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Amoklauf in Roseburg/Oregon Erschoss der Todesschütze gezielt Christen?


Die USA sind durch eine Bluttat an einer Schule erschüttert. Ein Amokläufer tötete mindestens 13 Menschen, ehe er von der Polizei erschossen wurde. Grund für das Massaker könnte Hass auf Christen gewesen sein.

Wieder ein Amoklauf in den USA, wieder unzählige Tote, wieder ein Präsident, der die laschen Waffengesetze beklagt. Schauplatz ist eine Hochschule in Roseburg/Oregon, 740 Kilometer nördlich von San Francisco. Am Vormittag gegen halb elf schießt am Umpqua Community College ein Mann, der von US-Medien inzwischen als Chris Harper Mercer identifiziert wurde, um sich. Mindestens neun Menschen starben, sieben wurden verletzt. Zuvor war sogar von 13 Toten und 20 Verletzten die Rede gewesen; diese Zahlen wurden später korrigiert. Nach Angaben des Bezirks-Sheriffs wurde der 26-jährige Täter von Polizisten erschossen. 

Der Todesschütze habe seine Opfer aufgefordert, sich auf den Boden zu legen, berichtete die Lokalzeitung "News-Review" unter Berufung auf eine Augenzeugin. Dann mussten sie aufstehen. Daraufhin habe der Schütze sie nach ihrer Religion gefragt, dann aber wahllos das Feuer eröffnet. Christen soll er angeblich sofort in den Kopf geschossen haben, Nicht-Christen in die Knie.

"Geht morgen nicht zur Schule"

Der Täter soll im Umpqua Community College von Saal zu Saal gegangen sein und habe systematisch auf seine Opfer geschossen. Der Schütze soll vor seiner Tat eine Online-Botschaft verbreitet haben, die auf die Tat hinweise.

In dem Posting, das dem Täter zugeordnet wird, heißt es: "Einige von euch sind in Ordnung. Geht morgen nicht zur Schule wenn ihr im Nordwesten seid. Über das, was passiert, wird es morgen früh ein Posting geben. Macht's gut Space Robots" ("Some of you guys are alright - Don't go to school tomorrow if you are in the northwest - happening thread will be posted tomorrow morning - so long space robots"). Das College in Roseburg wird nicht erwähnt. Ob dies tatsächlich als Ankündigung für die Tat anzusehen ist, wird von den Ermittlern derzeit geprüft. In einem anderen, teils anonymen Webforum "4chan", soll er die Tat am Mittwoch klarer angedeutet haben. "Dies ist das einzige Mal, das ich in den Nachrichten sein werde", soll einer seiner Beiträge lauten. "Ich bin so unbedeutend."

Feuerwehr warnte Bevölkerung vor Schützen

"Wir wurden um 10.38 Uhr über eine mögliche Schießerei an der Umpqua-Hochschule informiert", berichtete das Büro des Sheriffs kurz nach dem Amoklauf. "Die Studenten und das Fakultätspersonal wurden per Bus in Sicherheit gebracht."

At about 10:38 AM, the 911 center received a report of a shooting at Umpqua Community College. Police units from...

Posted by Douglas County Sheriff's Office on Donnerstag, 1. Oktober 2015

Auch die örtliche Feuerwehr warnte kurz nach Bekanntwerden der Schießerei via Twitter sofort die Einwohner der Stadt.

Ein auf Youtube veröffentlichter Mitschnitt des Polizeifunks macht deutlich, wie unübersichtlich die Lage vor Ort zunächst war. In der knapp 16-minütigen Aufnahme geben verschiedene Beamte ihre jeweiligen Standorte durch, Sirenen sind zu hören, auch fallen Schüsse. Eine Frau versucht den Einsatz zu koordinieren, gibt den Polizisten Anweisungen zum weiteren Vorgehen. Immer wieder fordert sie verfügbare Rettungswagen auf, Richtung Universität zu fahren. Später kann sie ihren Kollegen dann Entwarnung geben: "Code 4, suspect is down" ("Der Verdächtige ist am Boden"). Der Zusatz "Code 4" signalisiert den Beamten, dass keine weitere Unterstützung benötigt wird. Trotzdem treffen auch in der Folge weitere Streifenwagen am Tatort ein. Zu diesem Zeitpunkt ist teilweise immer noch von 20 Opfern die Rede. Erst nach und nach beruhigt sich die Lage im Polizeifunk.

