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Brasilien: "Ich werde umgebracht": Emma K. suchte bei einer Kajak-Tour Freiheit. Sie fand den Tod.

Einmal den Amazonas abpaddeln, von der Quelle in den Anden bis zur Mündung in den Atlantik: In Südamerika wollte sich die ehemalige britische Schuldirektorin Emma K. einen Traum erfüllen. Doch dann schrieb sie auf Twitter von "Männern am Fluss mit Pfeil und Gewehren". Kurze Zeit später war sie tot.

Die Britin Emma K. wollte den Amazonas abpaddeln. Von diesem Abenteuer kehrte sie nicht wieder zurück

Die Britin Emma K. wollte den Amazonas abpaddeln. Von diesem Abenteuer kehrte sie nicht wieder zurück

Der Tweet, in dem Emma K. ihren Tod vorhersagt, gefällt aktuell 35 Nutzern. "In oder in der Nähe von Coari (100 Kilometer entfernt) wird mir also mein Boot gestohlen werden und ich werde umgebracht. Nett", schrieb die Engländerin Mitte September. Wenige Tage später ist K. tot, wirklich. Aktuellen Ermittlungen zufolge überfiel eine Bande die 43-Jährige, die mit ihrem Kanu den Amazonas abpaddeln wollte. Man habe sie erschossen und in den Fluss geworfen, dort, wo der Strom besonders tief sei, sagte ein Verdächtiger den Behörden. Er wurde festgenommen. Nach K.'s Körper suchen die Ermittler bis heute. "Es ist herzzerreißend zu lesen, dass das echt passiert ist", schreiben die Twitter-Nutzer jetzt unter den Tweet.

Britin wird bei Kajak-Tour in Brasilien ermordet

Dass sich in ihrem Leben etwas ändern sollte, beschloss K. vor drei Jahren. Damals sei sie Direktorin einer Grundschule in Surbiton, einem Vorort im Südwesten Londons, gewesen, berichtet der britische "Guardian". Dann habe sie ihren Job gekündigt, sie wollte reisen und tat es: K. erreichte ohne Hilfe den Südpol, wanderte quer durch die USA, jetzt also Südamerika. Oft war sie bei ihren Touren allein. Ihre Geschwister beschreiben sie als "aktiv und entschlossen", jemand, der sich gerne selbst vor Herausforderungen stellt. Zur Kajak-Tour auf dem Amazonas entschied sich K. laut "Guardian"-Bericht im Februar, lernte dafür paddeln. Es sollte eine Fahrt von der Quelle in den peruanischen Anden bis zur Mündung in den Atlantik werden, ihr nächstes Abenteuer. Es wurde ihr letztes.

Emma K. war schon mehrere Wochen auf dem Fluss unterwegs gewesen, als sie ermordet wurde. Die Polizei nahm am Montag neben weiteren Verdächtigen einen 19-Jährigen fest. Laut "Guardian" gab der junge Mann an, die Britin sei von einer Gruppe bestohlen, mit einer abgesägten Schrotflinte erschossen und dann in den Fluss geworfen worden. Die Gruppe habe versucht, ihre zwei Handys, ihr Tablet und ihre GoPro-Kamera zu verkaufen, soll der Verdächtige angegeben haben, mehrere Personen sitzen jetzt in Haft, ein mutmaßlicher Anführer der Bande wurde Berichten vom Mittwoch zufolge mittlerweile selbst erschossen. Die Polizei geht von einem Verbrechen im Drogenmilieu aus. Nach weiteren Verdächtigen im Zusammenhang mit dem Mord an Emma K. werde noch gefahndet, schreibt der "Guardian".

Flusspiraten und Drogenhandel: Gebiet gilt als gefährlich

Das Gebiet, in dem sich das Gewaltverbrechen an der ehemaligen Schuldirektorin aus London ereignet haben soll, gilt allgemein als gefährlich, eine Gegend geprägt von Flusspiraterie und Drogenhandel. "Bog um eine Ecke und sah 50 Männer mit Motorbooten und Pfeilen!", schrieb Emma K. wenige Tage vor ihrem Tod auf Twitter, später ergänzte sie: "Okay, 30 Typen. Aber wie dem auch sei: immer noch viele mit Pfeil und Gewehren."

Emma K. hatte um die Gefahr am Amazonas immer gewusst. Da, wo sie jetzt hinwolle, da gebe es "Menschen, die mit Organen handeln, rauben und mit Gewehren schießen", habe sie in einem Gespräch mit BBC Surrey im Februar gesagt, erinnert die BBC. Ob sie ihr Leben auf ihren Reisen riskiere? "Oh ja, aber das gehört dazu." Am Freitag stellte die brasilianische Marine einige persönliche Gegenstände sicher. Emma K.'s Körper wurde bislang nicht gefunden. 

Arapaimas gelten mit über zwei Metern Länge als größte Süßwasserfische der Welt.
pg