Abzocke von Krebspatienten Essener Starchirurg muss drei Jahre ins Gefängnis


Er bestritt bis zuletzt sämtliche Vorwürfe. Dennoch hat das Landgericht Essen den früheren Chefarzt der Essener Uni-Klinik, Christoph Broelsch, zu drei Jahren Haft verurteilt. Broelsch soll todkranke Krebspatienten für eine Behandlung zu "Geldspenden" genötigt haben.

Starchirurg Christoph Broelsch ist vom Landgericht Essen wegen Bestechlichkeit, Nötigung, Betrug und Steuerhinterziehung zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt worden. Die Staatanwaltschaft hatte für den als "Leberpapst" gefeierten, früheren Chefarzt des Essener Uni-Klinikums sogar vier Jahre Gefängnis gefordert, weil er todkranke Krebspatienten zu Geldspenden genötigt haben soll. Der Vorsitzende Richter sagte am Freitag in der Urteilsbegründung: "Bei den 'Spenden' handelte es sich nicht um freiwillige Leistungen aus Dankbarkeit. Es waren vielmehr ultimative Geldforderungen für eine Operation."

Das Gericht sah es nach der umfangreichen Beweisaufnahme in seinem Urteil als erwiesen an, dass sich der Transplantationsexperte in 30 Fällen der Bestechlichkeit schuldig machte, davon in drei Fällen in Tateinheit mit Nötigung sowie in einem Fall in Tateinheit mit Betrug. Außerdem verurteilte das Gericht den Mediziner wegen Betruges in acht Fällen und wegen Steuerhinterziehung in zwei Fällen.

Richter: Broelsch mangelt es an Unrechtsbewusstsein

Im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft plädierte der Verteidiger des Mediziners auf Freispruch. Broelsch selbst wies sämtliche Vorwürfe auch in seinem Schlusswort noch entschieden zurück. Das Gericht hatte dazu festgestellt, die Behauptung des Angeklagten, er habe niemals Spenden gefordert, sondern nur darum gebeten, sei von der Realität weit entfernt. Der Vorsitzende Richter bescheinigte Broelsch ein "fehlendes Unrechtsbewusstsein".

Der Staatsanwalt hatte in seinem Schlussplädoyer erklärt, Broelsch sei für viele Patienten der letzte Strohhalm gewesen. Das habe er schamlos ausgenutzt. Die Patienten hätten sich das Leben bei ihm erkaufen und als Gegenleistung für eine zeitnahe und von ihm durchgeführte Operation eine "Geldspende" leisten müssen. Der Mediziner habe eigensüchtig und aus bloßer Geldgier gehandelt, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer.

AP AP

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