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Albertville-Realschule Winnenden: "Ich habe alle Toten gesehen"

Ein Amoklauf in der eigenen Schule: Dieses schreckliche Erlebnis musste Astrid Hahn, Rektorin der Albertvile-Realschule in Winnenden, am 11. März mit Schülern und Kollegen erleiden. Im stern.de-Interview spricht sie über kleine Schritte in die Normalität, gibt Einblicke in ihre Gemütslage und erklärt, wie sie Amokläufer Tim K. nennt.

Frau Hahn, wie geht es Ihnen, Ihren Kollegen und Ihrer Schülern, rund vier Monate nach dem Amoklauf?

Wir sind immer noch sehr betroffen; die schreckliche Tat wird uns lange begleiten. Viele von uns haben psychologische Unterstützung bekommen. Das hat gut getan. Wir versuchen in die Zukunft zu schauen und Normalität zu leben, was aber nach wie vor einigen schwer fällt.

Wie haben Sie versucht, das Ereignis vom 11. März mit Ihren Schülern und Kollegen zu verarbeiten?

Die Monate nach dem Amoklauf sind in drei Phasen unterteilt. In den ersten eineinhalb Wochen unmittelbar danach haben wir die Schulbesuchspflicht ausgesetzt, es fand kein normaler Unterricht statt, daran war nicht zu denken. Aber wir konnten nicht davon ausgehen, dass die Eltern aller Kinder tagsüber Zeit haben. Außerdem mussten wir unsere Schüler, die ein so schreckliches Erlebnis hinter sich hatten, auffangen, ihnen helfen. Deshalb gab es in dieser Zeit Betreuungsangebote in sechs verschiedenen Hallen. Die Kinder haben dort Sport getrieben, Spiele gemacht. Und natürlich war ein enormer Redebedarf vorhanden. Die schrecklichen Erlebnisse mussten verarbeitet werden. Psychologen waren in diesen Hallen im Einsatz. In Gruppen- oder Einzelgesprächen haben sie mit den Schülern gesprochen. Dann, in der zweiten Phase, waren wir an verschiedenen Schulen in der Region verteilt. In jeder Gastschule war jeweils eine Stufe unserer Schule untergebracht. Parallel wurde eine Containerschule errichtet, in der wir dann am 18. Mai eingezogen sind.

Wie haben Sie den Unterricht an die schwierige Situation angepasst?

Wir mussten zunächst einen ganz neuen Stundenplan zusammenstellen. Ein Grund dafür war, dass Kollegen ausfielen. Zwei Referendarinnen und eine Lehrerin gehören ja zu den Opfern, einige Kollegen waren und sind psychisch noch nicht in der Lage, ihr volles Deputat zu unterrichten. An den Gastschulen haben teilweise zwei Lehrer als Tandem zusammen eine Klasse unterrichtet, dadurch konnten die Kollegen unterstützt werden, es war sofort jemand da, wenn ein Kollege nicht mehr konnte. An jeder Gastschule waren zudem Psychologen anwesend. In den drei am stärksten betroffenen Klassen, in denen Schüler und eine Referendarin erschossen wurden, haben ständig mehrere Psychologen am Unterricht teilgenommen, um jederzeit den Schülern helfen zu können.

Gibt es große Unterschiede was den psychischen Zustand der Schüler angeht?

Sehr große. Einige scheinen, zumindest von außen betrachtet, das Erlebte recht gut weggesteckt zu haben. Andere hingegen haben immer noch sehr damit zu kämpfen. Vor allem die Schüler, die zu den drei erwähnten Klassen gehören, sind teilweise immer noch traumatisiert.

Wie drückt sich das aus?

Es gibt Schüler, die lange Zeit gar nicht in die Schule kamen. Es gibt Kinder, die unter großen Konzentrationsschwierigkeiten leiden, andere können kaum schlafen, manche hatten und haben Panikattacken.

Geht es den Lehrern ähnlich?

Auf jeden Fall. Alle Kollegen sind von diesem Ereignis noch immer sehr betroffen, einige sind in psychologischer Behandlung. Es waren ja auch einige Lehrkräfte sehr nahe am Geschehen, mich eingeschlossen.

Wie haben Sie diese Minuten erlebt?

Ich war zum Zeitpunkt des Amoklaufes im Rektorat. Ich wurde dort von einer Kollegin aus dem oberen Stock per Handy informiert. Ich habe dann sofort die Polizei und über das Krisenhandy das Regierungspräsidium angerufen. Es dauerte nur wenige Minuten bis die helfende Polizei und die Rettungskräfte eintrafen. Für mich aber war das eine schreckliche Ewigkeit. Nachdem wir von der Polizei das Signal bekommen haben, dass wir die Schüler, die sich in ihren Klassenzimmern eingeschlossen hatten, befreien können, bin ich in fast allen Räumen gewesen. Ich habe die fürchterliche Angst der Schüler mitbekommen. Und ich habe alle Toten gesehen. (zögert) Alle. Wenn man so etwas mitgemacht hat... Es wird das eigene Leben für immer beeinflussen.

Was hat dieser Tag für Sie persönlich verändert?

Dieser Tag hat mein komplettes Leben verändert, er hat mich verändert und er wird mir immer bleiben. Auch auf meine Arbeit hat der Amoklauf natürlich Auswirkungen. Ich spüre seitdem noch mehr meine Fürsorgepflicht, sowohl für die Schüler als auch für die Kollegen. Ich versuche noch näher an ihnen dran zu sein, noch mehr auf sie zu achten. Wenn ich Schüler im Gang treffe, frage ich fast immer, wie es ihnen geht, man kommt in ein kurzes Gespräch. Die Antworten sind verschieden, dem einen geht's gut, dem anderen nicht. Aber fast alle fragen mich: "Frau Hahn, wie geht es Ihnen denn." Ein Zeichen von Miteinander. Genau das haben wir ja auch bei der Trauerfeier zum Ausdruck gebracht mit dem Motto: "Wir haben einen Traum".

