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Amanda Knox: Rückflug in die Freiheit

Direkt nach ihrem spektakulären Freispruch ist die 24 Jahre alte US-Studentin Amanda Knox in ihre Heimat gereist. Dort wurde sie bereits sehnsüchtig erwartet.

Nach ihrem spektakulären Freispruch in Italien ist die US-Studentin Amanda Knox in ihre Heimat zurückgeflogen. Die 24-Jährige stieg am Dienstag in Rom in ein Flugzeug nach London, um von dort aus in die USA zu fliegen. Fast zwei Jahre nach ihrer Verurteilung wegen Mordes an ihrer britischen Mitbewohnerin Meredith Kercher war Knox am Montagabend von einem Berufungsgericht in Perugia freigesprochen worden.

Das Berufungsgericht sprach auch Knox' italienischen Ex-Freund Raffaele Sollecito frei, der in erster Instanz zu 25 Jahren Haft verurteilt worden war. Kercher war Anfang November 2007 mit durchgeschnittener Kehle und von 43 Messerstichen durchlöchert in dem Haus in Perugia gefunden worden, das die 21-Jährige mit Knox bewohnte.

Das Gericht erster Instanz hatte es als erwiesen angesehen, dass Knox und Sollecito die Britin unter Einfluss von Drogen und Alkohol getötet hatten, während ein ebenfalls berauschter Bekannter die Arme des Opfers festhielt. Dieser war nach einem Teilgeständnis zu 16 Jahren Haft verurteilt worden.

Knox und Sollecito beteuern Unschuld

In dem Berufungsverfahren äußerten unabhängige Experten jedoch ernsthafte Zweifel an den DNA-Tests, die zur Verurteilung von Knox und Sollecito geführt hatten. Die beiden Angeklagten beteuerten vor dem Urteilsspruch noch einmal ihre Unschuld: "Ich habe niemanden umgebracht, vergewaltigt oder bestohlen", sagte Knox unter Tränen. "Ich war überhaupt nicht da."

Nach dem Freispruch brach die 24-Jährige in heftiges Schluchzen aus. Ihre Schwester Deanna sagte, für Amanda sei nun "ein Albtraum zuende". "Sie hat vier Jahre lang für ein Verbrechen gelitten, das sie nicht begangen hat."

Nach dem Freispruch wurde Knox zunächst noch einmal in das Gefängnis bei Perugia gebracht, in dem sie seit ihrer Festnahme im November 2007 einsaß. Kurz vor Mitternacht wurde sie in einem schwarzen Mercedes davongefahren. Sollecito wurde von seinem Vater abgeholt. Am Dienstag war er schon wieder zu Hause in seinem süditalienischen Heimatort Giovinazzo.

Über Rom zurück in die USA

Knox stieg am Flughafen Rom-Fiumicino in eine Maschine nach London. Von dort aus wollte sie offenbar weiter nach Seattle fliegen. "Sie hat mir gesagt, dass sie keine Verbitterung fühlt", sagte Corrado Maria Daclon von der Stiftung, die Knox während des Berufungsprozesses unterstützt hatte, nachdem er sich am Flughafen von ihr verabschiedet hatte.

In ihrer Heimatstadt wurde Knox sehnsüchtig erwartet. Eine Gruppe von Freunden der 24-Jährigen versammelte sich in einem Hotel, um das Urteil live im Fernsehen zu verfolgen. Als der Freispruch kam, gab es eine Freudenexplosion. Es wurde geklatscht, Freudentränen flossen. "Ich bin vollkommen erleichtert", sagte Knox' früherer Lehrer John Lange unter Tränen. Das US-Außenministerium lobte die "sorgsame Prüfung des Falles" durch die italienische Justiz.

Die Familie des Opfers zeigte sich geschockt von dem neuen Urteil. "Wir haben immer noch keine Antworten", sagte Kerchers Schwester Stephanie in Perugia. Ihr Bruder Lyle erklärte: "Es ist sehr enttäuschend. Wir stehen wieder ganz am Anfang." Der britische Premierminister David Cameron äußerte sein Mitgefühl mit der Familie. Vor dem Urteil hätten die Eltern eine "Erklärung" für das Schicksal ihrer Tochter gehabt, "und die haben sie jetzt nicht mehr".

cjf/AFP/DPA / DPA