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Acht Kinder mit der Stieftochter Entsetzen im Westerwald


Jahrelang soll ein Familienvater seine eigene Tochter und zwei Stiefkinder sexuell missbraucht haben. Mit seiner Stieftochter zeugte er angeblich acht Kinder. Einige Menschen sollen etwas geahnt haben - doch keiner hat etwas unternommen.

Erst ein Brief beendete den Horror im beschaulichen Westerwald: Acht Kinder soll ein 48 Jahre alter Mann aus dem Dorf Fluterschen mit seiner Adoptivtochter gezeugt haben. Außerdem soll er die 28-Jährige und seine eigene Tochter über Jahre hinweg missbraucht und an fremde Männer für sexuelle Dienste verkauft haben.

Die "Rhein-Zeitung" berichtete als erste über den grausigen Fall, der böse Erinnerungen an den österreichsischen Inzest-Skandal um Josef Fritzl weckt und den die Behörden aus Rücksicht auf die Opfer nicht an die Öffentlichkeit bringen wollte. Der Abschiedsbrief der Tochter, der alles Jahre später ans Licht brachte, war an den Vater gerichtet. Das Mädchen war nun 18 Jahre alt und konnte endlich aus dem Haus ausziehen. "Doch vorher wollte sie noch klar Schiff machen", sagt ihre Anwältin Sandra Buhr. Der Brief kam nie beim Vater an - vorher fand ihn die 28 Jahre alte Stiefschwester beim Aufräumen. Selbst vom Terror der vergangenen Jahrzehnte gezeichnet, leitete sie den Brief ans Jugendamt weiter und brachte Buhr zufolge damit den Stein ins Rollen.

Jugendamt ließ sich abwimmeln

"Das waren wohl nicht die feinsten Leute", sagt ein Nachbar. Das Dorf ist klein, nur etwa 750 Menschen leben hier. Man kennt sich. Die Gerüchteküche brodelte immer wieder. Der Lokalzeitung sagen einige Bewohner, dass sie etwas geahnt hätten. Die Kinder der 28-Jährigen hätten wie Klone des Stiefvaters ausgesehen, berichteten Einwohner Medienberichten zufolge. Im Kindergarten will niemand dazu Stellung beziehen. "Kein Kommentar", heißt es dort nur knapp.

Das Jugendamt betreute die 28-Jährige mit ihren sieben Kindern - mindestens einmal wöchentlich schaute eine Mitarbeiterin vorbei. "Die junge Frau war teilweise überfordert", sagt Hermann-Josef Greb, der Leiter des zuständigen Jugendamtes, rückblickend. Immer wieder habe die Mitarbeiterin nachgefragt, ob der Stiefvater der Vater der Kinder sei. "Das Opfer hat das jeweils abgestritten und erklärt, da sei nichts dran, das seien Unterstellungen." Später präsentierte die Familie sogar einen Mann, der die Vaterschaft anerkannt hatte. Mittlerweile fechte er diese jedoch wieder an.

"Wehren half nichts, sie haben sich ihm gebeugt"

Auch die Polizei kam nicht weiter. Einmal sollen die Beamten dem Jugendamtsleiter zufolge sogar einen Tipp aus dem direkten Umfeld der Familie bekommen haben. Doch die Blockadehaltung der Eltern und der Kinder sowie die entlastenden Aussagen der mutmaßlichen Opfer ließen alle Ermittlungen im Sande verlaufen.

Der Vater habe die gesamte Familie terrorisiert, begründet die Anwältin der Adoptivtochter, warum die gesamte Familie sich nicht gewehrt hat. "Er hatte enormen Druck auf die Familie ausgeübt. Er hatte die ganze Familie so im Griff, dass sie letztendlich das getan haben, was er wollte", sagt Katharina Hellwig. "Wehren half nichts, sie haben sich ihm gebeugt."

Nun muss sich der mutmaßliche Vergewaltiger der Justiz beugen. Bislang streitet er seinem Verteidiger zufolge die Tat ab. Laut Gericht liegt aber ein DNA-Gutachten vor. Darin kämen die Experten zu dem Schluss, dass die Vaterschaft von sieben Kindern mit 99,99 Prozent "praktisch erwiesen" sei. Die Staatsanwaltschaft fordert Sicherungsverwahrung, die Anwälte der missbrauchten Kinder schließen sich an. Sandra Buhr, Anwältin der 18 Jahre alten Tochter: "Mein Wunsch für alle Opfer wäre, dass der sich hinstellt und gesteht. Und damit den Opfern die Aussage erspart."

Christiane Gläser, DPA DPA

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