Alkoholopfer Wie sich Lukas, 16, zu Tode soff

In einer Berliner Bar soll sich der 16-jährige Lukas W. zu Tode gesoffen haben
In einer Berliner Bar soll sich der 16-jährige Lukas W. zu Tode gesoffen haben
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Es sollte eine fröhliche Party sein, es wurde ein tödliches Wettsaufen: 50 Tequila soll der 16-jährige Berliner Schüler Lukas W. getrunken haben. Mit angeblich 4,8 Promille wurde er ins Krankenhaus eingeliefert, nun ist er gestorben.
Von Malte Arnsperger

Tequila. Das Wort klingt nach Sommer, Sonne, Urlaub, nach schönen Menschen, die eine fröhliche Party am Strand von Mexiko feiern. Doch dem 16-jährigen Lukas W. wurde das hochprozentige Getränk zum Verhängnis. 50 Tequila - der Agaven-Brand enthält etwa 38 Prozent Alkohol - soll der Berliner Schüler in einer Bar getrunken haben. Er fiel in ein wochenlanges Koma, verzweifelt kämpften die Ärzte um sein Leben. Doch für die jungen Organe des Gymnasiasten war die Alkoholmenge zuviel - Lukas W. ist in der Berliner Charité gestorben.

"Der Patient ist an den Folgen eines Kreislaufversagens gestorben, das er Ende Februar erlitten hat", sagte die Sprecherin der Charité, Kerstin Endele, zu stern.de. Ob die Eltern des Jungen in den letzten Stunden bei ihrem Sohn gewesen seien, dazu wollte Endele sich nicht äußern. "Die Angehörigen haben uns gebeten, keine weiteren Details des Falles preiszugeben."

"Es war ein richtiges Kampftrinken"

Nach Medienberichten hatte sich Lukas W. Ende Februar morgens früh um vier Uhr mit seinen Freunden in einer Bar getroffen. Dort soll ein Wettsaufen stattgefunden haben, zu dem der Wirt die Jugendlichen mit den Worten "Wer die meisten Tequila schafft, kriegt ein Essen" angestachelt haben soll. Der 16-Jährige ist dieser Aufforderung anscheinend gefolgt. "Er kippte einen nach dem anderen weg. Das war ein richtiges Kampftrinken", sagte ein Mitschüler der "Bild"-Zeitung. Der Wirt wehrt sich gegen die Anschuldigungen. Der Zeitung sagte er: "Ich habe ihn nicht zum Trinken angestiftet. Er kam schon betrunken rein, hat ein Bier bestellt und ist am Tresen eingeschlafen." Der Notarzt brachte den Schüler wenige Stunden später mit angeblich 4,8 Promille ins Krankenhaus. Lukas W. wurde in ein künstliches Koma versetzt, aus dem er nicht mehr erwachte.

Die Mutter des toten Schülers hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Die Berliner Polizei hat zunächst eine Obduktion veranlasst. Sie will sichergehen, dass den Getränken nichts beigemischt wurde. Danach sei eine Ermittlung wegen unterlassener Hilfeleistung mit Todesfolge möglich, sagte ein Polizeisprecher zu stern.de. Die genauen Umstände seien zwar noch unklar, verdächtig seien aber alle Personen, die an dem verhängnisvollen Abend dabei waren. Dazu gehörten sowohl der Wirt als auch die Gäste und seine Freunde. Denn, so der Sprecher, jeder sei dazu verpflichtet, helfend einzugreifen, wenn sich eine Person nicht mehr selber helfen kann.

Das sieht der Hamburger Strafrechtsanwalt Christoph Nebgen etwas anders. Den Freunden des Jungen sei nur etwas vorzuwerfen, wenn sie den 16-Jährigen zum Trinken gezwungen oder angestachelt haben, sagte er stern.de. Dem Wirt aber könnte sogar eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung drohen, sagte Anwalt Nebgen. Schließlich habe er die Verpflichtung, keinen harten Alkohol an Minderjährige auszuschenken. Nebgen hält bei einer Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung ein Strafmaß von zwei Jahren auf Bewährung für realistisch.

Debatte um härtere Gesetze

Der Fall des Jugendlichen hatte eine Debatte um strengere Gesetze und Kontrollen der Alkoholabgabe an Jugendliche ausgelöst. Die Bundesregierung will jedoch keine schärferen Gesetze gegen das so genannte Koma-Trinken. Allerdings müssten Bestimmungen im Jugendschutz- und Gaststättengesetz streng umgesetzt werden, sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD). In Deutschland dürfen Bier, Wein und Sekt nicht an unter 16-Jährige, so genannte branntweinhaltige Getränke nicht an unter 18- Jährige abgegeben werden.

In Berlin waren in den vergangenen Wochen mehrere Fälle von Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen bekannt geworden. Vor einigen Tagen war ein 15-jähriges Mädchen bewusstlos mit 4,1 Promille in die Charité gebracht worden. Sie wurde inzwischen aus der Klinik entlassen. "Sie ist auf dem Weg der Besserung", sagte die Charité-Sprecherin.


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