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Frankfurter Landgericht Achtjährigen vor ICE gestoßen: Täter muss in die Psychiatrie

Im Prozess um die tödliche Gleisattacke am Frankfurter Hauptbahnhof ist das Urteil gefallen
Blumen, Stofftiere und Karten am Tatort: Im Prozess um die tödliche Gleisattacke am Frankfurter Hauptbahnhof ist das Urteil gefallen
© Arne Dedert
Ein Mann stößt eine Mutter und ihren Sohn vor einen einfahrenden Zug, das Kind stirbt. Die Tat hat im vergangenen Sommer das ganze Land erschüttert. Jetzt ist am Frankfurter Landgericht das Urteil gefallen.
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Der Beschuldigte im Verfahren um den tödlichen Stoß eines Jungen vor einen ICE wird in eine Psychiatrie eingewiesen. Das entschied das Landgericht Frankfurt am Main am Freitag. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der Mann Ende Juli 2019 den Achtjährigen und dessen Mutter im Frankfurter Hauptbahnhof vor den einfahrenden Zug gestoßen hatte, wobei der Junge starb, während die Mutter sich in letzter Sekunde retten konnte. Das Gericht wertete die Tat als Mord und im Fall der Mutter als versuchten Mord.

"Er hat völlig fremde Menschen attackiert"

Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung hatten sich in ihren Plädoyers für eine dauerhafte Unterbringung des Beschuldigten in einer Psychiatrie ausgesprochen. Zuvor war aus dem Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen hervorgegangen, dass der heute 41-Jährige eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle. Nach Einschätzung des Experten ist der Mann schuldunfähig. Der Meinung schloss sich das Gericht an.

Der Familienvater aus Eritrea war nach der Tat im Sommer 2019 außerhalb des Bahnhofs festgenommen und später in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht worden. Die Eltern des getöteten Jungen aus dem Hochtaunuskreis treten als Nebenkläger auf. Ebenso wie eine heute 79-Jährige, die der Mann ebenfalls gestoßen haben soll. Die Seniorin stürzte auf den Bahnsteig und wurde verletzt.

"Er hat völlig fremde Menschen attackiert", erklärte der Sachverständige. Zum Tatzeitpunkt habe eine paranoide Schizophrenie in akuter Form vorgelegen. Der Oberarzt in der Psychiatrie, in der sich der Beschuldigte aktuell aufhält, berichtete, der Mann habe sich im jenen Zeitraum verwirrt und computergesteuert gefühlt.

Der Beschuldigte hatte mehrere Jahre als anerkannter Flüchtling mit seiner Frau und drei kleinen Kindern in der Schweiz gelebt - er galt als gut integriert. Doch dann kam es zu psychischen Problemen, er hörte Stimmen, fühlte sich bedroht.

mad DPA AFP

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