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Alltägliche Gewalt: Anleitung zur Zivilcourage

Jeden Tag wird auf Deutschlands Straßen gedroht, gepöbelt, geschlagen - zum Glück enden die Auseinandersetzungen selten wie der Überfall auf den Rentner in München. Wie reagieren Sie, wenn jemand in Ihrer Nähe belästigt wird? Schauen Sie weg oder mischen Sie sich ein? stern.de gibt eine Anleitung zur Zivilcourage.

Von Almut F. Kaspar

Es war in München, zwei Tage vor Heiligabend. Da schlugen und traten zwei Jugendliche in einer Münchener U-Bahn-Station einen 76-jährigen Rentner brutal zusammen. Der Mann hatte sie zuvor in der U-Bahn aufgefordert, ihre Zigaretten auszumachen. Neujahrstag, wieder in München. Während eines Streits über zu laute Musik kam es, wieder in einer U-Bahn, zu einer Schlägerei zwischen drei Jugendlichen und zwei Männern, wobei der eine mit einem Ziegelstein schwer am Kopf getroffen wurde. 1. März, in einer Berliner U-Bahn. Nachdem ein Mann lautstark zwei Frauen anpöbelte, mischte sich ein 44-Jähriger ein, der daraufhin einen Faustschlag ins Gesicht erhielt. Dann hängte sich der Pöbler mit beiden Händen an die obere Haltestange und trat dem anderen mit vollem Schwung gegen den Kopf.

Mittlerweile scheinen solche Szenen zum Alltag in unseren Städten zu gehören. "Du wagst es, mich blöde anzuquatschen? Pass auf, ich steche dich gleich ab." Oder: "Hey, Alte, niemand sagt mir, was ich zu tun habe, hau ab, sonst zerfetzt dir mein Hund deine Visage." Zu jeder Tageszeit finden diese oder ähnliche Stänkereien und verbalen Drohungen mit ungewissem Ausgang statt. Derzeit wohl besonders beliebt: öffentliche Verkehrsmittel. Da wird gegrölt, gesoffen und geraucht - dazu Musikbeschallung, bis die Ohren dampfen. Auf engstem Raum, unter vielen Menschen.

Die Wenigsten zeigten Zivilcourage

Wie reagiert man in solchen Situationen? Wenn ein harmloser Mitbürger plötzlich von offenbar gewaltbereiten Rabauken angepöbelt und belästigt wird. Einfach die Zeitung höher halten und weiter lesen? Betreten auf den Boden schauen und schweigen?

Das Münchener Institut für Recht und Wirtschaft befragte Menschen zwischen 16 und 76, ob sie je Zeuge einer Gewalttat gewesen seien. Alle antworteten mit "ja". Ob sie geholfen hätten? 86% sagten nein.

Die Angst geht um in Deutschland. Nach den jüngsten gewalttätigen Übergriffen im öffentlichen Nahverkehr, in denen hilfsbereite Mitbürger selbst lebensgefährlich verletzt wurden, stellt sich mancher die berechtigte Frage: Warum helfen und eingreifen, wenn ich am Ende selbst Opfer sein könnte? In der Tat: Wer sich einmischt, läuft Gefahr, selbst in unübersichtliche Gewaltaktionen einbezogen zu werden. Gerade deshalb genügt es nicht, mutig einzuschreiten, sondern man muss wissen, wie. Viel zu wenig wird in der Öffentlichkeit publik gemacht, an wen man sich wenden kann, um einschlägige Ratschläge zu erhalten, die immer häufiger auch lebensrettend sein können. Dabei gibt es Angebote en masse. Angefangen bei der polizeilichen Präventionsarbeit bis hin zu mehrtägigen Seminaren in Volkshochschulen, Betrieben, Instituten, Betriebsgenossenschaften - überall werden Workshops zum Thema Zivilcourage oder Anti-Gewalt-Trainings angeboten.

"Täter suchen Opfer, keine Gegner"

Wobei dort keinesfalls Patentrezepte vermittelt werden können. Günther Gugel, Geschäftsführer des Tübinger Instituts für Friedenspädagogik e.V., weiß: "Gewaltsituationen sind häufig emotional aufgeheizt und in ihrem Verlauf kaum berechenbar oder kontrollierbar. Eine Vorbereitung auf die spezifische Situation ist kaum möglich."

