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Afghanistan: US-Soldat von Taliban-Kämpfern getötet

Nach dem Verschwinden von zwei US-Soldaten in Afghanistan haben sich die radikalislamischen Taliban am Sonntag dazu bekannt, einen der beiden getötet und den anderen entführt zu haben.

Taliban-Kämpfer haben in Afghanistan offenbar zwei US-Soldaten überfallen, einen von ihnen getötet und seinen Kameraden gefangengenommen. Über Vermittler boten sie an, die Leiche des Amerikaners gegen inhaftierte Gesinnungsgenossen auszutauschen. Die NATO-Schutztruppe ISAF bestätigte am Sonntag, dass zwei US-Soldaten in der Provinz Logar vermisst werden. Nach ihnen wurde mit einem Großaufgebot gesucht.

Was die beiden Angehörigen der US-Marine in Logar vorhatten, blieb unklar. Einer ISAF-Stellungnahme zufolge hatten sie ihren Stützpunkt in Kabul am Freitagnachmittag in einem Geländewagen verlassen, waren aber nicht zurückgekehrt. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte der Nachrichtenagentur AP, sie seien in eine von den Aufständischen kontrollierte Gegend gefahren. Bei einem kurzen Feuergefecht sei ein Amerikaner getötet und der andere gefangengenommen worden. Beide seien an einen "sicheren Ort" gebracht worden und befänden sich "in den Händen der Taliban".

Der Chef der Provinzverwaltung, Abdul Wali, sagte, die Behörden hätten die Taliban aufgefordert, zunächst über den noch lebenden Soldaten zu verhandeln. Die Aufständischen hätten geantwortet, darüber müssten sie erst mit ihren Kommandeuren sprechen. Wali vermutete, dass sich die Amerikaner möglicherweise verfahren hatten und so in den gefährlichen Bezirk Charch geraten waren.

Ein Sprecher des Gouverneurs von Logar zeigte sich irritiert darüber, dass die beiden ihren Stützpunkt verlassen hatten, ohne wie üblich die afghanischen Sicherheitskräfte in Kenntnis zu setzen. US-Generalstabschef Mike Mullen, derzeit auf Besuch in Afghanistan, sprach von "ungewöhnlichen Umständen", ohne dies näher auszuführen.

Eine großangelegte Suchaktion sei eingeleitet, sagte Mullen. Fahrzeuge und Hubschrauber schwärmten aus. In Radiospots bot die ISAF 20.000 Dollar Belohnung für Hinweise auf den Aufenthaltsort der Vermissten.

Bereits seit gut einem Jahr haben die Taliban einen weiteren US-Soldaten in ihrer Hand, der am 30. Juni 2009 in der benachbarten Provinz Paktika verschwunden war. Seitdem war er immer wieder auf Videos zu sehen, die die Taliban im Internet veröffentlichten.

Im Süden Afghanistans wurden am Samstag fünf US-Soldaten bei Bombenanschlägen getötet. Allein im Juli sind damit 75 Angehörige der internationalen Streitkräfte ums Leben gekommen, darunter mindestens 56 US-Soldaten.

Erneut wurden bei Kämpfen in der Region auch Zivilisten verletzt. Ein Augenzeuge sagte, er habe sieben Kinder ins Krankenhaus gebracht, die in Sangin in der Provinz Helmand bei Gefechten zwischen ISAF-Truppen und Taliban verletzt worden seien. Ein anderer Mann sagte, auch er habe Verletzte aus Sangin gebracht. Dorfbewohner seien mit weißen Fahnen auf die ISAF-Soldaten zugegangen, seien aber dennoch beschossen worden. Zwei Menschen seien ums Leben gekommen. Die ISAF erklärte, sie untersuche die Angaben.

APN/AFP
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