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Affäre um Treberhilfe-Chef: Was kostet ein gebrauchter Maserati?

Was für eine Posse: Da fährt der Obdachlosen-Helfer und Sozialunternehmer Ehlert mit einer Luxus-Karosse durch Berlin. Zur Rede gestellt, verscherbelt er den Wagen für 30.000 Euro. Der Aufsichtsrat muss jetzt dringend klären, ob der "Sozialmaserati" nicht mehr wert war.

Von Werner Mathes

Sein Dienstwagen sei "ein staatlich anerkanntes und als gemeinnütziges Eigentum legitimiertes Fahrzeug, das weder durch Spenden noch durch öffentliche Zuschüsse finanziert ist", versicherte Harald Ehlert noch am Montag dem stern. Und gab bekannt, was er Stunden später auf einer Pressekonferenz vor laufenden Kameras wiederholte: dass man das Gefährt als "Transparenz-Mobil" umnutzen wolle und damit interessierte Einheimische und Touristen zu verschiedenen sozialen Einrichtungen kutschieren werde, um ihnen Einblick in die Arbeit seiner und anderer Organisationen zu verschaffen. 100 bis 150 Euro sollte eine solche Stadtrundfahrt einbringen und damit das Auto auch noch selbst finanzieren.

Das Auto, um das es hier geht, ist ein Maserati Quattroporte mit über 400 PS und einem Neuwert von 114 000 Euro. Auf dessen Rückbank ließ sich Ehlert, Chef der gemeinnützigen GmbH Treberhilfe Berlin, gern von Termin zu Termin chauffieren - bis vergangene Woche die "Maserati-Affäre" Schlagzeilen machte und die Treberhilfe, die sich mit 280 Mitarbeitern in über zwei Dutzend Wohn- und Hilfsprojekten um die Ärmsten der Armen kümmert und damit allein im vergangenen Jahr einen Umsatz von 15 Millionen Euro erzielte, in Misskredit brachte.

"Mir werden Rasierklingen an den Ellbogen wachsen"

Schon am Dienstag war von Stadtrundfahrten im "Sozialmaserati" keine Rede mehr, der "Sozialkapitalist" Ehlert musste die Notbremse ziehen. Und verkaufte den Luxusschlitten kurzerhand an einen Potsdamer Autohändler - für 30.000 Euro. Offenbar hatte sich das Diakonische Werk Berlin eingeschaltet, wo die Treberhilfe wie viele andere soziale Träger Mitglied ist, und dem Rummel des Paradiesvogels ein Ende bereitet.

Ehlerts Treberhilfe steht nun unter verschärfter Beobachtung: Ein Aufsichtsrat, dem auch Diakonie-Vorstand Thomas Dane angehört, soll dem umtriebigen Ehlert ab sofort auf die Finger schauen. Dass er sich dafür gerüstet fühlt, hat Dane schon angedeutet: "Mir werden im Zweifelsfall Rasierklingen an den Ellbogen wachsen."

Über Nacht verscherbelt

Und die sollte er schon mal ausfahren. Denn wie, bitte schön, kann es möglich sein, einen gebrauchten Maserati binnen kürzester Frist, quasi über Nacht, zum bestmöglichen Preis zu veräußern? Jeder Privatmensch, der seinen Gebrauchten verkaufen will, weiß, dass er dafür mindestens ein paar Tage braucht - um Angebote einzuholen, abzuwägen, zu verhandeln und schließlich zu unterschreiben. Aber Harald Ehlert hat nicht seinen privaten Jaguar verscherbelt, sondern "gemeinnütziges Eigentum", wie er selbst angibt. Eigentum also, mit dem verantwortungsvoll umgegangen werden muss. So, wie es jetzt aussieht, hat der beim erstbesten Angebot eingeschlagen, um das verdammte Ding endlich von der Backe zu haben.

Oder hat er es hier auch wieder nicht so genau genommen? Denn der Maserati war nicht geleast, wie es Ehlert anfangs dargestellt hatte, sondern mittels eines Mietkauf-Vertrages angeschafft worden. Hat er möglicherweise diesen Vertrag nur vorzeitig aufgelöst und den Wagen wieder zurückgegeben? Dann hätte er ihn allerdings nicht für einen angemessenen Zeitwert von 30.000 Euro verkaufen können, wie er selbst sagt. Eine Frage, die nun umgehend der neue Aufsichtsrat klären muss.

Berliner Senatsverwaltung ist aufgewacht

Auch die Berliner Senatsverwaltung für Soziales ist nun - Maserati sei Dank - aufgewacht und will die Abrechnungen öffentlicher Mittel durch die Treberhilfe genauestens überprüfen. Wenn Ehlerts gemeinnützige GmbH nämlich eine "Umsatzrentabilität" von fast 10 Prozent erzielt, müssten die Kostensätze - zum Beispiel für die Unterbringung von Obdachlosen - überprüft werden.

Denn mit diesen Überschüssen, auch wenn sie vorrangig wieder in gemeinnützige Projekte investiert werden, ist schließlich auch mal Ehlerts Dienst-Maserati angeschafft worden. Und andere Fahrzeuge, wie die zwei BMW-Geländewagen. Ehlert selbst wird demnächst wohl in einem Peugeot 206 Platz nehmen müssen.

So einen fährt auch sein Aufsichtsrat Thomas Dane.

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