Wie kam es dazu, dass Sie diesen Satz in Ihrer Rede benützten?

Wir haben mit Lehrern, Eltern und Schülern überlegt, wie wir die Trauerfeier gestalten wollen, wie unser Beitrag aussehen soll. Wir wollten mit Symbolen arbeiten und hatten die Idee, den Satz "I have a dream" von Martin Luther umgewandelt in die Rede einzubauen.

Mittlerweile tragen viele Schüler T-Shirts mit diesem Spruch, auf der Schul-Homepage ist er auch erwähnt. Was bedeutet er für Sie und Ihre Schule?

Wir haben den Traum in unser Schulgebäude zurückzukehren und uns nicht alles kaputt machen zu lassen. Wir haben auch den Traum, näher zusammen zu rücken. Und wir wollen die Elemente, die wir bei der Trauerfeier genannt haben, mit Leben erfüllen. Neben Worten wie "Liebe" oder "Familie" gehört auch das "Zeugnisheft" dazu. Es soll ausdrücken, dass auch Leistung wieder zählen wird bei uns. Denn wir wollen auf gar keinen Fall das Gefühl vermitteln, das man hier keine Leistung mehr bringen muss.

Leistung wurde wahrscheinlich vor allem von den Zehntklässlern verlangt, die ja ihre Abschlussprüfungen bestehen mussten. Wie sind Sie und die Schüler mit dieser Situation umgegangen?

Es gibt eine Anweisung des Regierungspräsidiums, dass sich kein Schüler durch die Belastungen des 11. März verschlechtern kann. Trotzdem haben wir versucht, sie fachlich gut vorzubereiten. So gab es einen kostenlosen freiwilligen Vorbereitungskurs in den Osterferien, den viele in Anspruch genommen haben. Alle 101 Schüler der Stufe sind dann zu den schriftlichen Prüfungen erschienen, entweder zum Haupttermin Ende April oder zum Nachtermin Ende Mai. Davor habe ich großen Respekt. Sie haben die normalen Prüfungen absolviert und es gab ganz vorzügliche Leistungen. Es sieht gut aus, dass alle den Abschluss bekommen werden. Das zeigt, dass sich unsere Schüler wieder mit dem Leistungsgedanken angefreundet haben.

Gilt das für alle Schüler?

Natürlich war es für manche sehr hart. Wenn man so etwas erlebt hat, ist es absolut verständlich, wenn sich jemand nicht gleich wieder mit der Schule und dem Lernen beschäftigen will. Aber wir haben den Schülern versucht klarzumachen, dass es hier um ihre Zukunft geht, die sie auch bei all dem Schrecklichen was passiert ist, nicht aus den Augen verlieren dürfen.

Inwiefern spüren Sie Veränderungen im Verhalten der Schüler in den letzten Wochen?

Seit den Pfingstferien kehren wir in kleinen Schritten in eine gewisse Normalität zurück. Enorm wichtig war dafür der Umzug in die Containerschule. Die Trennung der Schule war sehr belastend für alle, denn gerade nach einem so schrecklichen Ereignis hat man das Bedürfnis nach Nähe. Das hat gefehlt. Die Fröhlichkeit kommt jetzt zurück. Es wird viel mehr gelacht, als in den ersten Wochen nach dem 11. März. Vielleicht schaffen es manche Kinder, das Erlebte ganz auf die Seite zu schieben. Ich persönlich jedenfalls werde das nie schaffen.

Wird die Albertville-Realschule jemals wieder eine ganz normale Realschule?

(überlegt lange). Was ist eine ganz normale Realschule? Wir werden natürlich versuchen, wieder eine normale Schule zu sein und sind auf dem Weg dorthin. Wir werden in unser altes Gebäude zurückkehren, das aber umgebaut wird. Das wird noch ein bis zwei Jahre dauern. Wichtig ist uns auch, den Lebensraum Schule noch mehr in den Mittelpunkt rücken. Wir wollen in unserer Schule näher zusammenrücken. Es wäre schön, wenn man so aus einem schrecklichen Ereignis noch irgendwas Sinnstiftendes entnehmen kann.

Die Sommerferien stehen vor der Tür. Wie schicken Sie die Schüler in den Sommer und wie stellen sicher, dass sie in dieser Zeit betreut werden?

In der Woche vor den Sommerferien veranstalten wir eine besondere Projektwoche. Dabei soll Erlebnispädagogik im Vordergrund stehen. Dazu hatten wir aus der ganzen Bundesrepublik Angebote. Manche Klassen fahren zum zweiten Mal ins Schullandheim. Einige Klassen werden einen Freizeitpark besuchen. Wieder andere gehen klettern. Unsere Abschlussklassen machen eine ganz spezielle Abschlussfahrt. All das soll den Schülern helfen, das Schuljahr in guter Erinnerung zu behalten. Und auch in den Ferien stehen die Psychologen für die Schüler bereit.

Immer noch ist nicht abschließend geklärt, warum Tim K. diese Tat beging. Haben Sie für sich eine Antwort darauf gefunden?

Nein. Die Frage nach dem Warum ist nicht zu beantworten. Im Übrigen spreche ich den Namen des Täters nicht aus, denn er wurde schon genug heroisiert. Für mich ist es nur "der Täter" und für uns gilt die Devise: Der Täter darf nicht siegen.

Interview: Malte Arnsperger
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(