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Al Kaida im Rheinland: Prozessbeginn gegen "Düsseldorfer Zelle"

Al Kaida im Rheinland: Das Terror-Netzwerk soll mit seiner "Düsseldorfer Zelle" einen enormen Anschlag in Deutschland geplant haben. Nun hat der Prozess gegen die mutmaßlichen Terroristen begonnen.

Bei der "Operation Grillanzünder" wurde es den Ermittlern des Bundeskriminalamts zu heiß: Als die Sondereinheit GSG 9 Ende April vergangenen Jahres ein unscheinbares Wohnhaus im Düsseldorfer Stadtteil Bilk nahe der Universität stürmt, stößt sie im Bad auf eine Art Labor, in dem eine größere Menge Grillanzünder köchelt. Drei mutmaßliche Al-Kaida-Terroristen werden aus dem Haus geführt und per Helikopter nach Karlsruhe gebracht, acht Monate später wird ein vierter Mann in Bochum verhaftet.

An diesem Mittwoch hat im Hochsicherheitsbunker des Düsseldorfer Oberlandesgerichts der Prozess gegen die "Düsseldorfer Zelle" begonnen, also gegen jene Männer, die gut zwei Kilometer Luftlinie entfernt im Auftrag eines Al-Kaida-Scheichs mit dem Bau einer Bombe für einen enormen Terroranschlag in Deutschland begonnen haben sollen. Treffen die Vorwürfe zu, wäre die Bundesrepublik ein weiteres Mal einem großen islamistischen Bombenanschlag entronnen.

Was die mutmaßlichen Terroristen nicht wussten: Monatelang standen sie nach einem Tipp, der vom US-Geheimdienst CIA stammen soll, unter Rund-um-die-Uhr-Beobachtung. BKA-Ermittler schnitten massenhaft belastende Gespräche mit und lasen kompromittierende E-Mails. "Oh, unser Scheich, wir halten noch unser Versprechen. Wir werden mit dem Schlachten der Hunde anfangen", soll es in einer E-Mail des Hauptangeklagten heißen, aus der die "Süddeutsche Zeitung" zitiert. Der Stoff füllt nun 260 Aktenordner, die Anklageschrift umfasst insgesamt mehr als 500 Seiten.

Angeklagte hüllen sich in Schweigen

Anführer der Terrortruppe ist laut Anklage der Marokkaner Abdelabdim El-K. (31). Er soll sich Anfang 2010 in einem Al-Kaida-Ausbildungscamp im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet aufgehalten haben. Außerdem stehen der Deutsch-Marokkaner Jamil S. (32), der Deutsch-Iraner Amid C. (21) und der Deutsche Halil S. (28) vor Gericht. In einem Vorgespräch signalisierten die Verteidiger dem Gericht, dass das Quartett zu den Vorwürfen zunächst schweigen wird.

Die Al-Kaida-Anführer Younis Al Mauretani ("Der Mauretanier") und Atiyatallah Al Libi ("Der Libyer") sollen hinter den Anschlagsplänen der "Düsseldorfer Zelle" stecken. Ersterer wurde in Pakistan festgenommen, Letzterer ist tot. Wenige Wochen nach dem Zugriff in Düsseldorf wurde auch Al-Kaida-Chef Osama bin Laden im pakistanischen Abbottabad beim Zugriff von US-Einheiten erschossen.

Neben den Funden in der Wohnung kann sich die Anklage auf die Erkenntnisse aus der monatelangen Observation mittels Wanzen und abgehörter Telefonate stützen: "Die Komplett-Überwachung hat stattgefunden. Daran kommt die Verteidigung nicht vorbei", sagt Rechtsanwalt Johannes Pausch, der den Hauptbeschuldigten vertritt. Geständnisse kann die Bundesanwaltschaft nicht vorlegen, und einige spontane Einlassungen gegenüber Polizisten seien nicht verwertbar, sagt Verteidiger Pausch. 30 Verhandlungstage bis Ende November hat die Vorsitzende Richterin Barbara Havliza für den Prozess angesetzt.

Die Aufregung der Ermittler soll übrigens verfrüht gewesen sein. Die Grillanzünder enthielten nur harmloses Paraffin, nicht das Hexamin, auf das es die mutmaßlichen Bombenbastler abgesehen hatten. Ein konkretes Anschlagziel hatten die Angeklagten wohl auch noch nicht ausgewählt, so die Anklage. Aber sie sollen sich für die Sicherheit öffentlicher Gebäude interessiert haben.

Frank Christiansen, DPA / DPA