Der ehemalige Berliner Kriminalhauptkommissar Reinhard Kautz ist ein alter Hase auf dem Gebiet der Gewaltprävention. Bis zu seiner Pensionierung vor fünf Jahren hat er sich ganz der Vorbeugung vor Verbrechen gewidmet und ein eigenes Anti-Gewalt-Training entwickelt, dass auch noch heute von seinen Kollegen eingesetzt wird. Ihm lag es am Herzen, die Mitbürger aufzuklären und ihnen Strategien mit auf den Weg zu geben, wie man sich gegenüber potenziellen Kriminellen aus der Opferrolle herausbringen kann. Sein Fazit aus langer Erfahrung: "Täter sind nicht machtvoll, sondern wir machen sie mächtig, wenn wir schweigen. Und: "Täter suchen Opfer, keine Gegner." Reinhard Kautz weiß, dass 95 von 100 Gewalttätern im Vorfeld aufgeben, wenn sie merken, dass da jemand auf der Hut ist.

Deshalb zielt das von ihm entwickelte Training darauf hin, Menschen aus ihrer Opferrolle herauszuholen. "Wer angepöbelt und bedroht wird", sagt Kautz, "muss sofort, energisch und unüberhörbar, verlangen: Stopp, das will ich nicht!" Damit schaffe man erst mal Distanz. Und mache andere auf seine Situation aufmerksam. Auf eine Konfrontation aber solle man sich gefälligst nicht einlassen: "Es ist klüger", sagt er, "den Belästigern aus dem Weg zu gehen und einfach an der nächsten Station auszusteigen und dem Personal Hinweise auf die Täter zu geben."

Entscheidungen in wenigen Sekunden

Seine dreistündigen Workshops, die immerhin von rund 37.000 Berlinern - davon 97 Prozent Frauen - in Schulen, Vereinen und Betrieben besucht wurden, waren so aufgebaut, dass in intensiven Rollenspielen Situationen nachgespielt worden sind. "Nur wer sich selbst helfen kann", sagt Bundesverdienstkreuz-Träger Kautz, "kann auch anderen beistehen." Nach seiner Erfahrung treffen Täter in Sekunden Entscheidungen, nur wenige sind von vornherein entschlossen und lassen sich meist durch couragiertes Auftreten abschrecken.

"Wenn Sie auf dunkler Straße verfolgt werden", rät er, "sprechen Sie nicht den vermeintlichen Täter an, sondern verändern Sie ihre Laufrichtung; sollten Sie weiterhin verfolgt werden, schreien Sie laut. Stellen sie Öffentlichkeit her." Die meisten Täter suchen dann das Weite. Oder wenn man in der U-Bahn einer Gruppe Jugendlicher gegenübersitzt, die ihre dreckigen Straßenschuhe auf den Sitzen verteilen: "Verzichten Sie auf die Aufforderung, die Füße runterzunehmen. Das provoziert nur. Steigen Sie lieber an der nächsten Station und sagen Sie, dass Sie das nicht okay finden. Und nehmen Sie wenn möglich Kontakt zum Zugführer auf, der Hausherr ist." Kautz: "Geben Sie Regelverletzern die Gelegenheit, beim Ansprechen ihr Gesicht zu wahren".

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Die Tipps der Bundespolizei, wie anderen zu helfen ist, ohne sich selbst zu gefährden:

  • Schauen Sie bei Straftaten nicht einfach weg.
  • Fordern Sie von anderen Hilfe ein, indem Sie diese direkt ansprechen und konkret auffordern, etwas zu tun. Beispiel: "Sie, in der roten Jacke, rufen Sie die Polizei!"
  • Provozieren und duzen Sie die Täter nicht. Die sprachliche Distanz und deutlich sachliche Worte machen auch andere Zeugen und Helfer auf die Situation aufmerksam.
  • Beim Halt der Bahn im nächsten Bahnhof Notbremse ziehen und so die Weiterfahrt verhindern. Jetzt haben Sie die Möglichkeit, professionelle Hilfe zu organisieren und andere Helfer auf die Gefahrensituation aufmerksam zu machen.
  • Auf vielen Bahnsteigen gibt es Notrufsäulen, über die jeder professionelle Hilfe anfordern kann.
  • Signalisieren Sie Opfer und Täter, dass professionelle Hilfe unterwegs ist.
  • Kümmern Sie sich um das Opfer und leisten Sie gegebenenfalls Erste Hilfe.
  • Beobachten, merken, melden. Schauen Sie hin, merken Sie sich Besonderheiten und stellen Sie sich als Zeuge zur Verfügung.

