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Afghanistan: Gefangenenbesuche per Videoschaltung

Es ist eine Weltpremiere: Aus dem Büro des Komitees des Internationalen Roten Kreuzes in Kabul können Familien zukünftig per Videokonferenz Kontakt mit ihren Angehörigen aufnehmen, die unter Terrorverdacht im US-Gefangenenlager Bagram einsitzen.

Dutzende afghanische Familien haben erstmals seit Jahren mit ihren unter Terrorverdacht im US-Gefangenenlager Bagram internierten Angehörigen sprechen können. Wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) am Montagabend in der Hauptstadt Kabul mitteilte, hätten in den vergangenen Tagen mehr als 80 Familien bei Videokonferenzen Kontakt zu ihren inhaftierten Verwandten aufgenommen. Es sei das weltweit erste System dieser Art, sagte der Chef der IKRK-Delegation in Afghanistan, Reto Stocker.

Kooperation mit dem US-Militär

Die Technik wurde den Angaben zufolge vom Roten Kreuz und vom US- Militär bereitgestellt. Sie soll Häftlingen und Familien dabei helfen, ihre sozialen Kontakte wieder herzustellen. In den kommenden drei Monaten könnten bis zu 650 Familien von dem Angebot Gebrauch machen, teilte Stocker mit. Zudem werde das IKRK Afghanen aus anderen Landesteilen finanziell unterstützen, so dass sie auch in die Hauptstadt reisen und vom Kabuler IKRK-Büro aus per Videoschaltung mit ihren Angehörigen in Bagram sprechen können.

Gefangenenlager Bagram: groß und berüchtigt

Nach dem Sturz der radikalislamischen Taliban Ende 2001 hatten die US-Streitkräfte hunderte Afghanen unter dem Verdacht festgenommen, Angehörige der Extremisten oder Mitglieder des Terrornetzwerks El Kaida zu sein. Auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Bagram befindet sich eines der größten Gefangenenlager. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat wiederholt von Misshandlungen, Folter und Tötungen in diesem Lager berichtet. Viele Gefangene in Bagram sind nie von einem ordentlichen Gericht verurteilt worden.

DPA / DPA