliger Kämmerer zu sechs Jahren Haft verurteilt

Ein ehemaliger Kämmerer der Evangelisch-Reformierten Kirche in Bayern hat 7,6 Millionen Euro an Kirchengeldern verspekuliert und muss deshalb für sechs Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Nürnberg-Fürth verurteilte den 68-Jährigen am Montag wegen Untreue in 61 Fällen.

Ein ehemaliger Kämmerer der Evangelisch-Reformierten Kirche in Bayern hat 7,6 Millionen Euro an Kirchengeldern verspekuliert und muss deshalb für sechs Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Nürnberg-Fürth verurteilte den 68-Jährigen am Montag wegen Untreue in 61 Fällen. Der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer hatte zugegeben, zwischen 2004 und 2008 unerlaubt größere Beträge vom Kirchenkonto abgezweigt zu haben, um damit private Geschäfte zu machen. Einen Teil des Geldes nutzte er auch zur Tilgung eigener Schulden.

Der Mann war fast 30 Jahre ehrenamtlicher Kassenwart für den Synodalverband. "Er ist vom getreuen Haushälter zum unnützen Knecht geworden", sagte der Vorsitzende Richter Dieter Weidlich. Da der 68-Jährige jahrelang gute Arbeit für die Kirche geleistet und das Vermögen vermehrt habe, habe er uneingeschränktes Vertrauen der Kirchenleitung genossen und sei regelrecht verehrt worden.

Dies, und die unzureichenden Kontrollmechanismen der Kirche, habe er eines Tages ausgenutzt. Ab 2004 habe der Kämmerer sich in verschiedene Projekte verzettelt, die ihm schließlich über den Kopf gewachsen seien, sagte Weidlich. "Er ist einer Selbstüberschätzung unterlegen."

Der Angeklagte hatte zum Prozessauftakt eingeräumt, den größten Teil des veruntreuten Kirchenvermögens in ausländische Unternehmensbeteiligungen investiert zu haben, etwa in eine türkische Firma zur Vermarktung von Müllverbrennungsanlagen oder Nachtspeicheröfen. Sicherheiten für eine Rückzahlung gab es nicht. Es sei aber stets sein Ziel gewesen, das Vermögen der Kirche zu mehren, hatte der Mann erklärt und um Verzeihung gebeten.

"Er hätte wissen müssen, wie er mit den Geldern umzugehen hatte", sagte Weidlich. Als gewissenhafter Rechner hätte er auf sichere Anlagen setzen und die Finger von hochspekulativen Anlagen lassen müssen. Der Kämmerer verwaltete seit 1980 ehrenamtlich die Finanzen der Evangelisch-Reformierten Kirche in Bayern. In dieser Funktion war er auch für die Buchhaltung der Gemeinden des Synodalverbandes zuständig. Seine Machenschaften flogen bereits Ende 2007 im Zuge einer internen Rechnungsprüfung auf. Allerdings versuchte die Kirchenleitung zunächst, die Sache intern zu bereinigen und schaltete einen Anwalt ein. Daher konnte der Angeklagte zunächst weiter in die Kasse greifen. Erst nach einer anonymen Anzeige Anfang Juni 2008 wurde er verhaftet.

Dem Urteil war eine Vereinbarung zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung vorausgegangen, die beide eine Haftstrafe von sechs Jahren beantragt hatten.

APD / APD
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