Abschiedsbriefe des Schützen von Landshut "Ich fühle mich nicht als Mörder"


Geplante Bluttat: Der 60-jährige Sportschütze Franz Josef N. hat nach Angaben der Polizei drei Abschiedsschreiben hinterlassen, in denen er Rache als Motiv für die Schüsse im Landshuter Landgericht angibt. In Bayern hat der Fall inzwischen eine Diskussion über die Sicherheit von Gerichtsgebäuden ausgelöst.

Kurz vor dem blutigen Familiendrama im Landshuter Landgericht mit zwei Toten hat der 60-jährige Koch Franz Josef N. drei Abschiedsbriefe verfasst. Die Ehefrau des Täters und ein weiterer Verwandter hatten die Schreiben am Dienstag nach der Tat in dem Haus in Dingolfing entdeckt.

In den Briefen rechnet der Mann, der als Sportschütze mehrere Waffen legal besaß, mit seinen Verwandten ab und kündigt eine Gewalttat an. Am 7. April erschoss er eine 48 Jahre alte Schwägerin und sich selbst. Eine weitere Schwägerin wurde durch einen Querschläger verletzt. Ein Rechtsanwalt erlitt einen Lungendurchschuss, schwebt allerdings nicht in Lebensgefahr. Der Täter hatte mindestens sieben Mal gefeuert.

Hintergrund der Tragödie ist nach bisherigen Ermittlungen ein jahrelanger Erbstreit zwischen Geschwistern. Ein Zivilrichter des Landgerichtes wollte in dem Prozess eine gütliche Einigung zwischen den Parteien erreichen. In einer Verhandlungspause kam es dann im Gerichtsflur zwischen den Verwandten zu einem Disput, in dessen Folge der 60-Jährige seinen Revolver zog. "Es war aber sicherlich keine Spontantat", meinte der ermittelnde Staatsanwalt Ralph Reiter. In der Familie habe es schon länger gebrodelt. Es könne aber nur darüber spekuliert werden, wann sich Franz Josef N. letztlich zu der Bluttat entschlossen habe.

"Heute ist wohl mein letzter Morgen"

In einem der Briefe, die er in mehreren Kopien zu Hause hinterlegt hatte, beklagt sich der Schütze über angeblich jahrzehntelangen Terror seiner Verwandten. "Heute ist wohl mein letzter Morgen. Ich fühle mich nicht als Mörder, wenn es passiert", heißt es. Er wolle die Verwandtschaft für ihr Verhalten bestrafen. "Ich zahle dafür den höchsten Preis: mit meinem Leben", schrieb er.

Die Polizei betonte, dass es sich nicht um einen Amokfall gehandelt habe. Angehörige von Franz Josef N. hätten die Abschiedsbriefe am Dienstag zunächst Medien übergeben. Erst später habe die Polizei die Briefe bekommen, prüfen und als echt bestätigen können, sagte Mayer. Der Gesundheitszustand des angeschossenen Rechtsanwalts und der zweiten Schwägerin habe sich stabilisiert, sagte der Polizeisprecher. Sie würden in einem Landshuter Krankenhaus behandelt.

Justizministerin will Sicherheitsschleusen in Gerichten

Der Fall hat unterdessen zu einer breiten Diskussion über die Sicherheit der Gerichtsgebäude geführt. Die bayerische Justizgewerkschaft forderte schärfere Kontrollen an den Zugängen der Gerichte. Der Vorsitzende Hans-Joachim Freytag sagte dem Bayerischen Rundfunk, dass auch kleinere Amtsgerichte mit Sicherheitsschleusen ausgestattet werden sollten. Die bayerische SPD-Landtagsfraktion verlangte ebenfalls die Anschaffung zusätzlicher Metalldetektoren für die Justizgebäude.

Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) kündigte als Reaktion auf die Schüsse in Landshut an, künftig verstärkt solche Schleusen einzusetzen. FDP-Landeschefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger warnte die CSU hingegen vor "Oster-Aktionismus". Falls es Versäumnisse gebe, hätten die Christsozialen diese längst abstellen können, sagte sie der "Passauer Neuen Presse".

Auch der bayerische Landesverband der Deutschen Polizeigewerkschaft lehnt verstärkte Kontrollen in den Gerichten als "überzogen" ab. "Der Schütze von Landshut hätte auch außerhalb des Gerichtsgebäudes zuschlagen können", meinte der Landesvorsitzende Hermann Benker.

DPA/AP AP DPA

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