Agententausch zwischen Russland und USA? Spion gegen Spion


In den russisch-amerikanischen Spionagefall kommt Bewegung. Offenbar steht bereits in Kürze ein spektakulärer Agentenaustausch bevor. In den Medien kursieren bereits erste Namen.

Die Festnahme der zehn mutmaßlichen russischen Spione in den USA soll das "Tauwetter" zwischen Moskau und Washington keinesfalls gefährden. Amerikanische und russische Medien berichten, hinter den Kulissen bereiteten beide Regierungen bereits einen Agentenaustausch vor - ganz wie in den Zeiten des Kalten Krieges. Angeblich schon an diesem Donnerstag könnte eine spektakuläre Operation anlaufen.

Zwar hüllen sich die Offiziellen in Schweigen, doch in Moskauer Medien sickerte bereits ein konkretes Szenario durch: Demnach will der Kreml den russische Nuklearexperten Igor Sutjagin gegen mehrere der in den USA inhaftierten Spione freigeben. Es heißt, dass Sutjagin - der für den CIA gearbeitet haben soll - schon aus einem Straflager in Nordrussland nach Moskau gebracht wurde. Von dort solle er in den Westen ausgeflogen werden, verriet seine Anwältin Anna Stawizkaja der Agentur Itar-Tass.

Über Wien nach London

"Mein Mandant hat dem Austausch nach London zugestimmt, weil sonst in Russland sein Leben zerstört gewesen wäre", meinte Stawizkaja. US-Medien meinen, die erste Etappe für Sutjagin heiße Wien, dann London. Womöglich gehe die Reise für den 45 Jahre alten Nuklearwissenschaftler schon am heutigen Donnerstag los.

Sutjagin war 2004 in einem vielbeachteten Prozess wegen Hochverrats zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Ein Moskauer Gericht hatte es als erwiesen angesehen, dass er Informationen über die russische Raketenabwehr sowie über Atom-U-Boote an eine britische Agentur mit Kontakten zum US-Geheimdienst übergeben hatte.

Neben Sutjagin sollen mindestens zwei Doppelagenten getauscht werden, berichtet die Zeitung "Kommersant" unter Berufung auf russische Behördenkreise. Dabei handele es sich um die beiden russischen Ex-Geheimdienstmitarbeitern Alexander Sypatschow und Alexander Saporojski. Sie sollen mit dem US-Geheimdienst CIA zusammengearbeitet haben und sitzen dafür in Russland mehrjährige Haftstrafen ab. Zudem solle der frühere Oberst des russischen Militärnachrichtendienstes GRU, Sergej Skripal, in die USA gebracht werden, sagte der Menschenrechtler Ernst Tscherny dem Blatt. Nach Ansicht Tschernys will Moskau möglichst viele der vor Kurzem in den USA festgenommenen zehn Verdächtigen freibekommen.

Unterdessen wurde in den USA bekannt, dass alle zehn Festgenommenen am Donnerstag vor einem New Yorker Gericht erscheinen sollen. Dies sehen Insider als erstes Signal, "dass sich bald etwas tun könnte".

joe/DPA/AFP DPA

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