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Amoklauf von Winnenden: Die Gewaltphantasie des Tim K.

Der Amokläufer von Winnenden hatte laut einem Gutachten Monate vor der Tat Tötungsphantasien - und er litt unter masochistischen Neigungen. Zudem hinterließ Tim K. einen Abschiedsbrief.

Von M. Arnsperger, I. Eißele und M. Rittgerott

Die insgesamt 211 Seiten haben es in sich: Das psychologische Gutachten über den Amokläufer von Winnenden, das der Staatsanwaltschaft Stuttgart vorliegt, beschreibt nach Informationen von stern.de einen Jugendlichen, der von Hass und Gewaltphantasien besessen war.

Der Verfasser des Gutachtens ist Professor Reinmar du Bois, Leiter des Stuttgarter Olgahospitals. Er hat Tim K. nie kennengelernt, der am 11. März dieses Jahres in Winnenden und Wendlingen 15 Menschen erschossen und sich selbst getötet hat. Bei seinem Gutachten stützte sich du Bois auf Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft und vor allem auf den Bericht des Klinikums am Weissenhof in Weinsberg nahe Heidelberg.

Tim K. wollte "Menschen erschießen"

Danach hatte sich Tim K. im Frühjahr 2008 quasi selbst eingewiesen. Seiner Mutter hat der Berufsschüler einen Computerausdruck gezeigt über eine "bipolare affektive Störung". Darunter leide er. Laut Gutachten riet der Hausarzt zu einem Termin beim Psychologen. Tim Ks Mutter veranlasste, dass er im Klinikum untersucht wurde. Seiner Therapeutin sagte Tim K. gleich beim ersten Termin am 23. April 2008, er habe "Gedanken, Menschen umzubringen". Wieder und wieder zermartere er sich das Gehirn darüber. Die ganze Welt sei schlecht, er wolle "Menschen erschießen".

Die Empfehlung seiner Therapeutin war, eine Gesprächstherapie zu beginnen. Bei den folgenden vier Sitzungen spielten die Mordphantasien von Tim K. laut Gutachten jedoch keine Rolle mehr. Die Therapeutin attestierte, ihr Patient sei weder eigen- noch fremdaggressiv, auf eine weitere Behandlung verzichtete er. Die Therapeutin informierte, so ist es dem Gutachten zu entnehmen, die Eltern über die Phantasien. Dass Tim K. zu Hause Zugang zu Waffen hatte, wurde ihr nicht mitgeteilt.

Insgesamt zeichnet das Gutachten das Bild eines Jugendlichen, der mit der Welt nicht klar kam. Sein Denken habe sich zusehends verengt, aus der Realität habe er sich mehr und mehr verabschiedet in die Scheinwelt des Computers. Laut Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei beschäftigte er sich intensiv mit Schulmassakern und Robert Steinhäuser, dem Amokläufer von Erfurt, der im Jahr 2002 insgesamt 17 Menschen erschoss.

Eine wichtige Rolle spielen nach Ansicht von Gutachter du Bois die sexuellen Phantasien von Tim K. Auf dessen Rechner fanden sich 150 Bilder und Filme gefesselter und verschnürter Männer, so genannte Bondage-Szenen. Tim K. habe eine masochistische Persönlichkeitsstörung gehabt, so die Einschätzung des Kinder- und Jugendpsychiaters. Er habe darunter gelitten und Hilfe gesucht. Im Gespräch mit der Therapeutin habe er es nicht geschafft, dieses Problem anzusprechen.

Die Eltern, so das Gutachten, hätten sich zwar "besorgt" gezeigt, sie hätten aber offensichtlich die Ernsthaftigkeit der Phantasien ihres Sohnes unterschätzt. Wenn man dem Gutachten Glauben schenkt, hätten die Eltern erkennen können, dass ihr Sohn "eine Gefahr für sich und andere" darstellt. Waffen hätten dann "ein Tabu" sein müssen, ebenso das Heranführen an den Schießsport.

Abschiedsbrief hinterlassen

Im Tresor in Tim Ks Zimmer lag nach Informationen von stern.de ein Abschiedbrief, von dem bisher nichts bekannt war. Darin schreibt er: "Die Wahrheit ist, diejenigen haben es schon von Geburt an in sich, es kommt jedoch nur raus, wenn das Gemachte hinzukommt." Es ist unklar, ob sich diese wirr formulierten Gedanken auf die Tötungsphantasien oder die sexuellen Neigungen beziehen.

Die Aussagen des Gutachtens könnten in den Ermittlungen der Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen Jörg K. eine Rolle spielen. Die Staatsanwälte ermitteln wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen Tims Vater. Ihm wird vorgeworfen, nachlässig mit seinen Waffen umgegangen zu sein. Die Beretta, mit der sein Sohn 15 Menschen tötete, lag seit Jahren ungesichert im Schlafzimmer. Ob es zu einem öffentlichen Verfahren gegen den Vater kommen wird, ist noch unklar.

Kindesunterhalt für volljähriges Kind ohne Zielstrebigkeit
Mein Kind ist 19 Jahre alt und lebt im Haushalt der Mutter. Es hat im Juli 2017 seine Schule nach der 10. Klasse dann mit Hauptschulabschluss verlassen. Danach wollte es auf einer Berfsfachschule Einzelhandel seinen Realschulabschluss nachholen (2 Jahre). Es besuchte die Schule im ersten Halbjahr nicht wirklich regelmäßig und im zweiten Halbjahr dann so gut wie gar nicht mehr. (zum Ende hin, ist es gar nicht mehr zur Schule gegangen) Das notwendige zweite Jahr ging es dann gar nicht mehr an. Stattdessen hat es sich für ein freiwilliges Soziales Jahr beworben und geht hier mehr oder weniger regelmäßig hin. Nun möchte es das FSJ abbrechen und wieder seinen Realschulabschluss nachholen. Dies soll in Vollzeit an der Volkshochschule geschehen. Zwischendurch ist immer wieder die Rede von verschiedenen Ausbildungen. Ein wirkliches Konzept, oder Interesse ist aber auch hier nicht erkennbar. Mal kommt es mit dem Berufswunsch Tierarzthelfer/In, mal mit Immobilienkaufmann/-Frau, oder Ähnlichem. Informationen über freie Stellen, oder Inhalte des Berufs und der Ausbildung können nicht genannt werden. Bei laufenden Bewerbungen am Ball zu bleiben liegt ihm auch nicht wirklich. Hab die Bewerbung ja hingeschickt, damit soll es dann auch gut sein. Langsam drängt sich mir der Verdacht auf, es sucht sich den bequemsten Weg heraus und verlässt sich auf meine nicht unerheblichen Unterhaltszahlungen. Frei nach dem Motto: Was soll ich mich kümmern, Väterchen muss ja zahlen, solange ich Schule oder Ausbildung mache. Um meinem Kind Anreize zu geben, endlich Zielstrebigkeit zu entwickeln, habe ich schon über die Kürzung bzw. Einstellung des Unterhals nachgedacht. Wie verhält sich das rechtlich, bzw. was kann ich tun?