Auch das Institut für Friedenspädagogik in Tübingen hat sich eingehend mit dem Thema Gewalt und Zivilcourage beschäftigt. Tatsache ist, dass alle Statistiken und Forschungen der jüngsten Zeit ergaben: Die Zahl der Gewalttaten in den vergangenen Jahren hat nicht zugenommen haben, sondern abgenommen. Aber zugenommen hat die Aufmerksamkeit und Meldefreudigkeit der Öffentlichkeit. Der Geschäftsführer des Instituts, Günther Gugel: "Die Bevölkerung spürt eine gefühlte Zunahme an Gewaltdelikten, insbesondere von Taten, die im öffentlichen Raum passiert sind." Dazu trägt sicherlich auch die Berichterstattung in den Medien bei. "Früher", sagt Gugel, "gab es genauso viel Delikte, doch durch die Medienberichterstattung wird das Bild ein wenig verfälscht. Es entsteht der Eindruck, dass die Gewalt ausufert und gerade die angesprochenen Straftaten bei gewaltbereiten Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu finden sind. Die Statistiken geben aber ein anderes Bild wieder."

Auch Mädchen werden aggressiver

Auch für Reinhard Kautz ist die Berichterstattung in den Medien "eine Gratwanderung": "Weil oft nur über negative Folgen geschrieben und gesendet wird - das suggeriert den Menschen: Helfen ist gefährlich." Was er aber alarmierender findet: "Die Gewaltaktivitäten von Mädchen, die sich immer häufiger am Macho-Verhalten von Männern orientieren, nehmen erschreckend zu." Deren zunehmende Aggressivität könne noch zu einem richtigen Problem werden.

Vor allem aber rät Kautz zur Gelassenheit. "Wenn Sie merken, dass da welche sind, die in der U-Bahn rauchen und nur darauf warten, von Ihnen angesprochen zu werden - lassen Sie's sein." Steigen Sie aus und melden den Vorfall dem Personal - damit Sie nicht selbst am nächsten Tag in der Zeitung stehen.

VERNUFT -- grundsätzlich als KRIMINELL definiert ??
Kinder und Hartz4-Empfänger werden „zur Vernunft“ diszipliniert. Persönliches Fortkommen, ohne Stillstand, ist das, was man vorgibt. Zweifel seien unvernünftiges Verhalten; Widerspruch, krankhaftes. Rationales oder pragmatisches Verhalten wird nur der „Führung“ (also dem Regierungs- und Verwaltungsapparat) zugebilligt. Nirgends ist ein demokratische Verhalten hinsichtlich der „Führung“ definiert. Demokratie bedeutet: man gibt der gewählten Führung den Auftrag, dem Volk (exakt dem Wohl des Einzelnen) zu dienen. Statt dessen werden Gruppeninteressen vertreten, die ein starkes Veto einlegen oder die Richtung (eigene Vernunft) straffrei umsetzen dürfen. Was ist Vernunft ? Wir kennen nur „unsinnige“ Gruppeninteressen, wie a) den Bau eines Schutzwalles gegen Imperialisten b) den Bau eines weltbedeutenden Drehkreuz-Flughafens (als Abschreckung der Konkurrenz) c) die Einführung von Hartz4 (Motto: nur Billig-Arbeit macht reich) d) eine Mobilität, wo Jedem erlaubt wird so schnell zu fahren, wie er sich es finanziell leisten kann e) ein gewinnorientiertes Verhalten, das „Schwache“ (entgegen der Gesetzeslage) „übertölpelt und ausraubt“; 1) Menschen werden kaufsüchtig / spielsüchtig / sexsüchtig gemacht, mit staatlicher Förderung >> Vogelfreiheit 2) der Enkeltrick ist eine Ableitung des kapitalistischen Systems >> SUB-Randgruppe gegen SUB-SUB-Randgruppe Vernunft heißt ursprünglich: „den eigenen Trieben Einhalt zu gebieten -- Anderen Freiheiten zu geben !!“ (Antikes Rechtsmotto) „Vernunft heißt, Anderen Frieden zu gewähren und Selbst im Gegenzug zu beziehen“ (Biblisches Gemeinwohl ) Warum geht das nicht in einer DEUTSCHEN Demokratie ? Fehlt den Deutschen die Einsicht ? Fehlt den Deutschen ein demokratisches Verständnis ? .. oder sogar Beides ? Oder kann sich in Deutschland nur jemand (verhaltensgestörtes Egozentrisches) politisch an die Spitze setzen, der BEIDES eben gerade nicht praktiziert und umsetzt, gegen die Schwächeren „vernünftig Handelnden“ ???? ... ähnlich, wie das bei kriminellen Banden die Regel ist ? Ist kriminelle Egozentrik nicht die beste Vernunft ? ... Resumee: das sollten die Kinder und Hartz4-Empfänger angeleitet werden, solches ebenfalls umsetzen ? ... sich nicht manipulirren / ausnutzen zu lassen, um nicht in einer Endlosschleife einer Opferrolle zu verharren ?