"Mein Gott, jemand schießt auf dem Campus"

Eine Studentin, Kayla Marie, berichtete über den Kurznachrichtendienst Twitter über das Geschehen. "Mein Gott, jemand schießt auf dem Campus", schrieb sie. "Überall laufen die Studenten weg, mein Gott." Das College befindet sich in einer ländlichen Gegend. Die Studentin Cassandra Welding schilderte in US-Medien, wie sie den Amoklauf in einem Nebenraum erlebte. Eine Kommilitonin sei aus dem Zimmer gelaufen, um zu sehen was los war, und direkt erschossen worden. "Dann haben wir die Türen verriegelt und das Licht gelöscht, wir waren alle so in Panik", sagte sie CNN. "Wir haben den Notruf gewählt und unsere Eltern angerufen und ihnen gesagt, dass wir sie lieben."

Die Polizei kontrollierte die Studenten beim Verlassen des Hochschul-Geländes und fahndete nach möglichen Komplizen oder Waffen. "Wir haben Dutzende Beamte vor Ort", berichtete der Polizeioffizier Aaron Dunbar. "Sie stellen die ganze Hochschule auf den Kopf. Sie durchsuchen Saal für Saal und Gebäude für Gebäude und vergewissern sich, dass diese sicher sind."

Auch die Wohnung des Täters wurde laut CNN durchsucht sowie Familienangehörige und Nachbarn befragt. Mercers Vater Ian, dem Bericht zufolge in Kalifornien lebend, sprach gegenüber den Reportern von einem "verheerenden Tag". "Verheerend für mich und meine Familie", führte er aus. Steven Fisher, ein Nachbar des Täters, beschrieb den 26-Jährigen demnach als unruhige Person. Sein Verhalten, die Art, wie er sich bewegte, wie er sich ständig umblickte, habe bei ihm ein schlechtes Gefühl ausgelöst, so Fisher.

Halbautomatische Waffe im Einsatz?

Am Umpqua Community College sind mehr als 3000 Vollzeit- und 16.000 Teilzeit-Studenten eingeschrieben. Roseburg liegt etwa 300 Kilometer südlich der Metropole Portland. Beobachter vermuteten wegen der vielen Todesopfer, dass der Schütze eine halbautomatische Waffe benutzte. Die unter anderem für Sprengstoff zuständige Bundespolizei ATF schickte Verstärkung aus Portland nach Roseburg.

In den USA hat es in den vergangenen Jahren häufiger Schießereien an Bildungseinrichtungen gegeben. Besonders nach dem Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule im Jahr 2012 wurden an zahlreichen Schulen und Hochschulen die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Bei der Bluttat in der Kleinstadt Newtown hatte der 20-jährige Täter 20 Kinder und sechs Erwachsene getötet, bevor er sich selbst erschoss. Bei dem bislang blutigsten Amoklauf an einer US-Hochschule starben im Jahr 2007 an der Virginia Tech in Blacksburg mindestens 33 Menschen, darunter der Täter.

Obama: "Wir stumpfen ab"

Entsprechend verärgert und betrübt zugleich äußerte sich US-Präsident Barack Obama zu der Bluttat. "Wir stumpfen ab", warnte er angesichts der Häufigkeit solcher Tragödien. "Wir können durchaus etwas dagegen tun, aber dafür müssen wir unsere Gesetze ändern", fuhr er fort. Er könne das freilich nicht im Alleingang durchsetzen. Er "brauche einen Kongress", der zur Zusammenarbeit bereit sei.

"Gebete sind nicht genug", sagte der US-Präsident. Es dürfe nicht sein, dass jemand, der anderen Menschen schaden wolle, in dem Land "so leicht" an Waffen gerate. In der Vergangenheit war Obama immer wieder am Widerstand der Republikaner mit Initiativen für ein schärferes Waffenrecht gescheitert.

mod/dho/nik AFP DPA Reuters

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