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Ärger um Orientteppich: Der Preis des Persers

7,2 Millionen statt 900 Euro: Bei einer Auktion in London erzielte ein Teppich einen Rekordpreis - sehr zum Ärger seiner früheren Besitzerin.

Den teuersten Teppich der Welt im Keller und trotzdem keine Millionen auf dem Konto - so ging es einer Frau aus dem Raum Starnberg. Die Frau hatte einen uralten Perserteppich aus dem 17. Jahrhundert geerbt und bot das alte Stück einem Auktionshaus an. Der Auktionator warf einen kurzen Blick auf den Orientteppich und schätzte ihn auf 900 Euro. Die Frau war damit zufrieden und überließ dem Augsburger Auktionshaus den Läufer zur Versteigerung.

Zunächst hatte sie auch allen Grund zur Freude: Anders als zunächst geschätzt, brachte ihr die Versteigerung des Orientteppichs 19.000 Euro ein. Doch die gute Stimmung währte nicht lange: Über Umwege landete der Perserteppich im Londoner Auktionshaus Christi's, wo er dem Anbieter den Rekorderlös von 7,2 Millionen Euro bescherte.

Die Fehleinschätzung hatte ein Nachspiel: Die ursprüngliche Besitzerin zog vor das Augsburger Landgericht und verklagte das Auktionshaus auf 350.000 Euro Schadensersatz. Der Vorwurf: Der Versteigerer habe sich den Teppich überhaupt nicht richtig angeschaut. Auch bei anderen Stücken habe er "im Sekundentakt" gearbeitet. "Das ging zack, zack" erzählt sie. Ihrer Ansicht nach hätte er Nachforschungen anstellen und erkennen müssen, dass es sich um einen außergewöhnliche wertvollen Teppich handelt. Später stimmte die Klägerin dann einem vorgeschlagenen Vergleich mit einer Zahlung von 100.000 Euro zu. Da machte jedoch der Angeklagte nicht mit: Wenn er dies zahle, könne er sein Geschäft dicht machen, so die Begründung.

Fehlurteil könnte weiter für Ärger sorgen

Für den hohen Wert des Vasenteppichs aus dem 17. Jahrhundert gibt es mehrere Gründe: Neben seinem hohen Alter und seiner Herkunft aus der persischen Provinz Kerman sind es die hohe Zahl an Knoten und die Tatsache, dass der Teppich einst im Besitz der Comtesse de Béhague, einer bedeutenden Kunstsammlerin, gewesen sein soll, die den Läufer so wertvoll machen.

Am Freitag wies das Gericht die Klage der formaligen Teppichbesitzerin ab. Begründung: Aus Sicht der Richter liegt keine Pflichtverletzung des Auktionators vor. Bei der Wertermittlung habe dessen Mitarbeiter auch in Fachbüchern nach dem Teppich gesucht, dort sei dieser aber nicht aufgeführt gewesen. Ein spezielles Gutachten habe der Auktionator nicht einholen müssen. Der Anwalt der glücklosen Erbin, Dr. Hannes Hartung, ist von dem Urteilsspruch überrascht. In der Begründung sei der Hauptanklagepunkt seiner Mandantin gar nicht zur Sprache gekommen, moniert er. Dieser sei gewesen, dass der Auktionator seiner Mandantin nicht mitgeteilt hätte, dass er gar nicht wisse, was er da eigentlich vor sich habe. Das hatte der Angeklagte erst vor Gericht eingeräumt. Nach Meinung des Juristen wäre der Versteigerer verpflichtet gewesen, die Klägerin über seine fehlende Sachkenntnis zu informieren.

Kommende Woche wird das vollständige Urteil vorgelegt. Dann will Hartung prüfen, ob der Anklagepunkt in der Schrift Erwähnung findet. Wenn nicht, werde er seiner Mandantin empfehlen, in Berufung zu gehen.

Von Rebecca Brockmeier mit Agenturen
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