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Sechsjährige zwangsverheiratet Vater verkaufte Tochter an muslimischen Kleriker - für zwei Ziegen

In Afghanistan werden 15 Prozent der Mädchen noch vor ihrem 15. Geburtstag zwangsverheiratet (Symbolbild)
In Afghanistan werden 15 Prozent der Mädchen noch vor ihrem 15. Geburtstag zwangsverheiratet (Symbolbild)
© Jean Nordmann/iStockphoto.com
Zwei Ziegen, eine Packung Mehl und ein Töpfchen Butterschmalz - diesen Preis war einem Vater aus Afghanistan seine Tochter offenbar wert. Dafür verkaufte er sein Kind an einen Geistlichen. 

In der vergangenen Woche sorgte eine Festnahme in Afghanistan weltweit für Schlagzeilen: In der Provinz Ghor wurde ein Mann verhaftet, der ein sechsjähriges Mädchen geheiratet hatte. Die Eltern des Kindes behaupteten, dass der Mullah Mohammad Karim ihre Tochter entführt hätte. Doch jetzt legte der Vater ein Geständnis ab: Er hatte das Kind an den Kleriker verkauft.

"Ich habe ihm meine Tochter überlassen. Dafür gab er mir eine Ziege, ein Ziegen-Baby, eine Packung Mehl und ein Töpfchen Butterschmalz", zitiert der afghanische Nachrichtensender Tolo News den Vater. Der Kleriker bestätigte die Angaben des Vaters.

Täter sprach von "religiöser Opfergabe"

Nach seiner Festnahme am vergangenen Mittwoch hatte er zunächst behauptet, dass das Kind ihm als "religiöse Opfergabe" geschenkt worden war. "Das Mädchen wurde mir als Geschenk überreicht und wir heirateten, damit ich es großziehen kann", hatte Karim gegenüber der Rundfunkgruppe "Radio Free Europe", einer vom US-Kongress finanzierten Anstalt, erzählt. 

"Der Mann sagte aus, dass die Mutter und der Vater des Mädchens die Hochzeit abgesegnet haben", hatte der stellvertretende Polizeichef von Ghor laut "Radio Free Europe" berichtet. Die Eltern des sechsjährigen Mädchens hatten jedoch Karims Darstellung bestritten und sprachen von einer Entführung.

Menschenrechtsaktivisten wollen gegen Behörden vorgehen

Wie eine medizinische Untersuchung gezeigt hat, wurde das Kind zumindest physisch während der Zwangsehe mit dem 60-jährigen Kleriker nicht misshandelt. Doch die Sechsjährige steht offenbar unter Schock. "Das Mädchen spricht nicht. Sie wiederholt immer nur: 'Ich habe Angst vor diesem Mann'", sagte die Leiterin der Frauenabteilung von Ghor, Masooma Anwar, dem britischen "Independent".

Unterdessen kündigten Menschenrechtsaktivisten an, gegen die zuständigen staatlichen Behörden in Ghor vorgehen zu wollen, sollten sie der steigenden Zahl an Gewalttaten gegenüber Frauen und Kindern keinen Einhalt gebieten, berichtet Tolo News.  "Frauen werden verbrannt, sie begehen Selbstmord, werden zu Tode gesteinigt und erschossen. Wir werden das nicht mehr tolerieren", sagte die Aktivistin Latifa Madadi dem Nachrichtensender. "Wir werden gegen die Nachlässigkeit der lokalen Regierung vorgehen, sollten die Täter nicht bestraft werden."

Ellen Ivits

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