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Amoklauf an US-Uni: Bücher im Rucksack retten 21-Jährigem das Leben

Eigentlich müsste Jason Derfuss tot sein. Der Student sollte das erste Opfer des Amokläufers an der Florida State University werden. Wie knapp er dem Tod entging, bemerkte Derfuss erst zu Hause.

Bücher als Lebensretter: Die Fotos von Jason Derfuss' Facebookseite sorgen auch in US-Medien für Wirbel

Bücher als Lebensretter: Die Fotos von Jason Derfuss' Facebookseite sorgen auch in US-Medien für Wirbel

Jason Derfuss verließ gerade die Bücherei der Florida State University (FLU), als er direkt hinter sich einen Schuss hörte: "Ich wollte es in dem Moment nicht wirklich wahrhaben, dass hinter mir ein Schuss losgegangen war, aber ich wusste es", schildert der Student im "Tallahassee Democrat" den Amoklauf in Florida am vergangenen Mittwochabend. "Ich drehte mich sehr langsam um und sah, wie der Schütze zwei weitere Schüsse auf eine andere Person abfeuerte. Dann rannte ich um mein Leben."

Drei Menschen wurden bei dem dramatischen Zwischenfall an der Hochschule in Tallahassee von einem Einzeltäter mit einer Handfeuerwaffe verletzt. Dann erschossen die alarmierten Sicherheitskräfte der FLU den Angreifer. Dass niemand sonst sein Leben verlor, grenzt an ein Wunder. Eigentlich sollte Derfuss das erste Opfer des Amokläufers sein.

"Überlebe, überlebe, überlebe"

Derfuss wusste noch nicht, wie knapp er dem Tod entgangen war, als er zu seinem Auto rannte, das auf einem nahegelegenen Parkplatz stand. "Ich hatte panische Angst und dachte nur: überlebe, überlebe, überlebe", berichtet der 21-Jährige dem "Tallahassee Democrat". Er sei davongefahren, an herbeieilenden Polizeiwagen vorbei, und habe im Wagen erst seinen Vater und dann die Polizei angerufen.

Als er drei Stunden später in seinem Zimmer seinen Rucksack ausgeleert habe, seien ihm Beschädigungen an einigen der Bücher aufgefallen. Sein Mitbewohner habe den Rucksack durchsucht und ein Einschussloch gefunden. Eine Kugel sei in den Rucksack eingedrungen, habe eines der Bücher durchschlagen und sei in einem zweiten Buch stecken geblieben. Erst da sei ihm klar geworden, dass der Amokläufer auch auf ihn geschossen hatte.

"Ich nahm an, ich war kein Ziel, ich nahm an, mir geht es gut", schrieb Derfuss auf seiner Facebookseite. "Die Wahrheit ist, ich wurde heute Nacht beinahe getötet und Gott ist dazwischengegangen." Dazu postete der Student mehrere Fotos der Bücher, die ihm offenbar das Leben retteten, sowie des Rucksacks und der Kugel.

Der Rucksack in dem Jason Derfuss nach eigener Aussage die Bücher transportierte. In dem Stoff ist deutlich ein Loch zu erkennen.

Der Rucksack in dem Jason Derfuss nach eigener Aussage die Bücher transportierte. In dem Stoff ist deutlich ein Loch zu erkennen.

Der dramatische Vorfall ging nicht spurlos an Derfuss vorüber: "Du kannst buchstäblich jeden Moment sterben, ohne dass du es kommen siehst", sagte der Student dem "Tallahassee Democrat". "Ich bin 21 - Ich dachte ich bin unbesiegbar. Und jetzt fühle ich mich klein."

Sie hätte tödlich sein können: Diese Kugel fand Derfuss drei Stunden nach dem Amoklauf in seinem Rucksack.

Sie hätte tödlich sein können: Diese Kugel fand Derfuss drei Stunden nach dem Amoklauf in seinem Rucksack.

mad
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